Adblocker: GMX und Web.de warnen vor seitenmanipulierenden Addons

Mit Verweis auf eine vermeintliche Sicherheitsgefahr will United Internet seine Nutzer dazu bringen, Adblocker zu deinstallieren. Adblocker aus einer sicheren Quelle seien aber "total unproblematisch", sagte 1&1 auf Anfrage von Golem.de.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Deinstallation von Addons soll die Browsersicherheit erhöhen.
Die Deinstallation von Addons soll die Browsersicherheit erhöhen. (Bild: Browsersicherheit.info/Screenshot: Golem.de)

Die E-Mail-Anbieter GMX und Web.de warnen ihre Nutzer derzeit vor dem Gebrauch von Adblockern. "Die Sicherheit ihres Rechners wird durch ein Firefox Add-on eingeschränkt", heißt es auf der Homepage der Portale, wenn der Nutzer ein Addon wie Adblock Plus benutzt. Ein Button mit dem Inhalt "Sicherheit wieder herstellen" führt dabei zu der Seite Browsersicherheit.info, die von 1&1 gehostet wird.

Stellenmarkt
  1. ERP-Systembetreuer Junior (m/w/d)
    MS-Schramberg GmbH & Co. KG, Schramberg-Sulgen
  2. Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen Data Scientists
    Umweltbundesamt, Merseburg
Detailsuche

Dort heißt es alarmistisch: "Bestimmte Erweiterungen und Add-ons können in Ihrem Browser eine Webseite nachträglich verändern. Diese seitenmanipulierenden Add-ons stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Sie dar! Solche Add-ons haben Zugriff auf alle Ihre Eingaben im Browser und können diese auch an Dritte weitergeben - auch Ihr Bank-Passwort. Dies kann auf allen Webseiten passieren. Sicherheitsmechanismen wie SSL können das nicht verhindern." Es folgt dann eine Anleitung, wie verschiedene Adblock-Varianten deinstalliert werden können. Dabei nennt die Seite neben Adblock auch tatsächliche Malware, die zusätzliche Werbung einblendet.

Als Beleg für ihre Sicherheitswarnung verweisen die Anbieter auf einen Artikel von Computerbild.de, der wiederum auf einem "Versuch" des 1&1-Sicherheitsteams beruht. In einem Artikel auf Web.de heißt es: "Add-ons, wie Adblock Plus, lassen sich mit ein paar einfachen Code-Zeilen in erstklassige Spyware verwandeln."

Unwahrscheinliches Angriffsszenario

Einem geschilderten Angriffsszenario zufolge können die Addons dann auch die kompletten Zugangsdaten inklusive TAN für das Onlinebanking angreifen. Web.de zitiert dabei einen Sicherheitsexperten mit den Worten: "Mit Phishing-Attacken sind auf diese Weise schon Millionen ergaunert worden." Die erwähnten und verlinkten Attacken bezogen sich dabei aber ausschließlich auf E-Mails.

Golem Karrierewelt
  1. Automatisierung (RPA) mit Python: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    02./03.03.2023, Virtuell
  2. Git Grundlagen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    19./20.01.2023, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Aus dem Artikel geht nicht hervor, wie es Kriminellen gelingen kann, solche infizierten Updates in den Browser zu schleusen. Zwar gab es jüngst zwei Fälle, in denen Chrome-Erweiterungen wie Add to Feedly nach einem Eigentümerwechsel plötzlich zu Werbeschleudern mutierten. Dass Adblock aber im Falle eines Verkaufs plötzlich Bankdaten ausspäht, wird 1&1 vermutlich nicht einmal selbst glauben. Um dies zu verhindern, würde es auch ausreichen, bei Firefox die automatische Updatefunktion zu deaktivieren. Zum anderen werden bei Firefox alle Addons vor der Freigabe überprüft. Ähnliche Review-Prozesse gibt es auch bei Opera, wie aus einem Browservergleich bei Arstechnica.com hervorgeht.

Adblocker schützen vor manipulierter Werbung

Zuletzt hatten mehrere deutsche Werbefirmen angekündigt, mit juristischen und technischen Mitteln gegen Werbeblocker vorgehen zu wollen. Wie genau dies erfolgen soll, blieb aber unklar. Weder beim Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch beim Kölner Adblock-Plus-Betreiber Eyeo war am Donnerstag eine Stellungnahme zu erhalten.

