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Abschwächung des Golfstroms: Kalte Winter, heißere Sommer noch vor 2100

Mit einer neuen Methode kann das Verhalten des Nordatlantikstroms wesentlich genauer vorgesagt werden. Sonderlich gut sind die Aussichten nicht.
/ Mario Petzold
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Ein Eisberg vor der Nordwestküste Grönlands (Bild: AFP via Getty Images/Kerem Yücel)
Ein Eisberg vor der Nordwestküste Grönlands Bild: AFP via Getty Images/Kerem Yücel

Eine Studie der Universität von Bordeaux, Frankreich, die in Science Advances(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht wurde, sagt eine deutlich stärkere Abschwächung der atlantischen Umwälzzirkulation(öffnet im neuen Fenster) voraus als bisherige Modelle. Statt der erwarteten Reduzierung um etwa 30 Prozent kommt die neue Berechnung auf eine um mehr als 50 Prozent nachlassende Strömung.

Ein Teil davon ist der Golfstrom, der warmes Wasser aus der Karibik an die Westküste Europas transportiert. Die damit beförderte Wärme ist hauptverantwortlich dafür, dass in weiten Teilen Europas, vor allem im Bereich der Nordsee, der Atlantikküste und bis nach Mitteleuropa vergleichsweise milde Winter vorherrschen, obwohl dieses Gebiet ähnlich weit nördlich liegt wie der Süden Alaskas oder Kamtschatkas. Die Südspitze Patagoniens, bekannt für die bis in den Ozean reichenden Gletscher, liegt ähnlich nah am Südpol wie Dublin am Nordpol.

Das Besondere an der Studie ist jedoch nicht die vorgesagte, stärkere Abkühlung, sondern die Genauigkeit des Ergebnisses. In bisherigen Modellen umfasste der typische Bereich der doppelten Standardabweichung, in die 90 Prozent aller Vorhersage hineinfallen, einen sehr großen Bereich; demnach wäre es möglich, dass der Nordatlantikstrom sich gar nicht abschwächt oder aber um sogar zwei Drittel nachlässt.

Methoden aus der Medizin genutzt

Mithilfe der Temperatur- und Salzgehaltverteilung im Atlantik und einer Auswertungsmethode, die eigentlich in der Medizin und Ökonomie genutzt wird, konnte der Bereich der erwartbaren Ergebnisse stark eingegrenzt werden. Laut der Forschungsgruppe wird sich die Meeresströmung in einem Bereich von 40 bis 60 Prozent abschwächen. Am wahrscheinlichsten sind demnach 52 Prozent.

Für den Bereich des Nordatlantiks und Norddeutschlands würde das bedeuten, dass die Winter wesentlich kälter und stürmischer werden. Parallel wären die Sommer dagegen deutlich von Hitzewellen geprägt.

Die Regionen nah an der Arktis würden sich ebenfalls spürbar abkühlen. Die erhoffte Befahrbarkeit der Gewässer an der grönländischen und der kanadischen Küste dürfte dann doch nicht eintreten.

Emission spielen kaum eine Rolle

Die Entwicklung des globalen CO2-Ausstoßes wurde anhand der derzeitigen Vorhaben zum Klimaschutz angenommen. Er soll auch bei einer stärkeren Reduzierung kaum Einfluss auf die Ergebnisse der Berechnung haben. Allenfalls ein laut dem Forschungsteam unrealistisch starker Rückgang der Emissionen könnte die Abschwächung begrenzen.


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