Äußeres Sonnensystem: Uranus und Neptun könnten Magmaozeane besitzen
Uranus und Neptun, die am wenigsten erforschten Planeten unseres Sonnensystems, sind möglicherweise völlig anders aufgebaut als bislang angenommen. Ein Forschungsteam der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA)(öffnet im neuen Fenster) hat im Juni 2026 eine neue Hypothese aufgestellt: Statt einer dicken Eisschicht aus Wasser, Ammoniak und Methan könnten die Himmelskörper gigantische, gut durchmischte Magmaozeane besitzen.
Das bisherige Bild der beiden Planeten basiert primär auf den Daten der Raumsonde Voyager 2, die Uranus 1986 und Neptun 1989 in kurzen Vorbeiflügen passierte.
Aufgrund der enormen Distanz zur Erde – Uranus ist mindestens 2,6 und Neptun 4,3 Milliarden Kilometer entfernt – gab es seither keine weiteren Missionen vor Ort. Neuere Daten stammen lediglich von Teleskopen.
Zweifel an der Eisriesen-Hypothese
Die Ergebnisse wurden auf dem Pre-Print-Server arxiv.org veröffentlicht und dem Fachjournal The Astrophysical Journal vorgelegt. Das UCLA-Forschungsteam zweifelt an dem traditionellen dreischichtigen Eisriesen-Modell, da sich die Planeten einst überwiegend aus Objekten des Kuipergürtels gebildet haben dürften – eine Region, die vor allem aus Gestein und nicht aus Eis besteht. Die Wissenschaftler simulierten daher alternative innere Prozesse.
Das plausibelste Modell zeigt demnach folgendes Bild: Unter der bekannten Wasserstoff-Helium-Atmosphäre liegt eine komplexe Grenzschicht aus Wasserstoff, Helium, Magnesium, Siliziummonoxid und Sauerstoff. Darunter folgt ein Magmaozean aus Silikat, Eisen und Wasserstoff.
Wegen des extremen Drucks im tiefen Inneren löst sich der Wasserstoff im flüssigen Gestein. Diese Durchmischung würde die planetare Dichte erklären, die bisher als Nachweis von Eis gewertet wird. Auch das Fehlen von Ammoniak in den Atmosphären lässt sich so begründen, da sich die Verbindung leicht in Magma löst.
Die Erkenntnisse sind auch für die Exoplanetenforschung relevant. Sie dienen als Analoga für gasförmige Sub-Neptune – die häufigste Planetenart in unserer Galaxie, über deren Entstehung noch wenig bekannt ist.
Ob die Magmaozean-Hypothese zutrifft, bleibt mangels neuer Raumfahrtmissionen vorerst ungeprüft. Das traditionelle Modell der Eisriesen gerät damit jedoch weiter ins Wanken. Erst im vergangenen Jahr wurde vorgeschlagen, dass Uranus und Neptun möglicherweise Gesteinsplaneten sind.
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