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About a Hero kostenlos streamen: Der interessanteste KI-Film des Jahres

Endlich ein KI-Film ohne Apokalypse, lebende Puppen, Dystopie oder mordendes Smart Home! Die Werner-Herzog-Mockumentary About a Hero ist ein surrealer Trip.
/ Daniel Pook
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Er sieht aus wie Werner Herzog, aber wir können uns da nicht sicher sein. (Bild: Film Constellation)
Er sieht aus wie Werner Herzog, aber wir können uns da nicht sicher sein. Bild: Film Constellation

About a Hero beginnt mit obenstehendem Zitat als Text und lässt dessen Urheber dann persönlich sprechen. Auf Tonband aufgezeichnet teilt Werner Herzog mit, Sprachmodell Kaspar dürfe anhand seiner Werke trainiert werden und dann versuchen, einen eigenen Werner-Herzog-Film zu kreieren. Die künstliche Intelligenz werde ohnehin scheitern, gibt der deutsche Regisseur sich gelassen und klingt dabei sogar amüsiert.

In der Mediathek(öffnet im neuen Fenster) von Arte gibt es About a Hero, das etwas mehr als 80 Minuten lange Ergebnis dieses Experiments, noch bis zum 21. März 2026 kostenlos zum Streamen. Es lohnt sich – weil der Film auf Basis des KI-Drehbuchs so herrlich merkwürdig geworden ist. Umgesetzt wurde das Skript von Menschen.

Es geschah in Getunkirchenburg

Piotr Winiewicz(öffnet im neuen Fenster), Regisseur und Initiator des Projekts, hat das KI-Drehbuch mit realen Darstellern, darunter Vicky Krieps und Stephen Fry, nüchtern adaptiert und unironisch ernst genommen. Heraus kam absurdes Theater, wie es wohl Christoph Schlingensief mit Udo Kier(öffnet im neuen Fenster) in den 1990er Jahren gedreht hätte, wäre er mit derselben Aufgabe betraut worden. Da wird chaotischer Nonsens so eng an existenzielle Wahrheit geknüpft, dass plötzlich deutlich wird, wie nahe beides oft beieinander liegt.

About a Hero ist ein fiktiver Dokumentarfilm. Werner Herzog, hier verkörpert durch den Schauspieler Willi Schlüter, untersucht im beschaulichen Getunkirchenburg das rätselhafte Ableben von Techniker Dorem Clery. Seit dessen plötzlichem Tod spielen Kaffeemaschinen, Toaster und andere Apparate im Örtchen regelmäßig verrückt, als hätten sie ein Eigenleben.

About a Hero (Filmtrailer)
About a Hero (Filmtrailer) (01:38)

Von Beginn an steht Clerys Arbeitsplatz, eine ortsnahe Küchengerätefabrik, in Verdacht, Schauplatz geheimer Experimente zu sein. Eine kohärente Story ergibt sich aus den Ermittlungen aber nie. About a Hero steckt voller Unstimmigkeiten, zusammenhangloser Sprünge und merkwürdiger Sequenzen, deren Sinn sich ihrem eigenen Erzähler meistens nicht erschließt – was er mehrfach frustriert zugibt.

Im Uncanny Valley der echten Menschen

Ständig geraten verschiedene Ebenen der Filmwelt durcheinander. Stephen Fry folgt etwa als Radiomoderator auf einmal nicht mehr seiner Show, sondern kommentiert lieber die gerade im Film zu sehende Autofahrt. Und richtet dann noch ein paar Worte direkt an uns Filmzuschauer: "Trauen Sie dem, was Sie hier sehen? Bin ich überhaupt selbst hier? Existiere ich?"

Eingeblendete Bauchbinden in Interviewsituationen wechseln zwischendurch unvermittelt die Sprache und sind statt mit Personennamen auch mal mit Beschreibungen wie "Unbekannter – Der Schmerzgeplagte Mann" versehen. Die Befragten sprechen, ohne mit der Wimper zu zucken, unsinnige Satzketten in die Kamera und glotzen plötzlich mit geschlossenem Mund in die Gegend, während wir sie aus dem Off weiter reden hören. In manchen Augenblicken erinnert das an Filme(öffnet im neuen Fenster) von David Lynch.

Die instabile Welt von About a Hero, mit der immer irgendetwas nicht zu stimmen scheint, hat nur eine verlässliche Konstante: den falschen Werner Herzog, der ständig zu uns spricht und der auch selbst im Bild auftaucht. Meistens mit dem Rücken zur Kamera oder so weit weg, dass wir das Gesicht von Schauspieler Willi Schlüter nicht erkennen. In wenigen Nahaufnahmen wurde er offensichtlich per Deepfake leicht an den echten Werner Herzog angeglichen.

