Abo
  • Services:

Adblocker: Bild.de sperrt Nutzer von Werbeblockern aus

Im Streit über die Anzeige von Werbung greift der Axel-Springer-Verlag zu einem drastischen Schritt. Alle Nutzer von Adblockern werden auf Bild.de ausgesperrt. Das Portal bietet nun ein "nahezu" werbefreies Abo an.

Artikel veröffentlicht am ,
Bild.de sperrt Nutzer von Werbeblockern aus.
Bild.de sperrt Nutzer von Werbeblockern aus. (Bild: bild.de)

Regelmäßige Onlineleser der Bild-Zeitung, die einen Adblocker benutzen, dürften am Dienstagmorgen überrascht gewesen sein. "Mit aktiviertem Adblocker können Sie bild.de nicht mehr besuchen", heißt es auf der Seite des klickstärksten deutschen Medienportals. Die Nutzer werden aufgefordert, den Werbeblocker für Bild.de zu deaktivieren oder ein Abo abzuschließen, das die angezeigte Werbung um 90 Prozent reduzieren soll. "Ohne Erlöse aus dem Verkauf von Werbeplätzen können wir die Arbeit unserer Journalisten nicht finanzieren", schreibt die Zeitung, die zum Axel-Springer-Verlag gehört. Betroffen sind neben Werbeblockern wie Adblock Plus und Ublock auch die Mozilla-Erweiterung Noscript.

Stellenmarkt
  1. NÜRNBERGER Versicherung, Nürnberg
  2. B. Strautmann & Söhne GmbH & Co. KG, Bad Laer

Damit zieht der Verlag eine drastische Konsequenz aus der juristischen Niederlage, die er im September 2015 vor dem Landgericht Köln gegen den Werbeblocker Adblock Plus erlitten hatte. Nach Verfahren in München und Hamburg hatten auch die Kölner Richter festgestellt, dass der Adblocker und das damit verbundene Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH legal sei. Axel Springer hält sowohl das Unterdrücken von Werbung als auch das Angebot des Whitelisting, bei dem sich große Verlage von der Werbeblockade freikaufen können, für rechtswidrig. Das Whitelisting sei ein "erpresserisches Vorgehen", teilte der Verlag am Dienstag mit.

Bis zu 90 Prozent weniger Werbung

Das Abonnement, Bildsmart genannt, soll 2,99 Euro im Monat kosten. Die Nutzer sollen "bis zu 90 Prozent weniger Werbung" und eine bis zu 50 Prozent schnellere Ladezeit bekommen. Zudem will Bild.de die Einbindung einer sogenannten Adblocker Wall testen. Dieses Fenster soll Leser mit eingeschaltetem Adblocker an unterschiedlichen Einstiegsstellen über die Bildsmart-Option informieren. Knapp jeder vierte Bild.de-Leser (23 Prozent) soll einen Adblocker nutzen.

Die Verlagsgeschäftsführerin der Bild-Gruppe, Donata Hopfen, sagte über das neue Konzept: "So gehen wir auf unterschiedliche Nutzerbedürfnisse und den für uns sehr relevanten Werbemarkt ein. Auch im Netz müssen sich journalistische Angebote über die beiden bekannten Erlössäulen, nämlich Werbe- und Vertriebseinnahmen, finanzieren, um weiterhin unabhängigen Journalismus zu bieten." In dem Prozess vor dem Kölner Landgericht hatten die Anwälte des Verlags noch geschrieben: "Das Kern'geschäft' der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen."

Bild-Plus-Abonnenten offenbar auch geblockt

Bei den Nutzern kam der Schritt erwartungsgemäß nicht gut an. Auf Twitter beschwerten sich einige Leser darüber, dass sie für den Zugang zu exklusiven Inhalten bereits ein Bild-Plus abgeschlossen hätten, wegen ihres Werbeblockers jedoch ausgeschlossen würden. Viele Nutzer zeigten sich hingegen erfreut. "Cool, mein Adblocker schützt mich zukünftig auch vor versehentlichen Klicks zu Bild", twitterte der Blogger Jens Best.

Die Eyeo GmbH reagierte gelassen auf die Kriegserklärung der Bild-Zeitung an die Werbeblocker. "Wir begrüßen den Schritt von Bild.de, mit den Nutzern von Adblockern in einen Dialog zu treten. Jeder Nutzer kann mit Adblock Plus immer selbst entscheiden, ob er eine Website aufgrund ihrer guten Inhalte unterstützen möchte, und ob er ihre Werbung für akzeptabel hält. Ob dies im Falle von Bild.de der Fall ist, kann jeder Nutzer für sich selbst entscheiden", teilte das Unternehmen auf Anfrage von Golem.de mit und verwies zudem auf das Acceptable Ads Programm für unaufdringliche Werbung.

