Abwehren statt abschießen: Bundespolizei richtet Spezialeinheit gegen Drohnen ein

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat auf dem Flugplatz Ahrensfelde bei Berlin eine neue Spezialeinheit der Bundespolizei eingeweiht(öffnet im neuen Fenster) , die Drohnen abwehren soll und aus rund 50 Beamten besteht. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung(öffnet im neuen Fenster) .
Die Gründung der Einheit ist eine direkte Antwort auf eine Serie von Drohnenzwischenfällen, die in den vergangenen Monaten deutsche Flughäfen und militärische Anlagen lahmlegten und vermutlich ausspionierten.
Bei der Inbetriebnahme demonstrierten die Beamten laut Bericht ihre Fähigkeiten. Mit Störsendern unterbrachen sie die Kommunikation zu Drohnen, sogenannte Abfangdrohnen mit Netzen fingen Flugobjekte aus der Luft. Abschüsse wurden nicht demonstriert.
Flughäfen in München, Frankfurt und anderen europäischen Städten waren in den vergangenen Monaten teilweise tagelang durch Drohnenflüge gestört worden. Deutsche Nachrichtendienste vermuten hinter einigen Vorfällen Russland.
Schneller Wandel der Technologie
Das Ministerium plane, die Einheit binnen einiger Monate auf 130 Spezialisten auszubauen, heißt es in dem Bericht. Die Truppe wird unter dem Kommando von Eliteeinheiten wie der GSG 9 angesiedelt. Beamte sollen bundesweit in der Nähe großer Flughäfen und kritischer Infrastruktur stationiert werden, um schnell reagieren zu können. Die Bundesregierung stellte im laufenden und kommenden Haushaltsjahr rund 100 Millionen Euro für die Beschaffung von Ausrüstung bereit.
Allerdings räumten Verantwortliche ein, dass geeignete Technologie erst noch evaluiert und beschafft werden müsse. Das Ministerium verwies laut Zeitungsbericht darauf, dass Innovationszyklen bei Drohnenabwehrtechnologie – basierend auf Erkenntnissen aus der Ukraine und Israel – nur noch wenige Wochen dauerten. Ausrüstung, die heute als effektiv gelte, könne zudem binnen eines Jahres veraltet sein. Das Innenministerium will daher ein Forschungszentrum zur Entwicklung von Abwehrmaßnahmen einrichten.
Zuständigkeiten bei 42 Behörden
Bundespolizeipräsident Dieter Romann sprach auch Zuständigkeitsprobleme an. Er beschrieb ein komplexes Netz aus 42 Luftsicherheitsbehörden auf Bundes- und Landesebene. Die Bundespolizei habe Drohnenabwehrverantwortung an 13 Flughäfen, aber nur innerhalb der Flughafengrenzen. Jenseits des Zauns seien die Landespolizeien zuständig. Bundeskompetenzen erstrecken sich nur auf 15 der 28 kommerziellen Flughäfen Deutschlands.
Bundespolizei und Landesbehörden meldeten dem Bundeskriminalamt bis September mehr als 800 verdächtige Drohnenflüge über Militärstützpunkten und kritischer Infrastruktur – ein Anstieg gegenüber den Vorjahren. Die Innenminister von Bund und Ländern wollen auf ihrer ab Mittwoch beginnenden Herbstkonferenz Zuständigkeitsfragen und technische Fähigkeiten erörtern. Mehrere Länder signalisierten Bereitschaft, bestimmte Kompetenzen an den Bund zu übertragen, auch weil kleinere Bundesländer sich umfassende Drohnenabwehrsysteme nicht leisten können.
Zu den jüngsten Vorfällen zählten Drohnensichtungen über norddeutschen Städten, Nato-Einrichtungen und einem belgischen Atomkraftwerk. Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden musste kurzzeitig geschlossen werden, kurz bevor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer Veranstaltung der Jungen Union landen sollte. Die Regierung verabschiedete kürzlich ein Gesetz, das sowohl der Bundespolizei als auch den Streitkräften erlaubt, Drohnen in Notfällen abzuschießen.



