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Activision Blizzard: Was passiert mit Call of Duty, Diablo und Xbox Game Pass?

Playstation als Verlierer und Exklusivspiele für den Xbox Game Pass: Golem.de über die bislang größte Übernahme durch Microsoft .
/ Peter Steinlechner
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Activision auf der Spielemesse E3 (Bild: Michael Buckner/Getty Images for Activision)
Activision auf der Spielemesse E3 Bild: Michael Buckner/Getty Images for Activision

Angeblich haben Manager von Activision Blizzard und Microsoft seit mehreren Wochen an der Übernahme für 68,7 Milliarden US-Dollar gearbeitet. Erstaunlich: Alle Beteiligten haben dichtgehalten, es gab keine Gerüchte.

Bei dem Deal handelt es sich um die bislang größte Übernahme in der Spieleindustrie. Bis dahin galt der nur wenige Tage zuvor bekanntgewordene Kauf von Zynga durch Take Two für rund 12,7 Milliarden US-Dollar als kapitalstärkste Akquisition der Brache.

Gleichzeitig ist das Geschäft zwischen Microsoft und Activision Blizzard die mit Abstand größte Übernahme von Microsoft. Bisheriger Spitzenreiter war der Kauf von LinkedIn für 26,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016.

Angesichts der riesigen Summen ist klar: Die Übernahme wird massive Auswirkungen auf die Spiele- und IT-Branche haben. Golem.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum hat sich Microsoft zum Kauf von Activision Blizzard entschlossen?

Microsoft-Chef Satya Nadella sagt(öffnet im neuen Fenster) , sein Unternehmen investiere "in erstklassige Inhalte, die Community und die Cloud, um eine neue Ära des Gaming einzuläuten." Gleichzeitig sagt er, dass Computerspiele eine "Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen" spielten.

Das Wort "Metaverse" ist hier vermutlich eher halbwichtig: Nadella versucht offensichtlich, den von Facebook geprägten, sehr vagen Trendbegriff mit konkreten Inhalten zu besetzen – eben mit Gaming. Ob er hier konkrete Vorstellungen hat oder einfach nur Aktionäre und Analysten mit einem Buzzword bedienen möchte, ist nicht klar.

Phil Spencer, der bei Microsoft für Gaming und Xbox zuständig ist, wird im Firmenblog(öffnet im neuen Fenster) konkreter: "Wir wollen so viele Activision-Blizzard-Spiele wie möglich im Xbox Game Pass und PC Game Pass anbieten, sowohl neue Titel als auch Spiele aus dem unglaublichen Katalog von Activision Blizzard." Spencer sieht also vor allem die Möglichkeit, die Spieleabos Xbox Game Pass und PC Game Pass noch attraktiver zu machen.

Gleichzeitig mit der Übernahme hat Microsoft bekannt gegeben, dass die beiden Angebote weltweit insgesamt rund 25 Millionen Abonnenten haben. Bei einem Abopreis von rund 10 US-Dollar im Monat nimmt Microsoft also im Monat 250 Millionen US-Dollar ein. Wegen vieler Rabatte und Probeabos dürfte es in der Praxis derzeit zwar weniger sein, dennoch gibt es hier viel Potenzial.

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Erscheint Call of Duty künftig exklusiv für Xbox und Windows-PC?

Bislang gibt es keine klaren Ankündigungen, ob Call of Duty künftig noch für Playstation erscheint – oder exklusiv für Xbox und Windows-PC. Im Gespräch mit Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) sagte Phil Spencer, dass "einige der Spiele von Activision" auch weiterhin für die Sony-Konsole erscheinen.

Call of Duty Warzone – Trailer
Call of Duty Warzone – Trailer (01:30)

Das dürfte vor allem für Call of Duty gelten. Mit der hochprofitablen Actionserie kann Microsoft zumindest einen Teil der Kosten für die Übernahme wieder einspielen. Außerdem: Warum sollte man eine über viele Jahre gewachsene Community auf der Sony-Plattform verärgern?

Bislang hat Activision Blizzard bei der Serie übrigens eng mit Sony zusammengearbeitet, weshalb Erweiterungen zuerst für die Playstation erscheinen. Wenn es keine Ausstiegsklauseln gibt, gelten diese Verträge bis auf Weiteres.

Was ist mit anderen Spielen von Activision Blizzard?

Klare Ankündigungen gibt es nicht. Unser Tipp: Vermutlich werden potenzielle Systemseller wie Diablo 4 tatsächlich exklusiv für Xbox und Windows-PC auf den Markt kommen. Schließlich ist absehbar, dass sich allein wegen dieses Spiels viele Kunden eine neue Xbox kaufen und ein langfristiges Abo bei Xbox Game Pass abschließen dürften.

Diablo IV vorgestellt (Herstellervideo)
Diablo IV vorgestellt (Herstellervideo) (40:21)

Bei Overwatch 2 erwarten wir das nicht. Das Actionspiel ist vollständig auf Multiplayer ausgelegt. Je mehr Teilnehmer, desto besser – egal auf welcher Plattform. Also können und dürfen vermutlich auch Besitzer einer Playstation 5 mitspielen.

