Adwords: Google zahlt angeblich 25 Mio. US-Dollar an Adblock Plus
Seit Ende 2012 stehe auch Google auf der Whitelist von Adblock Plus und zahle dafür 25 Millionen US-Dollar an das 17-köpfige Unternehmen aus Köln, berichtet der Blogger Sascha Pallenberg(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung "außergewoehnlich gut unterrichte Kreise". Die Macher des Werbeblockers Adblock Plus stehen seit einiger Zeit in der Kritik, weil sie versuchen, ihre Marktmacht mit den sogenannten "Acceptable Ads" zu Geld zu machen.
Die Eyeo GmbH, die hinter Adblock Plus steht, lässt Firmen für die Aufnahme in die Whitelist bezahlen, damit Adblock Plus ihre Werbung durchlässt. Das gilt zumindest für große Unternehmen. Neben Google zahlen Pallenberg zufolge auch Amazon, eBay und Yahoo an Eyeo. 90 Prozent der Websites zahlen nach Angaben der Adblock-Plus-Macher nichts.
Pallenberg hatte schon im vergangenen Jahr wiederholt kritisch über die Adblock-Plus-Macher berichtet und unter anderem aufgedeckt, dass das Unternehmen von Sedo-Gründer Tim Schumacher finanziert wird.
Eyeo stellt sich selbst als Anwalt der Nutzer dar, deren Interesse das Unternehmen mit seinem kostenlosen Adblocker vertrete. Wenn die von Pallenberg erhobenen Zahlen zutreffen, verdienen die Adblock-Plus-Macher dabei recht gut.
Legales Geschäftsmodell?
Das Geschäftsmodell von Eyeo, kostenlos einen Adblocker anzubieten und sich dann von Websites bezahlen zu lassen, die ihre Anzeigen dennoch anzeigen wollen, stößt vielen auf. Eyeo verweist diesbezüglich seit einiger Zeit auf einen Artikel(öffnet im neuen Fenster) von Thomas Hoeren(öffnet im neuen Fenster), Professor für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Universität Münster, der in seiner Analyse zu dem Schluss kommt: "Angebot und Vertrieb der Werbeblocker-Software 'Adblock Plus' sind aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden". Offiziell bietet Eyeo nämlich nur die Software an und pflegt die Whitelist für die Acceptable Ads.
Pallenberg aber vermutet, dass Eyeo auch an der Pflege der Blacklist "Easylist" beteiligt ist. Während die Whitelist von Eyeo derzeit rund 4.000 Zeilen hat, ist die Blacklist fast 40.000 Zeilen lang. Laut Pallenberg landen wöchentlich mehrere Dutzend neuer Einträge auf der Easylist, die allerdings nur an Wochentagen aktualisiert werde – ein ungewöhnliches Muster für eine Arbeit, die angeblich nur von Freiwilligen erledigt wird. Belege dafür, dass Eyeo in die Erstellung der Easylist involviert ist, legt Pallenberg allerdings nicht vor.
Zudem kann Eyeo mittels Updates die Acceptable Ads bei seinen Nutzern auch wieder aktivieren, wenn diese sie zuvor deaktiviert haben. So geschehen im vergangenen Jahr in den entsprechenden Erweiterungen für Chrome und Opera über mehrere Versionen hinweg. Einen Bug nennt es Adblock-Plus-Entwickler Wladimir Palant(öffnet im neuen Fenster). Der Fehler lasse sich nicht automatisch korrigieren, entschuldigt sich Palant. Das stimmt aber nur indirekt, denn Eyeo hätte sich sehr wohl dafür entscheiden können, mit einem Update die Einstellung bei allen seinen Nutzern so zu ändern, dass keiner die Acceptable Ads angezeigt bekommt. Das Unternehmen habe sich aber entschieden, die Acceptable Ads standardmäßig bei allen Nutzern aktiviert zu lassen, beklagt Pallenberg.
Das Problem mit der akzeptablen Werbung
Die Initiative Acceptable Ads stellt Eyeo als einen Versuch dar, das Web zu verbessern und für bessere Werbung zu sorgen. Auch Golem.de steht auf der Whitelist von Eyeo, allerdings sind nur sehr wenige ausgewählte Anzeigen auf der Seite freigeschaltet. Denn die Bedingungen, die Eyeo an "akzeptable Werbung" stellt, schränken die Möglichkeiten sehr weit ein. Ein Angebot wie Golem.de lässt sich mit "Acceptable Ads" daher nicht ansatzweise finanzieren.
Eyeo bewirbt seinen Adblocker zudem immer wieder als Schutzmaßnahme, mit der sich unter anderem Tracking verhindern lässt. Das Thema Tracking spielt bei den Acceptable Ads allerdings keine Rolle. So heißt es in den Kriterien von Eyeo bisher lediglich: "Diese Kriterien sind noch nicht final, wir arbeiten an ihrer Verbesserung. Insbesondere wollen wir voraussetzen, dass die Privatsphäre der Nutzer respektiert wird (z. B. verpflichtende Unterstützung von Do Not Track). Allerdings sind wir im Moment noch nicht in der Lage, diese Voraussetzung einzufordern."
In einem ähnlichen Dilemma befinden sich viele Websitebetreiber: Sie sind nicht in der Lage, von ihren Werbekunden die Einhaltung der von Eyeo einseitig aufgestellten Regeln einzufordern.
Eyeo gab zu den Vorwürfen von Sascha Pallenberg nur eine kurze Stellungnahme ab. Darin heißt es: "Wie wir auf unserer Webseite ausführlich erklären, zahlen einige Teilnehmer unserer Acceptabl-Ads-Initiative eine Gebühr. Über die genaue Höhe dieser Gebühr machen wir keine Angaben. Wir haben seit der Einführung unseres Programms über dessen Inhalte und die finanzielle Unterstützung durch größere Webseiten transparent informiert. Alle Ergänzungen zum Acceptable-Ads-Programm kündigen wir in unserem öffentlichen Nutzerforum an."
Nachtrag vom 31. Januar 2014, 15:50 Uhr
EBay weist auf Nachfrage eine Zusammenarbeit mit Eyeo und Adblock Plus zurück. In einer Stellungnahme heißt es: "Es besteht kein Vertrag zwischen eBay und Adblock Plus sowie der Eyeo GmbH. Ich kann bestätigen, dass nie Geld für die Aufnahme von eBay in die 'Accaptable Ads'-Liste von Adblock Plus geflossen ist, von daher sind die Behauptungen und Zahlen aufMobilegeek.de hinsichtlich eBay schlichtweg falsch und aus der Luft gegriffen."
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