Afghanistan: Taliban jagen ihre Gegner auch via Netz

So manches Video oder Foto im Netz hilft den Taliban bei der Jagd auf Journalisten, Oppositionelle und Ortskräfte. Ihre Bildforensiker arbeiten auf dem neuesten Stand der Technik der Bilderkennung.

Eine Analyse von Peter Welchering veröffentlicht am
Taliban-Kämpfer mit Handy
Taliban-Kämpfer mit Handy (Bild: WAKIL KOHSAR/AFP via Getty Images)

Über die Situation der Ortskräfte der Bundeswehr in Afghanistan wird derzeit intensiv berichtet. Dabei werden auch Fotos und Videos der Bundeswehrhelfer veröffentlicht. Für die Betroffenen kann das extrem gefährlich werden.

Inhalt:
  1. Afghanistan: Taliban jagen ihre Gegner auch via Netz
  2. Analyse-Tools gibt es im Netz

Denn unverpixelte Fotos und Videos von Untergetauchten, die auf eine Chance zur Flucht warten, liefern nicht nur aktuelle Steckbriefe. Oft lassen sich aus den Metadaten und Bildinhalten auch Hinweise auf den Aufenthaltsort der Interviewten entnehmen.

So hatte eine Redaktion ein Foto mit GPS-Koordinaten ins Netz gestellt. Zum Glück wurde das Bild rasch wieder entfernt. Eine Nichtregierungsorganisation hatte ein Video mit dem Hilferuf eines Journalisten veröffentlicht, dessen afghanisches Medienunternehmen für die Bundeswehr gearbeitet hat, aber zunächst die Regeln des Informantenschutzes nicht beachtet.

Bildinhalte können Verstecke verraten

Anhand der Bettwäsche und des Vorhanges konnte auf den möglichen Aufenthaltsort des Gefilmten geschlossen werden. Dazu ist eine gewisse Ortskenntnis erforderlich. Die aber haben die Taliban nach Kabul mitgebracht.

Stellenmarkt
  1. Developer ETL Talend / Data Integration und Datawarehouse (m/w/d)
    L-Bank, Karlsruhe
  2. Expertise Lead (m/w/d) Fraud Prevention
    ING Deutschland, Frankfurt, Nürnberg, Hannover
Detailsuche

Und sie haben auch ihre Spezialkräfte für die Ermittlung von Gegnern nach Kabul geschickt. Die sind in Sachen Informationstechnik und Bildforensik ganz gut ausgebildet und ausgerüstet - das übrigens seit 20 Jahren.

Die Al-Qaida-Gruppe Bin Ladens hatte über viele Jahre hinweg sogar eine bestens aufgestellte IT-Abteilung. Den amerikanischen Militärs ist es nie gelungen, diese Abteilung völlig auszuschalten. Nach 2011 sind Teile der IT-Spezialkräfte von Al Qaida zu Taliban-Gruppen abgewandert.

Sie bauten ab 2015 zunächst die Infrastruktur für die Taliban bei Whatsapp und Telegram auf und richteten eine eigene Videoproduktion für Propagandazwecke ein, die ab 2017 auf sich aufmerksam machte. Sie erreichen die afghanische Bevölkerung damit ganz gut.

Taliban nutzen Twitter & Co.

"40 Prozent der Afghanen nutzen einen Internetzugang, 90 Prozent ein Mobiltelefon", berichtet Afghanistan-Spezialist Emerson Brooking vom Atlantic Council im amerikanischen TV-Sender Bloomberg.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Gegenwärtig nutzen die Taliban soziale Medien und Internettechnik nicht nur für Propagandazwecke und ihre eigene Kommunikation, sondern auch, um Gegner des Taliban-Regimes aufzuspüren. Dazu werden aktuell im Netz verfügbare Videos und Fotos ausgewertet.

Daraus entstehen Fahndungsaufrufe, die per Telegram und Whatsapp an die eigenen Kämpfer versendet werden. Auch die Besatzungen der Checkpoints rund um den Flughafen in Kabul werden so mit aktuellem Steckbriefmaterial versorgt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Analyse-Tools gibt es im Netz 
  1. 1
  2. 2
  3.  


franzropen 23. Aug 2021 / Themenstart

Vielleicht nutzen die Geheimdienste die Informationen von Twitter, um Informationen über...

M.P. 22. Aug 2021 / Themenstart

Während über Generationen vererbter Reichtum mir jeder nachkommenden Generation zu mehr...

Grimreaper 22. Aug 2021 / Themenstart

Es ist genau wie hier seit den 1960er Jahren die Migration läuft (komischerweise wollte...

Knuspermaus 21. Aug 2021 / Themenstart

In diesem Falle nicht... da waren wir nur Mitläufer. Die Amerikaner hatten mit den...

nuclear 20. Aug 2021 / Themenstart

Tja das ist leider immer ein Problem. Sieht man auch immer wieder wenn es z.B. um...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bundestagswahl 2021
Die Parteien im Datenschutz-Check

Gesagt, getan? Wir haben geprüft, was CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und AfD zum Datenschutz fordern - und was sie selbst auf ihren Webseiten umsetzen.
Eine Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti

Bundestagswahl 2021: Die Parteien im Datenschutz-Check
Artikel
  1. ARM: Apples M1 bekommt ausführliche Reverse-Engineering-Doku
    ARM
    Apples M1 bekommt ausführliche Reverse-Engineering-Doku

    Wie genau funktioniert Apples M1-Chip? Diese Frage hat ein Entwickler durch ausgiebiges Reverse Engineering versucht zu beantworten.

  2. Kryptowährung: Kampf um Markenrechte an Dogecoin
    Kryptowährung
    Kampf um Markenrechte an Dogecoin

    Die Dogecoin Foundation hatte offenbar vergessen, sich die Markenrechte an der Kryptowährung zu sichern. Jetzt erheben andere Anspruch.

  3. Leserumfrage: Wie wünschst du dir Golem.de?
    Leserumfrage
    Wie wünschst du dir Golem.de?

    Ob du täglich mehrmals Golem.de liest oder ab und zu: Wir sind an deiner Meinung interessiert! Hilf uns, Golem.de noch besser zu machen - die Umfrage dauert weniger als 10 Minuten.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MM Club-Tage: Bis zu 15% auf TVs, PCs, Monitore uvm.) • Alternate (u. a. Razer Kraken X für Konsole 34,99€) • Xiaomi 11T 5G vorbestellbar 549€ • Saturn-Deals (u. a. Samsung 55" QLED (2021) 849,15€) • Logitech-Aktion: 20%-Rabattgutschein für ASOS • XMG-Notebooks mit 250€ Rabatt [Werbung]
    •  /