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Activision Blizzard: Ausgewogene-Charakter-Tool sorgt für Diskussionen

Sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung? Entwickler von Call of Duty und Overwatch können ein Werkzeug für mehr Vielfalt verwenden.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Overwatch (Bild: Blizzard)
Artwork von Overwatch Bild: Blizzard

In der Spielebranche sorgt Activision Blizzard mit einem ungewöhnlichen Entwicklerwerkzeug für Diskussionen. Das sogenannte King's Diversity Space Tool soll mit Zahlen und statistischen Analysen dafür sorgen, dass die Charaktere in einem Spiel eine möglichst breite Palette an Ethnien, Hautfarben, sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten aufweisen.

Vereinfacht gesagt werden jeder Figur unterschiedlich viele Punkte in mehreren der genannten Bereiche zugeordnet. Die Scharfschützin Ana aus Overwatch etwa erhält 8 Punkte für Alter, 0 Punkte für Körperform (vermutlich weil sie sehr schlank ist) und 6 Punkte für Geschlechtsidentität.

Die Zuordnung dieser Punkte erfolgt nicht automatisch, sondern durch die Entwickler. Durch die Diskussionen dabei sollen allzu klischeehafte Rollenbilder vermieden werden. Das Tool soll auf Basis der Daten darauf hinweisen, dass es etwa auffällig viele männliche Protagonisten mit sehr wenig unterschiedlichen sexuellen Orientierungen gibt.

Das Tool ist in den vergangenen Jahren in einer Kooperation zwischen dem Game Lab des Massachusetts Institute of Technology und dem zu Activision Blizzard gehörendenden Entwicklerstudio King (Candy Crush Saga) entstanden.

Das Werkzeug sei unter anderem bei der Produktion von Call of Duty Vanguard zum Einsatz gekommen. "Wir haben es verwendet, um herauszufinden, wie 'mehr Vielfalt' bei den Charakteren sowohl im Kampagnen-Multiplayermodus als auch in den Live-Saisons aussieht" , sagt Alayna Cole von Sledgehammer Games.

Auch das für Overwatch 2 zuständige Team bei Blizzard habe das Tool schon verwendet. Der erste Eindruck sei "enthusiastisch" gewesen, ist im Blog zu lesen. Der ursprüngliche Beitrag mit Grafiken wurde inzwischen stark überarbeitet, die Grafiken sind nicht mehr enthalten.

Das ursprüngliche Posting ist nur noch im Web Archive(öffnet im neuen Fenster) zu finden.

Der Verdacht liegt nahe, dass Activision Blizzard mit der Vorstellung des Werkzeugs auch das eigene Image verbessern wollte, das zuletzt nicht von gelebter Diversität innerhalb der Belegschaft geprägt war – sondern von Sexismus und Mobbing.

Kann man Vielfalt erzwingen?

In der Community hat das King's Diversity Space Tool für viel Empörung und Kritik gesorgt. Spieler und Entwickler schreiben in sozialen Netzwerken unter anderem, dass man Vielfalt nicht mit Zahlen erzwingen könne und dass Activision Blizzard für mehr Diversität innerhalb seiner Teams sorgen solle.

Das Team hinter dem Tool hat darauf mittlerweile im Blog reagiert. Im neuen Beitrag heißt(öffnet im neuen Fenster) es, dass der vorliegende "Prototyp nicht in laufenden Entwicklungsarbeiten" verwendet werde. Die Entscheidungen über die Charaktere in Spielen würden immer von den Teams getroffen.

Overwatch 2 – Trailer (Gameplay)
Overwatch 2 – Trailer (Gameplay) (03:04)

Das Tool sei hilfreich, wenn es darum gehe, "unbewusste Vorurteile aufzudecken, indem bestehende Normen in der Repräsentation identifiziert und Chancen für mehr Inklusion aufgezeigt werden." Es solle für Diskussionen bei den Entwicklern sorgen und keine finalen Entscheidungen über die Inhalte in Games treffen.


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