Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Actionspiel: Sony wollte Kojimas Physint komplett einstellen

Hideo Kojima schildert den Bruch mit Playstation ungewöhnlich deutlich: Sony hat Physint nicht nur abgeben, sondern das Projekt beenden wollen.
/ Peter Steinlechner
7 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Hideo Kojima bei einer Veranstaltung in Los Angeles (Mitte 2025) (Bild: Phillip Faraone/Getty Images for Kojima Productions)
Hideo Kojima bei einer Veranstaltung in Los Angeles (Mitte 2025) Bild: Phillip Faraone/Getty Images for Kojima Productions

Der Wechsel von Hideo Kojimas Physint von Playstation zu Xbox ist offenbar dramatischer gewesen als zunächst angenommen. Nach Darstellung des japanischen Entwicklers(öffnet im neuen Fenster) wollte Sony das ambitionierte Actionspiel nicht einfach nur abgeben, sondern komplett einstellen.

Kojima zufolge erhielt sein Studio Mitte Juni 2026 überraschend eine entsprechende Mitteilung von Playstation Studios. Physint sei für ihn persönlich und für Kojima Productions jedoch ein wichtiges Projekt.

Deshalb habe das Studio drei Monate lang intensiv nach einem neuen Partner gesucht. Mit Xbox sei schließlich ein Unternehmen gefunden worden, das dieselbe Vision für die Zukunft teile.

Bemerkenswert ist vor allem die ungewöhnlich offene Wortwahl Kojimas. Sony selbst formuliert den Vorgang wesentlich zurückhaltender und spricht lediglich von der "schwierigen Entscheidung", die Zusammenarbeit mit Kojima Productions bei Physint zu beenden. Die Beziehung zu Kojima sei nach rund drei Jahrzehnten weiterhin eng.

Warum Sony das Projekt offenbar komplett stoppen wollte, ist nicht bekannt. Gerade angesichts der ursprünglichen Pläne überrascht die Entscheidung. Physint wurde Anfang 2024 gemeinsam von Kojima und dem Playstation-Studio-Chef Hermen Hulst angekündigt. Kojima bezeichnete das Action-Spionagespiel als möglichen Höhepunkt seiner bisherigen Karriere.

Geplant war offenbar weit mehr als ein gewöhnlicher geistiger Metal-Gear-Nachfolger. Physint sollte nach Kojimas Worten die Grenzen zwischen Computerspiel und Film verwischen.

Die Ankündigung fand nicht zufällig auf dem Studiogelände von Columbia Pictures statt, das zu Sony Pictures gehört. Kojima erklärte später, der ungewöhnliche Schauplatz habe mit dem geplanten Charakter des Projekts zu tun.

Es gibt Spekulationen, dass Kojima für Physint auch auf Elemente und Ressourcen aus Sonys Filmgeschäft zugreifen könnte – Schauspieler, Produktionstechnik oder Know-how von Sony Pictures.

Wie weit diese Zusammenarbeit tatsächlich gehen sollte, wurde nie konkretisiert. Entsprechend offen ist nun auch, wie stark sich Physint durch den Wechsel zu Microsoft verändern wird.

Playstation sucht nach seinem Kurs

Selbst technische Fragen sind ungeklärt. Physint könnte ursprünglich etwa für Sonys Decima Engine (Death Stranding, Horizon) vorgesehen gewesen sein. Auch konkrete Plattformen hatte Sony nie angekündigt.

Eine Veröffentlichung für die nächste Playstation-Generation und damit möglicherweise die Playstation 6 galt als naheliegend, war aber nie bestätigt.

Der Vorgang fällt in eine schwierige Phase für Sonys Spielebereich. Der groß angelegte Vorstoß in Richtung Live-Service-Spiele hat nach dem spektakulären Scheitern von Concord deutlich an Schwung verloren. Auch das auf Onlinegames spezialisierte Sony-Studio Bungie kämpft seit längerer Zeit mit Problemen und Stellenabbau.

Bei den klassischen Einzelspielertiteln läuft ebenfalls nicht alles perfekt. Marvel's Wolverine erhält zwar überwiegend ordentliche Kritiken, bleibt bei den Wertungen aber deutlich hinter Insomniacs Spider-Man-Spielen zurück.

Auf Naughty Dogs Intergalactic warten Playstation-Spieler weiterhin ohne Veröffentlichungstermin; konkrete Informationen zu einem neuen The Last of Us gibt es ebenfalls nicht.


Relevante Themen