Katz-und-Maus-Spiel mit Ad Defendern

Schon seit längerem gibt es Bestrebungen von Verlagen und Vermarktern, Adblocker mit technischen Mitteln zu stoppen. Diese Ad Defender wie Addefend von Bemitho, Veeseo von Ligatus oder Produkte von Tisoomi liefern Werbeanzeigen an den Adblockern vorbei aus. Dies wird dadurch realisiert, dass die Werbung nicht von externen Adservern kommt, sondern vom selben Server, der auch die Bilder für die Website liefert. Das Unternehmen Sourcepoint will zudem mit einem Tool verhindern, dass Adblock-Nutzern redaktionelle Inhalte angezeigt werden, so wie dies nun von Bild.de umgesetzt wird.

Wie aus Diskussionen auf dem Easy-List-Forum hervorgeht, liefern sich die Adblocker-Community und die Ad Defender seit März 2015 ein Katz-und-Maus-Spiel, um sich gegenseitig auszutricksen. Einen Ausweg aus dem Krieg zwischen Werbeblockern und Werbewirtschaft will das Projekt Humancredit aufzeigen. Wer Werbung durchlässt, soll gemeinnützigen Projekten helfen und die Anzeigen besser machen.

Nachtrag vom 13. Oktober 2015, 16:00 Uhr

Im Laufe des Dienstags kursierten im Netz bereits erste Filter für die Werbeblocker-Blockade durch bild.de. So wurde die Easy-List für Adblock Plus aktualisiert, so dass sich die Webseite wieder mit aktiviertem Adblocker aufrufen ließ. Allerdings wurden die Anzeigen zunächst in Chrome besser als in Firefox ausgeblendet.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 4,12€
  2. 4,99€
  3. 44,99€
  4. 4,99€

pisspott 24. Apr 2018

Änderung Firefox mit uMatrix: Nur Script auf www.bild.de erlauben, Rest blocken. Oder...

chainboy 08. Jan 2016

@teeny: Wird es eben nicht. Es gibt immer noch (und gab sie schon zu Anfangszeiten...

ap (Golem.de) 27. Okt 2015

Der nächste Thread wird geschlossen, bevor er noch mehr ins Beleidigende von allen...

NixName 27. Okt 2015

Grins... Ging mir genauso :D

Onsdag 21. Okt 2015

Es geht nicht einmal um die Werbung an sich. Werbung kann auch durchaus lustig sein oder...


Folgen Sie uns
       


Openbook erklärt (englisch)

Openbook ist ein neues soziales Netzwerk, das sich durch Crowdfunding finanziert hat. Golem.de hat sich mit dem Gründer Joel Hernández über das Projekt unterhalten.

Openbook erklärt (englisch) Video aufrufen
Openbook ausprobiert: Wie Facebook, nur anders
Openbook ausprobiert
Wie Facebook, nur anders

Seit gut drei Wochen ist das werbe- und trackingfreie soziale Netzwerk Openbook für die Kickstarter-Unterstützer online. Golem.de ist dabei - und freut sich über den angenehmen Umgangston und interessante neue Kontakte.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Hack Verwaiste Twitter-Konten posten IS-Propaganda
  2. Openbook Open-Source-Alternative zu Facebook versucht es noch einmal
  3. Klage eingereicht Tinder-Mitgründer fordern Milliarden von Mutterkonzern

Cascade Lake AP/SP: Das können Intels Xeon-CPUs mit 56 Kernen
Cascade Lake AP/SP
Das können Intels Xeon-CPUs mit 56 Kernen

Während AMD seine Epyc-Chips mit 64 Cores erst im Sommer 2019 veröffentlichen wird, legt Intel mit den Cascade Lake mit 56 Kernen vor: Die haben mehr Bandbreite, neue Instruktionen für doppelt so schnelle KI-Berechnungen und können persistenten Speicher ansprechen.
Von Marc Sauter

  1. Cascade Lake Intel legt Taktraten der Xeon SP v2 offen
  2. Optane DC Persistent Memory So funktioniert Intels nicht-flüchtiger Speicher
  3. Cascade Lake AP Intel zeigt 48-Kern-CPU für Server

Passwort-Richtlinien: Schlechte Passwörter vermeiden
Passwort-Richtlinien
Schlechte Passwörter vermeiden

Groß- und Kleinbuchstaben, mindestens ein Sonderzeichen, aber nicht irgendeins? Viele Passwort-Richtlinien führen dazu, dass Nutzer genervt oder verwirrt sind, aber nicht unbedingt zu sichereren Passwörtern. Wir geben Tipps, wie Entwickler es besser machen können.
Von Hanno Böck

  1. Acutherm Mit Wärmebildkamera und Mikrofon das Passwort erraten
  2. Datenschutz Facebook speicherte Millionen Passwörter im Klartext
  3. Fido-Sticks im Test Endlich schlechte Passwörter

    •  /