Verlierer Sony und Bobby Kotick

Was mit World of Warcraft (WoW) passiert, ist ebenfalls schwierig abzusehen. Es gibt seit Jahren das Gerücht, dass Blizzard an einer Konsolenumsetzung arbeite, damit aber wegen der Bedienung nicht gut vorankomme. Wenn, dürfte ein Port nur für die Xbox erscheinen. Denkbar ist aber auch, dass WoW ungefähr weiter so betrieben wird wie bisher – inklusive neuer Erweiterungen.

Klassiker wie Starcraft und Warcraft dürften früher oder später im Spieleabo PC Game Pass auftauchen. Vielleicht ist durch die Übernahme von Activision Blizzard auch die Chance gestiegen, dass es Nachfolger gibt – schließlich können gerade Echtzeit-Strategiespiele für lange Zeit an die jeweiligen Abos binden.

Wer ist der größte Verlierer der Übernahme?

Zumindest die Märkte sind sich laut dem Wirtschaftsmagazin Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) einig: Für Sony ist der Kauf von Activision Blizzard besonders nachteilig.

Der Aktienkurs des japanischen Konzerns ist unmittelbar nach Bekanntgabe des Deals um knapp 10 Prozent gefallen. Grund dürfte ganz banal sein, dass ein Wettberber seine Marktposition massiv gestärkt hat.

Insbesondere das Geschäftsmodell von Sony gerät unter Druck: Bislang setzt das Unternehmen auf klassische Verkäufe von Vollversionen seiner selbstproduzierten Blockbuster.

Wenn aber immer mehr Kunden mit den Spielen im Xbox/PC Game Pass beschäftigt sind, wird selbst die Vermarktung von Spitzentiteln wie Horizon Forbidden West oder God of War schwieriger.

Seit einigen Wochen gibt es Gerüchte, dass Sony unter dem Arbeitstitel Spartacus ein eigenes Spieleabo plane. Durch die Übernahme von Activision Blizzard dürfte der Druck steigen, schnellstmöglich mit dem Angebot auf den Markt zu kommen.

Horizon Forbidden West Gameplay (PS 5)
Horizon Forbidden West Gameplay (PS 5) (19:10)

Andere große Marktteilnehmer haben durch den Kauf kaum an der Börse verloren. Sogar im Gegenteil: Der Aktienkurs etwa von Take Two ist leicht gestiegen – es gab in sozialen Netzwerken einige Spekulationen, dass Sony das Unternehmen schlucken könnte, um Grand Theft Auto exklusiv für sich zu haben. Beim Aktienkurs von Nintendo gab es keine auffälligen Bewegungen.

Kann die Übernahme noch scheitern?

Akquisitionen dieser Größenordnung müssen immer durch Regulierungsbehörden freigegeben werden. Es gibt aber kaum Experten, die hier Schwierigkeiten sehen. Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard, sagte im Interview mit Venture Beat(öffnet im neuen Fenster) : "Die meisten Inhalte, die Microsoft produziert, haben nichts mit Gaming zu tun."

GTA 5 – Enhanced Edition (September 2021)
GTA 5 – Enhanced Edition (September 2021) (01:17)

Damit meint Kotick, dass der Konzern keine dominierende Marktstellung erreiche. Nach aktuellem Stand soll die Übernahme bis Mitte 2023 abgeschlossen sein.

Können die Entwickler bei Activision Blizzard mit besseren Arbeitsbedingungen rechnen?

Microsoft gilt als vorbildlicher Arbeitgeber, es gab in den letzten Jahren keine Berichte über systematische Diskriminierung oder Benachteiligung. Vermutlich wird das Unternehmen sehr schnell dafür sorgen, dass sich das Betriebsklima auch bei Activision Blizzard nachhaltig verbessert.

In der Belegschaft gibt es aber Skepsis. Eine Gruppe namens A Better ABK (Activision Blizzard King) kommentiert auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) , dass weiter für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gekämpft werde – da sei egal, wer gerade die finanzielle Kontrolle über das Unternehmen habe.

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Laut einem Bericht von Games Radar(öffnet im neuen Fenster) haben sich einzelne Beschäftigte von Activison Blizzard eher positiv darüber geäußert, künftig für Microsoft zu arbeiten. Ein Angestellter schreibt demnach, dass er nun Hoffnung habe, endlich an eine Xbox Series X zu gelangen.

Was passiert mit Bobby Kotick?

Der Chef von Activision Blizzard ist in der Öffentlichkeit und Belegschaft unbeliebt. Nach den Skandalen rund um Sexismus und Diskriminierung in jüngster Zeit hatten auch Aktionäre seinen Rücktritt gefordert – bislang vergebens.

Nach aktuellem Stand soll er bis auf Weiteres im Amt bleiben und an Phil Spencer von Microsoft berichten. Unter anderem laut dem Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) gibt es Gerüchte, wonach Kotick gleich nach Abschluss der Akquisition seinen Posten verlässt.


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