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Abwehrfähigkeiten fehlen: Russland soll Drohnenflüge über Europa mit Schattenflotte steuern

Eine neue Analyse bringt verdächtige Drohnensichtungen quer durch Europa mit russischen Tankschiffen in Verbindung.
/ Andreas Donath
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Drohnenmodell Orlan-10 (Bild: Vitaly V. Kuzmin/Wikipedia)
Drohnenmodell Orlan-10 Bild: Vitaly V. Kuzmin/Wikipedia

Verdächtige Drohnenaktivitäten in weiten Teilen Europas sollen auf eine koordinierte Aktion zurückgehen, die mit Russland in Verbindung steht. Das berichtete Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) mit Verweis auf eine neue Einschätzung. Ein Muster zeige Schiffe, die zur sogenannten Schattenflotte Russlands gehörten, dem Netzwerk aus Tankern, mit dem sanktioniertes Öl transportiert wird.

Die Erkenntnisse stammen vom britischen International Institute for Strategic Studies(öffnet im neuen Fenster) (IISS). Die Forscher werteten maritime Trackingdaten zusammen mit weiteren öffentlich zugänglichen Quellen aus. Dabei zeigte sich, dass Schiffe mit Russlandbezug auffällig häufig in der Nähe von Orten positioniert waren, an denen Drohnen gesichtet wurden.

Zwischen August 2024 und Februar 2026 meldeten zwölf Nato-Staaten sowie Irland ungewöhnliche Drohnensichtungen, insgesamt 144 Vorfälle. Laut Bericht ist es unwahrscheinlich, dass Hobbypiloten oder die Ukraine dahintersteckten. Rund die Hälfte der Fälle betraf militärische Einrichtungen, etwa ein Viertel Häfen und Industrieanlagen, der Rest zivile Flughäfen.

Die meisten Sichtungen ereigneten sich nachts oder in den frühen Morgenstunden. Zeugen beschrieben die Fluggeräte häufig als professionell oder militärisch wirkend, nicht als handelsübliche Consumer-Drohnen.

Russland scheint Abwehrfähigkeiten zu testen

Der Bericht ordnet nicht jede Sichtung eindeutig Russland zu. Beschrieben wird jedoch ein Muster, das zu dem Versuch passt, die Abwehrfähigkeiten der Nato-Länder zu testen und geringfügige Luftraumverletzungen unterhalb der Schwelle eines direkten Angriffs schrittweise zur Normalität werden zu lassen.

Bislang wurde ein Vorfall formal Russland zugeschrieben. Im Februar 2026 verfolgte und störte das schwedische Militär eine Drohne, die vom russischen Schiff Zhigulevsk aus in schwedischen Gewässern gestartet worden war. Der Vorfall fiel zeitlich mit einem Besuch des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle zusammen.

Ermittler verweisen auf mehrere Drohnenmodelle, die plausibel von Schiffen aus gestartet werden könnten, darunter die Merlin VR und die Orlan 10. Beide sind für längere Flugzeiten und Nachteinsätze ausgelegt. Einige Vorfälle könnten zudem modifizierte handelsübliche Drohnen betreffen.

Im Bericht namentlich genannte Orte sind der Luftwaffenstützpunkt RAF Lakenheath sowie weitere britische Basen, die vom Frachtschiff Hav Dolphin angelaufen wurden, außerdem der belgische Stützpunkt Kleine Brogel, der deutsche Fliegerhorst Ramstein und die niederländische Basis Volkel. Auch nukleare Infrastruktur war betroffen, darunter der französische U-Boot-Stützpunkt Île Longue.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Tanker Boracay nach Drohnensichtungen über dänischen Flughäfen im September 2025. Französische Spezialkräfte, die das Schiff später durchsuchten, fanden Berichten zufolge zwei russische Staatsbürger an Bord, die einer privaten Sicherheitsfirma zugeordnet werden konnten, gegründet von ehemaligen Geheimdienstoffizieren. Ein französisches Gericht verurteilte den Kapitän des Schiffs inzwischen in Abwesenheit und verhängte eine Geldstrafe.

Die geplante Drohnenabwehrinitiative der Europäischen Union soll frühestens Ende 2027 einsatzbereit sein. Bis dahin bleibt eine Lücke, die bestehende Systeme derzeit nicht schließen können.


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