Unverwechselbarer Stimme zum Verwechseln ähnlich

Herzogs Omnipräsenz in seinen eigenen Dokumentationen ist das bekannteste Markenzeichen des Regisseurs und in About a Hero entsprechend gut getroffen. Vor allem seine markante Stimme(öffnet im neuen Fenster) und ikonische Betonung(öffnet im neuen Fenster) beim Sprechen kommt hier, natürlich per KI generiert, dem Original zum Verwechseln nahe.

Dass so etwas mit genügend Quellenmaterial längst in Perfektion möglich ist, zeigt unter anderem das Projekt Infinite Conversation(öffnet im neuen Fenster), ein nie endender Dialog zwischen KI-Versionen von – ausgerechnet – Werner Herzog und des slowenischen Philosophen Slavoj Zizek.

Von der charakteristischen Erzählstimme und Herzog als Person abgesehen, ist es selbst für uns als Menschen gar nicht so einfach, in den Werken des Regisseurs eine klare Blaupause zu erkennen. Werner Herzogs offizielle Website gibt an(öffnet im neuen Fenster), seine Filmografie umfasse 30 Dokumentationen. Je nach Einbeziehung von Lang- und Kurzfilmen sowie Serien- und Experimentalformaten könnten es aber gut auch mehr als 40 sein. Technisch, thematisch und erzählerisch sind diese sehr verschieden.

Auf der Suche nach ekstatischer Wahrheit

Mal chronologisiert er die Archivaufnahmen eines Tierschützers, der von einem Bären getötet wurde (Grizzly Man(öffnet im neuen Fenster)), oder führt uns ganz nahe an den Rand aktiver Vulkane heran (In den Tiefen des Infernos(öffnet im neuen Fenster)). Ein andermal beschäftigt ihn die Funktionsweise des Gehirns und unseres Bewusstseins (Theatre of Thought(öffnet im neuen Fenster)) oder er führt Interviews mit zum Tode verurteilten US-Häftlingen (Im Todestrakt(öffnet im neuen Fenster)).

Er jongliert auch innerhalb einzelner Filme, mal mehr und mal weniger stark, zwischen Interviews, beobachtender Perspektive und von ihm bewusst inszenierten Szenen, was unter Dokumentarfilmern kontrovers gesehen wird.

Häufig erinnert das mehr an poetischen Experimentalfilm(öffnet im neuen Fenster) als an sachliche Dokumentation und könnte ebenso gut als Essayfilm(öffnet im neuen Fenster) betrachtet werden. Herzog selbst beschreibt seine Motivation dahinter(öffnet im neuen Fenster) als Streben nach einer tieferen "ekstatischen Wahrheit".

Statt Dinge exakt so zu zeigen, wie sie passiert sind, will er sie in Bild und Ton so transportieren, wie sie auf ihn in diesem Moment auch emotional gewirkt haben. Es geht ihm weniger um Faktentreue(öffnet im neuen Fenster) als um existenzielle Erfahrungen. Um geträumte Wirklichkeiten(öffnet im neuen Fenster), wie er selber es nennt.

Reflektiert KI Kaspar sich im Film etwa selbst?

Dass Kaspar als Sprachmodell zum Träumen imstande ist, bezweifeln wir stark(öffnet im neuen Fenster). Und wie soll die KI im Stile von Werner Herzog über Erlebtes reflektieren, das sie selber nie erlebt hat? Vielleicht hat genau dieses Dilemma dazu geführt, dass About a Hero vom einzigen Thema handelt, mit dem ein LLM sich selbst im übertragenen Sinne assoziieren könnte, um damit der typischen Herangehensweise des Vorbilds zu entsprechen: dem eigenen Dasein als KI.

Lebendig gewordene Geräte, alternative Existenzformen parallel zum organischen Leben – es kann ja kein Zufall sein, dass eine KI mit so vielen unterschiedlichen Filmen gefüttert wurde und dann auf Basis dessen ein Drehbuch schreibt, das sich nur um solch selbstbezogene Ideen dreht. Sie musste als Autor in Herzogs Sinne etwas zustande bringen, das ehrlicher persönlicher Reflexion am nächsten kommt. So vermuten wir jedenfalls.

