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Abschied von Microsoft und VMware: Österreichs Roadmap zur digitalen Souveränität

Österreich ist nicht gerade für Softwareinnovationen bekannt. Nun führt es aber eine Initiative für mehr digitale Souveränität in der EU an.
/ Erich Moechel
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Österreichs Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll, mit der Deklaration zur Europäischen Digitalen Souveränität im November 2025 in Berlin (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Österreichs Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll, mit der Deklaration zur Europäischen Digitalen Souveränität im November 2025 in Berlin Bild: Sean Gallup/Getty Images
Inhalt
  1. Abschied von Microsoft und VMware: Österreichs Roadmap zur digitalen Souveränität
  2. Nextcloud rein, Sharepoint raus
  3. VMware raus, Proxmox rein
  4. Der Exchange von Microsoft Exchange

Nach dem Kick-off auf dem Kongress des Chaos Computer Club sind im Januar die Digital Independence Days zum Umstieg auf quelloffene Software quer durch Deutschland angelaufen. Dabei unterstützen Hacker weniger versierte User beim Umstieg auf freie Software. Diese Graswurzelinitiative gegen die Abhängigkeit von US-Anbietern ist jedoch keine isolierte Aktion von ein paar Hackern, sondern Symptom eines Paradigmenwechsels im EU-Raum.

Dieser Prozess hat rund um den Amtsantritt Donald Trumps eingesetzt und gewinnt mit jedem neuen außenpolitischen Willkürakt der Trump-Administration an Priorität. Seit Monaten geht deshalb ein Begriff um in Europa – und der heißt "digitale Souveränität". Die gleichnamige Initiative, die mit einer Resolution der EU27 im November gestartet war , ging von einem Mitgliedsstaat aus, der für alles Mögliche bekannt ist, aber für Softwareinnovationen eher nicht.

Unerwartete Visionen aus Österreich

Im September verlautete bei einer Entwicklerkonferenz eher nebenbei, dass die Migration von 16.000 Benutzerkonten im österreichischen Bundesheer auf Libreoffice nunmehr abgeschlossen sei . Fast gleichzeitig fand auf Initiative des Staatssekretärs für Digitalisierung, Alexander Pröll, ein Gipfel in Wien mit EU-Kommissarin Henna Virkkunen und Vertretern aller Mitgliedstaaten statt, in dem die Eckpunkte der Deklaration zur Europäischen Digitalen Souveränität(öffnet im neuen Fenster) erarbeitet wurden.

Im Oktober gab dann das Bundesministerium für Wirtschaft den Vollzug des Umstiegs auf die freie Nextcloud-Software bekannt. Auf dem EU-Gipfel im November in Berlin wurde die Deklaration dann von allen Mitgliedsstaaten beschlossen. Dazu gab es für die EU27 sogar Visionen aus Österreich, denn Pröll pries "offene Standards, gemeinsame Cloud-Infrastrukturen, vertrauenswürdige KI und starke digitale Bildung" . Nun gehe es darum, diese Visionen mit Leben zu füllen.

Roadmap zur digitalen Souveränität

Die EU-Kommission hat mittlerweile eine öffentliche Konsultation(öffnet im neuen Fenster) zum Thema gestartet, die noch bis zum 3. Februar 2026 läuft. Eingangs wird die strategische Wichtigkeit des Open-Source-Sektors betont, der ein bestimmender Faktor für die technologische Souveränität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas sei. Die Konsultation solle die Basis für den Einsatz und die Entwicklung freier digitaler Assets in der Kommission selbst bilden. Mittlerweile sind bereits Hunderte Stellungnahmen zumeist von Open-Source-Entwicklern und Unternehmen aus dem EU-Raum eingegangen.

Wie weit all das in den anderen Mitgliedsstaaten verinnerlicht wurde, lässt sich derzeit natürlich noch nicht sagen. In Österreich wird jedenfalls weiter umgesetzt, denn die Pläne gehen über die Einführung einzelner freier Applikationen weit hinaus. Natürlich gebe es eine konkrete, über Nextcloud hinausgehende Roadmap(öffnet im neuen Fenster) , heißt es dazu aus dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET).


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