Adblock Plus schickte Delegationen zu Spiegel Online und Zeit Online

Anfang des Jahres sind bei Eyeo zwei weitere Gesellschafter eingestiegen, Tim Schumacher und Ulrich Priesner. Die beiden haben in den 2000er Jahren die Sedo Holding AG gegründet, die wie 1&1 zur United Internet AG gehört. Sedo verdient Geld damit, Adressen von Webseiten zu reservieren und später weiterzuverkaufen. Im Internet sind solche Dienstleister ungefähr so beliebt wie ein Gast im Hotel, der morgens viele Liegen am Pool mit seinen Handtüchern reserviert und dann höchstbietend versteigert. Verirrt sich ein Nutzer auf die Platzhalterwebseiten, bekommt er irgendwelche Werbung angezeigt - wiederum Werbung, die Adblock Plus nicht blockiert.

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Es sind diese Verbindungen, die den Technikblogger Pallenberg in Rage gebracht haben. Dazu kommt, dass die Eyeo-Chefs im Internet unter falschem Namen für Adblock Plus heimlich Werbung gemacht haben - angeblich neutrale Blogs preisen die Browsererweiterung in höchsten Tönen, die Texte wurden in Wahrheit jedoch auf Firmenrechnern getippt. Nachdem Mobilegeeks.de dies öffentlich gemacht hat, hat Eyeo Fehler eingestanden und die Tarnwerbung abgeschaltet, auch wenn das Eingeständnis nicht so ganz reumütig klingt: "Das machen doch alle im Internet", sagt Eyeo-Miteigentümer Schumacher SZ.de.

Den Vorwurf der Vetternwirtschaft weist Eyeo allerdings scharf zurück. Im Firmenblog heißt der entsprechende Eintrag: "Warum Sascha Pallenberg bewusst lügt". Der Artikel sei "falsch und ehrabschneidend", sagt Schumacher SZ.de. Für alle Werbefirmen würden die gleichen Kriterien gelten, jeder könne sich bewerben, dann würden die Adblock-Plus-Nutzer entscheiden. Auch Eyeo wünsche sich mehr Aktivität im Forum, sagt Schumacher zu der minimalen Debatte dort.

Dass erst mal Eyeo nahestehende Firmen Deals abgeschlossen haben, begründet er damit, dass man eben auf Leute zugegangen sei, die man kenne, als die Richtlinien für akzeptable Anzeigen neu waren. So seien jene Firmen als erste auf die "weiße Liste" gekommen, die für Werbung freigeschaltet sind.

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Ob das reicht, die Verstrickungsvorwürfe auszuräumen, steht dahin. Vorwürfe gibt es zum Beispiel auch wegen eines Deals mit der Firma Yieldkit, in die Schumacher ebenfalls investiert hat. Yieldkit verdient mit sogenannten Affiliate-Links Geld. Bei dieser Werbeform werden einzelne Worte im Text automatisch in Werbelinks umgewandelt: Im Satz "Griechenland braucht Investitionen" verlinkt dann plötzlich das Wort "Investitionen" auf eine Seite für Geldanleger. Affiliate-Links sind besonders bei Rezensionen beliebt, wenn der hochgelobte Kopfhörer, der neue Laptop oder das tolle Buch nur einen Klick entfernt gekauft werden können. Diese Logik setzt Anreize, möglichst positiv über möglichst viele Produkte zu schreiben - was die Frage aufwirft, wie akzeptabel solche Werbeformen für Nutzer sind. Yieldkit ist dennoch auf der "weißen Liste" von Adblock Plus.

Im Forum hatte dies Firmenchef Faida persönlich vorgeschlagen. Er schrieb damals selbstkritisch: "Dieser Fall könnte kontrovers werden", denn "es gibt keinen Unterschied zwischen Inhalt und Werbung". Ein einzelner Nutzer namens "MonztA" reagierte und äußerte, Yieldkit sei nicht akzeptabel. Das war im April 2012. Ein Jahr später eröffnete Eyeo die Diskussion erneut. Ein Nutzer namens "jimdavi" meldete sich mit seiner ersten und letzten Wortmeldung im Forum, der Inhalt sinngemäß: Finde ich toll, machen wir das doch! Kurz darauf meldete sich Faida und beendete die Diskussion mit einem Wort: "Added" - "Hinzugefügt". Damit war Yieldkit freigeschaltet, die Textlink-Werbung nicht mehr geblockt, und die Firma warb aktiv bei Bloggern: Wer sich von Yieldkit gegen Provision vermarkten lasse, habe kein Problem mit Adblock-Plus-Nutzern mehr.

Technikblogger Pallenberg prangerte die Verbindung zwischen Yieldkit und Eyeo an. Auch in einem neuen Blogpost zu Adblock Plus beschäftigt er sich mit Yieldkit.

