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Accurec: Krefelder Firma will Lithium aus Altbatterien recyceln

15 Millionen Elektroautos sollen bis 2030 deutsche Straßen befahren. Die Abhängigkeit vom Lithium steigt. Ist Altbatterien-Recycling die Lösung?
/ Patrick Klapetz
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Das Firmengelände von Accurec bei Dämmerung (Bild: Accurec)
Das Firmengelände von Accurec bei Dämmerung Bild: Accurec

Das Krefelder Unternehmen Accurec will dem drohenden Lithium-Engpass entgegenwirken, indem es den Rohstoff aus Altbatterien recycelt. Accurec hat einen Prozess entwickelt, bei dem es Leichtmetall aus alten Batterien zurückgewinnt . Laut Geschäftsführer Reiner Sojka findet dieses Verfahren bisher nur in Asien statt.

Das Recycling-Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen gibt es bereits seit 1996. Nun will es seine "verfahrenstechnische Prozesskette mit dem Fokus zur Rückgewinnung des Lithiums" komplett anpassen, sagte Sojka gegenüber dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) .

Die Anlage soll im Frühjahr 2023 in Betrieb gehen. "Am 2016 neu eröffneten Standort Krefeld wurde das in dem Forschungsprojekt Ecobatrec untersuchte Verfahren weiterentwickelt und ausgebaut" , heißt es auf der Unternehmensseite(öffnet im neuen Fenster) . Aber wie sieht es mit dem Bedarf an Lithium in den nächsten Jahren aus?

Kommt der große Lithiummangel?

Bis 2030 sollen 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren, so das Ziel der Ampel-Koalition(öffnet im neuen Fenster) . Dafür braucht es große Mengen an Lithium, denn ohne Batterien gibt es keine Elektromobilität. Doch das werde ein Problem, berechnete die Deutsche Rohstoffagetur Dera. Die Dera gehört zur Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Besonders hoch soll die Nachfrage nach Lithium im Batteriesektor liegen. Derzeit macht dieser Bereich 67 Prozent der Lithiumnachfrage aus, bis 2030 soll der Anteil circa 90 Prozent betragen.

"Selbst wenn alle aktuell geplanten und im Bau befindlichen Projekte im Zeitplan umgesetzt werden und wir von einem mittleren Nachfragewachstum ausgehen, werden wir nicht genug Lithium haben, um die erwartete weltweite Nachfrage 2030 zu decken" , erklärte Studienautor Michael Schmidt in einer Pressemitteilung der BGR vom 24. Juni 2022(öffnet im neuen Fenster) .

Lithium wird vor allem in Australien und Chile gefördert – ein Oligopol, das 75 Prozent der weltweiten Lithiumförderung ausmacht. Bei einem Oligopol wird der Markt von wenigen Großunternehmen dominiert, was es zu einer Form des Monopols macht. In Europa können zwar Batteriezellen gefertigt werden, jedoch ist der Kontinent vom Lithiumimport abhängig, was zu einer wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit zu den Bergwerksförderungen in Chile und Australien führt.

Bis 2030 wird laut dem Szenario in der Dera-Studie die Selbstversorgung Europas nur 27 bis 34 Prozent ausmachen. Das Recycling von Lithiumbatterien läge bei drei bis zehn Prozent. Eine hohe Importabhängigkeit wäre weiterhin gegeben.

Mehr Lithiumrecycling in Europa

In Deutschland stehe man beim Recycling von Lithium erst am Anfang, erklärte Jörg Zimmermann vom Fraunhofer-Institut für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie. Laut eigenen Angaben könnte das Unternehmen Accurec Lithium aus 4.000 Tonnen Altbatterien pro Jahr zurückgewinnen.

Derzeit könne man die Hälfte des Metalls in diesen Batterien recyceln. Sojka will das Verfahren jedoch weiter optimieren und die Wiedergewinnungsrate auf 80 Prozent steigern. Abnehmer habe das Unternehmen zwar nicht, erklärte der Geschäftsführer, er sei aber von seinem Vorhaben überzeugt.

Das Recyclingverfahren für Altbatterien

Um die Altbatterien zu recyceln, werden diese zunächst sortiert. Anschließend werden sie zur thermischen Behandlung erhitzt und mechanisch aufbereitet(öffnet im neuen Fenster) . Aluminium, Stahl und Kupfer werden getrennt und übrig bleibt die sogenannte Schwarzmasse. Bis hierher hat man vor allem Nickel und Kobalt gewonnen.

Das Accurec-Verfahren will das Lithium aus der Schwarzmasse mit einem hydrometallurgischen Prozess auswaschen. Das gewonnene Lithium habe einen Reinheitsgrad von 98 bis 99 Prozent, erkärte Sojka. Für neue Batterien ist der Reinheitsgrad zwar zu niedrig, aber dieses Problem könnten andere Lithiumproduzenten lösen.

Autobauer wie VW betreiben bereits Pilotanlagen, etwa in Salzgitter. Chemiefirmen wie BASF planen ebenfalls Recyclinganlagen für Lithium(öffnet im neuen Fenster) .

Jedoch ist laut Sojka die deutsche Autoindustrie beim Lithiumrecycling eher zurückhaltend. Ein Grund dafür mag wohl auch die Langlebigkeit von Elektroautobatterien sein. Für Sojka ist klar, dass der "Hauptbestandteil an recycelten strategischen Metallen bis 2030 nicht aus der E-Mobilität, sondern aus Haushaltsbatterien kommen" werde.


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