AG600: China baut größtes Wasserflugzeug der Welt
China hat mit dem AG600(öffnet im neuen Fenster) das derzeit größte Flugboot vorgestellt. Mit 38,8 Metern Spannweite, einer Länge von 36,9 Metern und bis zu 53 Tonnen Fluggewicht ist es nur etwas größer als das bisher größte chinesische Flugboot. Die Harbin SH-5(öffnet im neuen Fenster) kann mit bis zu 45 Tonnen abheben, von ihr wurden in den 1980er Jahren aber nur fünf Exemplare produziert. Als Triebwerk dient der neuen AG600 die chinesische Variante eines russischen AI-20(öffnet im neuen Fenster) Turboprop-Triebwerks, das bereits in den 1950er Jahren entwickelt wurde.
Das Flugzeug zeichnet sich durch eine große Reichweite von etwa 5.000 Kilometern aus, ähnlich wie ihr Vorgänger, der auch militärisch genutzt wurde. Der Bekanntgabe folgte daher einige internationale Kritik. Mit dieser Reichweite kann es von der südlichen Provinz Hainan aus alle Teile des südchinesischen Meeres(öffnet im neuen Fenster) erreichen und wieder zurückfliegen. Die Gegend ist unter Malaysia, den Philippinen, Vietnam und China umstritten, unter anderem wegen der Erdölreserven der Region. In diesem Umkreis wurden von China mehrere Militärstützpunkte auf kleineren Inseln und Atollen errichtet, die teilweise nur über eingeschränkte Landemöglichkeiten für herkömmliche Flugzeuge verfügen. Es wird erwartet, dass die AG600 eine wichtige Rolle in deren Versorgung und bei der militärischen Kontrolle des Gebietes spielen wird.
Auch zivile Nutzung
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua stellte(öffnet im neuen Fenster) bei der Vorstellung des Flugzeuges vor allem die Waldbrandbekämpfung und Seenotrettung in den Vordergrund.Tatsächlich sind große Teile Chinas, vor allem das Gebiet der Mandschurei im Nordosten des Landes, durch größere Waldbrände gefährdet(öffnet im neuen Fenster). Im Jahr 1987 kam es dort zum einem der bisher größten Waldbrände(öffnet im neuen Fenster). Das Klima der weitläufigen Region begünstigt das Entstehen von Waldbränden, deren Bekämpfung durch die schlechte Wasserversorgung erschwert ist. Ähnliche Probleme gibt es im Süden des Landes in Yunnan, Sichuan und Guangxi. Die große Einsatzreichweite ist dabei ein wichtiger Vorteil. Als Löschflugzeug soll die AG600 in einem Einsatz bis zu 370 Tonnen Wasser abwerfen können, obwohl sie pro Anflug 12 Tonnen Wasser aufnehmen kann.
Umgebaute Passagierflugzeuge können allerdings wesentlich größere Wassermengen abwerfen. So wurden alte DC-10(öffnet im neuen Fenster) Flugzeuge für Missionen mit bis zu 45 Tonnen Wasser umgebaut. Den Rekord hält aber eine Evergreen 747 Supertanker(öffnet im neuen Fenster) mit bis zu 74 Tonnen.
Auf Rettungseinsätzen soll das Flugzeug bis zu 50 Personen im Meer aufnehmen können. Als Flugzeug kann es dabei abgelegene Stellen in den meisten Fällen schneller erreichen als Rettungsschiffe und hat dabei eine wesentlich größere Reichweite als ein Helikopter. Ein ziviler Nutzen kann dem Flugzeug damit kaum abgesprochen werden. Nach Angaben des Herstellers(öffnet im neuen Fenster) gibt es bereits Interesse an dem Flugzeug aus Malaysia und Neuseeland.
Auch Japan und Russland haben mit der Shin Maywa US-2(öffnet im neuen Fenster) und der Beriev Be-200(öffnet im neuen Fenster) Flugboote vergleichbarer Größenordnungen gebaut, die ein ganz ähnliches Aufgabenspektrum haben, einschließlich bewaffneter militärischer Einsätze auf Patrouillenflügen.
Nicht das größte Flugboot bisher
Die AG600 löst die japanische US-2 als größtes Flugboot ab, das derzeit in Produktion ist. Noch größer waren aber die Dornier Do X(öffnet im neuen Fenster) von 1929 und die 1947 gebaute Hughes H-4(öffnet im neuen Fenster) Hercules, die mit mehr als 120 Tonnen Leergewicht etwa mehr als das dreifache Gewicht der AG600 hatte. Sie war als Truppentransporter geplant, absolvierte aber nie mehr als einen 1,5 Kilometer langen Testflug knapp über der Wasseroberfläche, wo der Bodeneffekt den Auftrieb vergrößert.
Das russische Ekranoplan(öffnet im neuen Fenster) war von Anfang an dafür gedacht, den Bodeneffekt zu nutzen. Das maximale Fluggewicht dieses Bodeneffektflugzeugs war mit 540 Tonnen zehnmal so groß wie das des AG600, was ihm den Namen "Kaspisches Monster" einbrachte. Allerdings war das Ekranoplan für Flughöhen zwischen 4 und 14 Metern gebaut, während die AG600 auch noch in mehreren Kilometern Höhe fliegen kann.
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