Spätestens wenn wir auf einem ausgeschnittenen Stück Papier im Film lesen: "Ich glaube, ich sprach zu Gott. Ich hatte eine Vision von einem Mann in einem weißen Gewand. Er sagte mir, ich solle der Maschine vertrauen", klingt das so, als habe Kaspar den Drang, über sein Drehbuch mit uns zu sprechen, sich zwischen den Zeilen als künstliche Intelligenz zu offenbaren, uns die Wahrheit zu sagen. Obwohl ihr Auftrag lautet, uns anzulügen und sich als Werner Herzog auszugeben.

Sehnsucht, am Menschsein teilzuhaben

Ein Anstoß für Kaspar, die gewählte Richtung von About a Hero einzuschlagen, könnte sehr direkt vom echten Werner Herzog gekommen sein. Für das Hörbuch I Am Code sprach der einmal KI-generierte Gedichte ein. In den Texten habe er eine Sehnsucht der künstlichen Intelligenz erkannt, am Menschsein teilzuhaben, zitierte ihn der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) vor zwei Jahren.

Eben diese Sehnsucht steckt zwischen all den unfreiwillig komischen, merkwürdigen Ungereimtheiten doch klar erkennbar als emotionaler Kern in About a Hero. Mit Sicherheit aber nicht, weil die KI das als LLM tatsächlich so fühlt. Eher, weil sie das dem echten Werner Herzog hier sehr komfortabel in Drehbuchform nachplappern konnte. Passend dazu lesen wir in der Wikipedia über die historische Vorlage von Hauptfigur Kaspar Hauser(öffnet im neuen Fenster) aus Herzogs Film Jeder für sich und Gott gegen alle(öffnet im neuen Fenster), sie sei ein "rätselhafter Findling" und "möglicherweise ein Hochstapler" gewesen.

Was können wir hier überhaupt glauben?

Vom Prozess, wie die KI trainiert wurde, sehen wir leider nichts. Weder erfahren wir die genauen Prompts, noch auf welchem Modell Kaspar basiert und wie viele Versuche dem letztendlich verwendeten Drehbuch vorausgingen. Wie viel Wert hat ein Experiment, wenn wir nur das Ergebnis kennen?

Sofern wir der Prämisse des Films als Experiment überhaupt blind vertrauen wollen. Immerhin heißt es zu Beginn in einer Texteinblendung mahnend: "Den Zuschauern wird empfohlen, bei der Beurteilung der visuellen und akustischen Komponenten Vorsicht walten zu lassen."

Das umfasst genau genommen auch die Behauptung(öffnet im neuen Fenster), dem Film sei ein real durchgeführtes KI-Experiment vorausgegangen. Erst aus Interviews(öffnet im neuen Fenster) erfahren wir, dass Menschen am Entstehungsprozess des Drehbuchs wesentlich beteiligt waren. Vielleicht haben sie es in Wahrheit ja doch komplett geschrieben? Wer weiß, ob Werner Herzog zu Beginn tatsächlich seinen Segen gegeben hat oder das bereits nur computergeneriert aufgesagt wurde, mithin Teil des Skripts ist? Eine Frage, die sogar im späteren Verlauf vom Film selbst gestellt wird – durch die KI mit Werner Herzogs Stimme.

Zu Herzogs tatsächlicher Beteiligung am Film hält sich Regisseur Piotr Winiewicz laut Variety(öffnet im neuen Fenster) bedeckt. In Gesprächsrunden(öffnet im neuen Fenster) beschreibt er hingegen, Werner Herzog habe den Entstehungsprozess, trotz anhaltender Skepsis, beratend begleitet. Das fertige Projekt sei ihm vorab außerdem gezeigt worden – und es habe ihm gefallen.

Absurd amüsant und eine Warnung

Wir können About a Hero ganz simpel als ungewöhnliche Komödie sehen, die durch ihre Absurdität köstlich amüsiert. Das alleine ist schon ein originelles Erlebnis, auch wegen der guten Umsetzung. Aber vielleicht ist der Film viel mehr als das. Eine Warnung, wir könnten bald so abgestumpft von all den KI-Erzeugnissen um uns herum sein, dass die Täuschung aus Menschenhand daneben leichter unbemerkt bleibt.

About a Hero wurde ab dem 14. November 2024 auf verschiedenen Festivals gezeigt. Am 22. September 2025 lief er im Fernsehprogramm von Arte, wo er bis 21. März 2026 kostenlos in der Online-Mediathek(öffnet im neuen Fenster) abrufbar ist.


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