Dass Adblocker sogar die Sicherheit der Nutzer erhöhen können, zeigt ein aktueller Vorfall bei Youtube.com. Bei dem Videoportal enthielt manipulierte Flash-Werbung demnach eine Weiterleitung zu Webseiten, die über eine Sicherheitslücke in Java den Banking-Trojaner Caphaw auf dem Rechner eines Opfers installieren.

Nachtrag vom 27. Februar 2014, 14:30 Uhr

1&1 hat inzwischen den "Sicherheitshinweis" überarbeitet. So wurden der Warnung die Providernamen GMX und Web.de vorangestellt. Der Text lautet nun: "Die Sicherheit der Seite wird durch ein Firefox Add-on eingeschränkt". In den "Fragen und Antworten zu Add-ons;" heißt es bei GMX: "Betroffen sind vor allem seitenmanipulierende Add-ons, die aus wenig vertrauenswürdigen Quellen stammen und bei denen unklar ist, welches Geschäftsmodell dahintersteckt." 1&1-Sprecher Jörg Fries-Lammers sagte auf Anfrage von Golem.de: "Wenn man sich einen Adblocker von einer sicheren Quelle herunterlädt, ist es total unproblematisch." Fries-Lammers wollte nicht einräumen, dass Adblock eine "wenig vertrauenswürdige Quelle" sei. Das Addon sei gewählt worden, weil es der am meisten verbreitete Adblocker sei. Es gehe nur um eine theoretische Möglichkeit der Gefahr. Fries-Lammers konnte nicht bestätigen, dass das BSI in dieser Frage konsultiert worden sei.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anonymer Nutzer 28. Feb 2014

Deswegen das ganze ja in Anführungsstrichen.

Der Held vom... 28. Feb 2014

Das sicherlich nicht, aber man kann damit anfangen. Sprich, man richtet erst einmal eine...

schumischumi 28. Feb 2014

was erwartest du den von einem " gute/seriöse e-mail provider"? wie schon von meinen...

RipClaw 28. Feb 2014

Du hättest lieber als Grund "Wiederherstellung der Sicherheit" angeben sollen ;)



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Apollon-Plattform
DE-CIX wagt umfassendstes Netzwerkupgrade seiner Geschichte

Das Upgrade zum Ausfiltern von Netzwerkrauschen erfolgte innerhalb nächtlicher Wartungsfenster bei laufendem Betrieb.

Apollon-Plattform: DE-CIX wagt umfassendstes Netzwerkupgrade seiner Geschichte
Artikel
  1. Kia Flex: Kia startet Neuwagen-Abo
    Kia Flex
    Kia startet Neuwagen-Abo

    Unter dem Namen Kia Flex hat Kia ein neues Vertriebskonzept vorgestellt. Kunden kaufen die Autos nicht, sondern abonnieren sie.

  2. Autonomes Fahren: VW-Chef Blume streicht offenbar Audi-Projekt Artemis
    Autonomes Fahren
    VW-Chef Blume streicht offenbar Audi-Projekt Artemis

    Nicht nur das VW-Projekt Trinity, auch das geplante Audi-Vorzeigemodell Artemis fällt den Softwareproblemen des VW-Konzerns zum Opfer.

  3. Kids für Alexa im Test: Alexa, wer hat den Kindermodus verbockt?
    Kids für Alexa im Test
    Alexa, wer hat den Kindermodus verbockt?

    Amazon bietet neuerdings einen speziellen Kindermodus für Alexa an. Das soll Eltern in Sicherheit wiegen, die sollten sich aber besser nicht darauf verlassen.
    Ein Test von Ingo Pakalski

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Amazon Last Minute Angebote: Games & Zubehör, AVM-Router • Saturn-Weihnachts-Hits: Rabatt-Angebote aus allen Kategorien • Laptops bis zu 41% günstiger bei Saturn • PS5 Disc Edition inkl. GoW Ragnarök wieder vorbestellbar bei Amazon 619€ • ViewSonic 32" WQHD/144 Hz 229,90€ [Werbung]
    •  /