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Änderung der Ausbildung gefordert: IT-Einstiegsjobs brechen um mehr als zwei Drittel ein

In Berufsgruppen mit KI-Transformationspotenzial sind die Angebote für Einstiegsjobs extrem zurückgegangen.
/ Mike Faust
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Das duale Ausbildungssystem zeigt eine Entwicklung entgegen dem Trend der Einstiegsjobs. (Bild: Pexels / cottonbro studio)
Das duale Ausbildungssystem zeigt eine Entwicklung entgegen dem Trend der Einstiegsjobs. Bild: Pexels / cottonbro studio

Seit dem Jahr 2022 hat sich der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger in Deutschland stark verschlechtert. Wie das Jobportal Indeed auf Grundlage von inserierten Stellenanzeigen ermittelte(öffnet im neuen Fenster), sank das Angebot an Einstiegsjobs nach einem Höchststand im Juli 2022 um mehr als zwei Drittel und lag im Juli 2026 rund 46 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Dieser Rückgang verlief deutlich steiler als am Gesamtmarkt, der im selben Zeitraum zwar ebenfalls schrumpfte, zuletzt aber immer noch acht Prozent über dem Vor-Corona-Wert lag. Parallel dazu stieg die Erwerbslosenquote junger Menschen (15 bis 24 Jahre) in Deutschland von 5,9 Prozent im Jahr 2023 auf 7,1 Prozent im Jahr 2025 an.

Die Verschlechterung betrifft nahezu alle Branchen. In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen gingen die Einstiegsangebote seit 2022 zurück. Besonders schwer betroffen waren akademisch geprägte Wissensberufe, darunter der IT-Sektor (-77 Prozent), die Werbebranche (-75 Prozent) und das Projektmanagement (-60 Prozent). Lediglich die Berufsgruppen Pflege, Medizin und Pharmazie (+18 Prozent) sowie Lebensmittel, Gastronomie & Hotellerie (+10 Prozent) verzeichneten bei den Einstiegsstellen Zuwächse.

Entkopplung am Arbeitsmarkt setzte bereits vor 2022 ein

Als zentralen Einflussfaktor nannte Indeed die Transformation durch künstliche Intelligenz, da diese vor allem Routineaufgaben übernehme, die traditionell von Junior-Kräften erledigt würden. In Berufsgruppen mit einem KI-Transformationspotenzial von über 60 Prozent halbierten sich die Einstiegsangebote im Vergleich zum Jahr 2019.

Allerdings setzte die Entkopplung dieser KI-exponierten Stellen bereits im Frühjahr 2022 und damit vor der Veröffentlichung von ChatGPT ein, weshalb auch die allgemeine Konjunkturschwäche und veränderte Arbeitsmodelle als Ursachen zu nennen sind.

Einen Gegenpol bildet das duale Ausbildungssystem. Stellenausschreibungen für Berufsausbildungen und duale Studiengänge lagen in der Saison 2025/26 im Durchschnitt 50 Prozent über dem Niveau von 2019 und entwickelten sich in 20 von 23 Berufsgruppen besser als Einstiegsjobs.

Betriebliche Qualifizierung von Auszubildenden als bessere Option

So brachen etwa in der Softwareentwicklung die regulären Einstiegsstellen um 70 Prozent ein, während Ausbildungsplätze noch 27 Prozent über dem Wert von 2019 lagen. Für Unternehmen ist die betriebliche Qualifizierung von Auszubildenden in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die risikoärmere und kostengünstigere Option.

Der anhaltende Einbruch bei den Einstiegsstellen birgt für die betroffene Generation das Risiko negativer Kohorteneffekte, die sich langfristig auf Gehalt und Erwerbsbiografie auswirken können.

Um strukturelle Diskrepanzen nicht zu verstärken, bei denen offene Stellen und arbeitssuchende Personen nicht zueinanderpassen, müsse das Bildungssystem zügig überarbeitet und die Mensch-KI-Kollaboration in den Mittelpunkt gerückt werden, erklärte Indeed. Dass solche Anpassungen wirkten, zeige das Beispiel der Steuerfachangestellten, deren digitales Automatisierungspotenzial durch eine reformierte Ausbildungsordnung von 100 Prozent auf 50 Prozent gesenkt worden sei.


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