Abschied von Jack Ryan: Die vierte Staffel ist die letzte - und auch die beste?

Hinweis: In dieser Kurzrezension schreiben wir über die Handlung am Anfang der vierten Staffel. Wer wirklich gar nichts darüber wissen will, sollte lieber nicht weiterlesen.
Als Prime Video die vierte Staffel von Jack Ryan ankündigte, war direkt klar, dass es die letzte sein würde. So manchen Fan dürfte das verwundert haben, denn Jack Ryan ist - soweit man das angesichts des intransparenten Vorgehens der Streamingdienste sagen kann - ein Erfolg. Warum also ist jetzt schon Schluss?
Die Erklärung ist so einfach wie merkwürdig. Es liegt an Hauptdarsteller John Krasinski. Als er den Vertrag für diese Serie unterschrieb, ging es explizit um vier Staffeln(öffnet im neuen Fenster) . Mehr wollte Krasinski nicht machen - und das, obwohl Jack Ryan seine Traumrolle ist, wie er sagte(öffnet im neuen Fenster) .
Man hätte natürlich trotzdem weitermachen können, insbesondere bei einer Figur, die in gut 30 Jahren von fünf verschiedenen Männern gespielt wurde. Jack Ryan ist der moderne James Bond, Umbesetzungen sind eingepreist. Aber die Macher entschieden sich für ein Ende - vielleicht, weil es ihnen die Möglichkeit gab, einen runden Abschluss zu finden.
Nach der Verhinderung des dritten Weltkriegs
Doch wie ist nun die vierte Staffel, die gestern bei Prime Video gestartet ist?
In der dritten Staffel(öffnet im neuen Fenster) ging es noch um eine Verschwörung, die dafür sorgen sollte, dass die Spannungen zwischen Russland und der Nato zu einem Krieg führen - den Jack Ryan natürlich verhindern konnte.
Das war eine enorme Geschichte, an die die Story der vierten Staffel nicht mehr anschließen kann. Sie wirkt kleiner. Es geht um ein Kartell und um die Triade, um Terroristen und um geheime Einsätze, die der vorherige CIA-Director bewilligt hat und die so sehr Black-ops sind, dass nicht einmal Jack Ryan als Acting Deputy Director versteht, was vor sich geht. Er kappt die Finanzierung und trifft so auf Domingo Chavez, den tödlichsten Mann, den die CIA je hatte - und der nun mit Jack zusammenarbeitet.
Fühlte man sich bei der dritten Staffel an den Roman Das Echo aller Furcht erinnert, wirkt die vierte Staffel, als habe man sich an Das Kartell orientiert - dem Roman, aber auch dem Film. Eigenmächtige Handlungen der CIA, ein Drogenkartell, ein knallharter Killer im Auftrag der CIA - alles Elemente aus Das Kartell. Neu ist eigentlich nur, dass man nicht auf die Figur John Clark zurückgegriffen hat, sondern auf Chavez. Chavez ist zwar auch eine Figur aus Clancys Romanen, wurde filmisch aber bislang kaum beachtet.
Kürzere Staffel
Anders als bei den ersten drei Staffeln bringt Prime Video bei Staffel 4 nicht alle Folgen auf einmal. Es sind auch nur sechs Episoden anstelle der bisherigen acht, die in Doppelfolgen jeden Freitag präsentiert werden. Obwohl die Staffel kürzer ist, stellt sich schon zu Beginn Leerlauf ein. Die neue Geschichte kommt nicht so recht vom Fleck, die Erzählweise ist holpriger und sehr viel unentschlossener als zuvor - man fühlt sich an die zweite Staffel erinnert, die auch deutlich schwächer war.
Aber es gibt auch Gutes: Die wechselnden Schauplätze sind attraktiv, schön ist aber auch die Rückkehr von Abbie Cornish als Cathy Mueller. Sie war zuletzt in der ersten Staffel zu sehen. Ihre Interaktion mit Jack Ryan ist angenehm und gibt der Figur etwas Persönliches - etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Wie es weitergehen könnte
Eine fünfte Staffel wird es also nicht geben. Aber wie wäre es denn mit einem Spin-off? Michael Peña spielt Domingo Chavez - und das mit einer unglaublich harten Ausstrahlung, die man ihm nach seinen bisherigen Rollen gar nicht zugetraut hätte. Er ist aber großartig: hart, kompromisslos, effektiv und trotzdem immer sympathisch.
Wenn es also schon nicht mit Jack Ryan weitergeht, dann vielleicht mit Domingo Chavez? Michael Peña hat jedenfalls gezeigt, dass es funktionieren könnte; in der vierten Staffel reißt er jede Szene an sich.
Die Staffel ist ein solider Abschluss, mehr aber auch nicht. Die Dialoge sind nicht unbedingt auf der Höhe, der erzählerische Fluss gerät bisweilen ins Stocken und die Haupthandlung ist nicht immer mitreißend. Kurz: Es hätte besser enden können, aber viele Fans dürften trotzdem zufrieden sein.



