Acta-Demos: Zehntausende gegen "bekACTA Scheiß" in München und Berlin
"So ist das mit Acta – man hört nichts und bekommt nichts mehr mit", fasste ein Teilnehmer der Demonstration gegen Acta die Situation auf dem Münchner Odeonsplatz zusammen. Die Lautsprecheranlage der Veranstalter war nämlich so unterdimensioniert, dass nur einige hundert der 16.000 Demonstranten die Reden der Abschlusskundgebung hören konnten. "Wir haben bis letzte Woche noch mit 1.000 Leuten gerechnet", meinte ein Sprecher des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung nach der Veranstaltung gegenüber Golem.de.

Den großen Zulauf, der mit Auftakt, Demonstrationsumzug und Abschlusskundgebung nach Angaben der Veranstalter zeitweise aus bis zu 20.000 Menschen bestand, erklärten sich Teilnehmer und Organisatoren einhellig mit den jüngsten Entwicklungen.
Die 24 Stunden vor der Demonstration bekanntgegebene Verschiebung von Deutschlands Unterschrift unter das Handelsabkommen und das Medienecho bis in die Tagesschau und die Sendung "heute" hätten einen "ungeahnten Schub" gegeben, war zu hören. Die Münchner Polizei gab einige Stunden nach der Demonstration 16.000 Teilnehmer als offizielle Schätzung an.
Damit protestierten in München deutlich mehr Bürger als in Berlin, wo es nach Medienberichten am Alexanderplatz 6.000 bis 10.000 Teilnehmer gab. Die erste Zahl ist die Angabe der Polizei, die zweite die der Veranstalter. Auch in Köln und über 50 anderen deutschen Städten gab es Demonstrationen gegen Acta, zu denen aber noch keine bestätigten Teilnehmerzahlen vorliegen.
In München herrschte während der insgesamt über zwei Stunden dauernden Veranstaltung Festivalstimmung. Unter den überwiegend sehr jungen Teilnehmern fanden sich biertrinkende Punks ebenso wie Metalfans, die friedlich nebeneinander standen. Eine Minderheit waren ältere Bürger, die sich nicht zu einer Subkultur bekannten. Gegen die mit minus 9 Grad Celsius bei konstantem Wind beträchtliche Kälte half auch nur viel Lachen und Bewegung – eine vom Sprecher der Grünen eingeforderte Hüpfeinlage sorgte dafür wie auch die vielen fantasievollen Plakate.
Festivalstimmung in München
Das deutliche "bekACTA Scheiß", das die Münchner Jusos auf ihr großes Transparent gedruckt hatten, war dabei noch die am leichtesten verständliche Botschaft. Internet-Memes(öffnet im neuen Fenster) wie "ACTA – GTFO" oder Slangs wie "Government Y U no listen to us?" dürften bei den Adressaten in der Politik kaum angekommen sein.
Überhaupt wirkte die Kundgebung in München auch wie eine Party, bei der sich die Onlinekultur selbst feierte. Deutlich wurde das unter anderem durch die krakeligen Cartoons aus Imageboards wie 4chan, die auf vielen Plakaten zu sehen waren. Auch die Notwenigkeit solcher Aussagen auf Papier nahm ein Plakat eines Teilnehmers auf die Schippe: "I am so angry that I made a sign" hatte der junge Mann mit Filzstift auf Pappe gemalt.
Die ursprünglich dem Hackerkollektiv Anonymous zugeordneten Guy-Fawkes-Masken waren weniger häufig anzutreffen als in Berlin. Das mag auch daran gelegen haben, dass in Bayern bei Demonstrationen immer noch das Vermummungsverbot(öffnet im neuen Fenster) strikt durchgesetzt wird.
Da dabei sogar das Mitführen von Gegenständen verboten ist, die zur Vermummung dienen könnten, musste für die Masken eine Ausnahmegenehmigung beantragt(öffnet im neuen Fenster) werden: Sie durften immerhin dauerhaft auf dem Hinterkopf getragen werden. Auch für die Ausnahme gab es noch eine Ausnahme: Als Kunstaktion war ein kurzes Aufsetzen der Masken auf das Gesicht angemeldet worden. Protest für Onlineanliegen kann eben auch offline kreativ sein.
Nachtrag vom 11. Februar 2012, 20:50 Uhr
Die Bildergalerie wurde um Fotos aus Berlin ergänzt. Die Aufnahmen wurden von unserem Leser Hagen Stankowski unter Creative Commons zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken. Zudem gibt es nun ein Video mit Impressionen der Abschlusskundgebung aus München.
Nachtrag vom 12. Februar 2012, 17:50 Uhr
Als letztes Update dieser Meldung finden sich in der Bildergalerie nun Fotos der Acta-Demo in Hamburg von Norbert Schramm sowie ein Panorama der Kundgebung in Augsburg von Oliver Pahl. Auch diese Fotos stehen unter Creative Commons. Wir bedanken uns bei allen Einsendern.
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