Eyeo verweist Kritiker indes stets auf das Forum, das allen offenstehe - es ist der zentrale Punkt der eigenen Legitimation. Dass der nicht optimal ist, gesteht indes auch Mitbesitzer Schumacher ein: "Der Prozess ist nicht klar genug. Wir müssen transparenter werden."

Adblock Plus ist ständig auf der Suche nach neuer Legitimation durch neue Deals. Das Unternehmen versucht inzwischen auch planmäßig, mit Nachrichtenseiten ins Geschäft zu kommen. Mindestens bei Spiegel Online und Zeit Online wurden in den vergangenen Wochen Delegationen vorstellig, die ein Angebot unterbreiteten, das von den Portalen weithin als fragwürdig aufgefasst wurde. Beide Nachrichtenseiten haben - wie Süddeutsche.de, siehe Anmerkung am Textende - ein reduziertes Anzeigenangebot im Vergleich zu anderen Seiten. Aber Adblock Plus macht für sie deshalb keine Ausnahme und unterhöhlt damit die Finanzierung der journalistischen Angebote. Zusammen mit anderen Nachrichtenseiten - auch Süddeutsche.de - warben Spiegel Online und Zeit Online deshalb vor kurzem bei jenen ihrer Nutzer, die einen Adblocker aktiviert haben, darum, diesen für die Nachrichtenseiten zu deaktivieren. Die Adblocker-Quote sank daraufhin bei allen beteiligten Seiten leicht, im Kontrast zu Meldungen von Adblock Plus über einen Downloadboom für das Plugin infolge der Aktion.

Nach der Aktion schickte Adblock Plus die Delegationen los und unterbreitete zumindest den beiden Nachrichtenseiten einen Kompromiss. Die Anzeigen sollten unterdrückt bleiben, aber für Adblock-Plus-Nutzer stattdessen eine Art Spendenaufforderung dargestellt werden, so schildern es Beteiligte. Nach Kriterien wie der durchschnittlichen Leser-Verweildauer würden dann die Einnahmen auf die beteiligten Nachrichtenseiten verteilt. Eine Beteiligung von Adblock Plus an den Einnahmen wurde nicht diskutiert, zumindest bisher.

Die Reaktionen fielen skeptisch aus. Zeit Online sieht das Angebot kritisch; Spiegel Online teilt mit, man glaube nicht, dass Adblock Plus damit international oder auch nur national erfolgreich sein werde.

Generell stört Betreiber von Nachrichtenseiten die zugrundeliegende Mentalität, dass Adblock Plus existierende Geschäftsmodelle aushöhlt und jährlich Millionenumsätze kostet - dann aber Ausweichangebote wie die "akzeptablen Anzeigen" oder das Spendenverteilungsmodell gemacht werden, die dem Geschäftsmodell des Unternehmens hinter Adblock Plus direkt oder auch nur indirekt nutzen. Und sei es nur, indem sie das Adblocking auf journalistischen Seiten legitimiert erscheinen lassen. Das ganze Vorgehen gilt in der Branche als Missbrauch von geliehener Marktmacht: Nutzer würden mit dem Versprechen von Sicherheit, ungestörtem Surfen und einer schützenden Community im Forum zum Marktführer gelockt, der in Wahrheit mit seiner Technikmannschaft im Rücken seine Geschäftsinteressen durchzusetzen versuche.

Eyeo will über etwaige Gespräche mit Nachrichtenseiten nicht öffentlich reden. Schumacher beteuert aber, von Nachrichtenseiten und Blogs kein Geld nehmen zu wollen. Das mache man nur bei "großen Konzernen". Das soll klingen wie: Die sind die Bösen, die wollen nur Geld verdienen - wir sind die Guten, wir wollen die Welt verbessern.

Mittlerweile wissen die Internetnutzer: So einfach ist es bei Adblock Plus nicht. Der Plan von Faida und Co. ist ein anderer.

Anmerkung der Redaktion: Süddeutsche.de hat sich wiederholt zusammen mit anderen Nachrichtenseiten wie Golem.de gegen Adblocker ausgesprochen und bei Nutzern dafür geworben, diese zu deaktivieren. Die Berichterstattung zum Thema Adblocker erfolgt ohne Einfluss durch diese geschäftlichen Interessen unserer Nachrichtenseite.

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 Adblock Plus: Deutschlands heimliche Werbemacht
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Xiut 25. Jun 2015

So einen Adblocker suche ich auch. Also einfach den umgekehrten Weg. Anstatt eine...

Anonymer Nutzer 29. Jul 2013

Gute Alternative zu Werbung http://futurezone.at/b2b/17303-marketing-mit-content-gegen...

Shred 10. Jul 2013

Der Werbemarkt hat jahrelang konsequent gegen die Zielgruppe gearbeitet. Animationen...

avon 10. Jul 2013

Es gibt verschiedene Werbevergütungen: Views, Klicks und Kauf Es bleibt ja dem Werbenden...



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