About a Hero kostenlos streamen: Der interessanteste KI-Film des Jahres

Inhalt
"In 4.500 Jahren wird keine Maschine einen so guten Film machen wie ich."
Mit diesem Satz mag Regie-Ikone(öffnet im neuen Fenster) Werner Herzog letztlich recht behalten. Immerhin hat es jetzt die erste Maschine aber zumindest mal versucht.
About a Hero beginnt mit obenstehendem Zitat als Text und lässt dessen Urheber dann persönlich sprechen. Auf Tonband aufgezeichnet teilt Werner Herzog mit, Sprachmodell Kaspar dürfe anhand seiner Werke trainiert werden und dann versuchen, einen eigenen Werner-Herzog-Film zu kreieren. Die künstliche Intelligenz werde ohnehin scheitern, gibt der deutsche Regisseur sich gelassen und klingt dabei sogar amüsiert.
In der Mediathek(öffnet im neuen Fenster) von Arte gibt es About a Hero, das etwas mehr als 80 Minuten lange Ergebnis dieses Experiments, noch bis zum 21. März 2026 kostenlos zum Streamen. Es lohnt sich – weil der Film auf Basis des KI-Drehbuchs so herrlich merkwürdig geworden ist. Umgesetzt wurde das Skript von Menschen.
Es geschah in Getunkirchenburg
Piotr Winiewicz(öffnet im neuen Fenster) , Regisseur und Initiator des Projekts, hat das KI-Drehbuch mit realen Darstellern, darunter Vicky Krieps und Stephen Fry, nüchtern adaptiert und unironisch ernst genommen. Heraus kam absurdes Theater, wie es wohl Christoph Schlingensief mit Udo Kier(öffnet im neuen Fenster) in den 1990er Jahren gedreht hätte, wäre er mit derselben Aufgabe betraut worden. Da wird chaotischer Nonsens so eng an existenzielle Wahrheit geknüpft, dass plötzlich deutlich wird, wie nahe beides oft beieinander liegt.
About a Hero ist ein fiktiver Dokumentarfilm. Werner Herzog, hier verkörpert durch den Schauspieler Willi Schlüter, untersucht im beschaulichen Getunkirchenburg das rätselhafte Ableben von Techniker Dorem Clery. Seit dessen plötzlichem Tod spielen Kaffeemaschinen, Toaster und andere Apparate im Örtchen regelmäßig verrückt, als hätten sie ein Eigenleben.

Von Beginn an steht Clerys Arbeitsplatz, eine ortsnahe Küchengerätefabrik, in Verdacht, Schauplatz geheimer Experimente zu sein. Eine kohärente Story ergibt sich aus den Ermittlungen aber nie. About a Hero steckt voller Unstimmigkeiten, zusammenhangloser Sprünge und merkwürdiger Sequenzen, deren Sinn sich ihrem eigenen Erzähler meistens nicht erschließt – was er mehrfach frustriert zugibt.
Im Uncanny Valley der echten Menschen
Ständig geraten verschiedene Ebenen der Filmwelt durcheinander. Stephen Fry folgt etwa als Radiomoderator auf einmal nicht mehr seiner Show, sondern kommentiert lieber die gerade im Film zu sehende Autofahrt. Und richtet dann noch ein paar Worte direkt an uns Filmzuschauer: "Trauen Sie dem, was Sie hier sehen? Bin ich überhaupt selbst hier? Existiere ich?"
Eingeblendete Bauchbinden in Interviewsituationen wechseln zwischendurch unvermittelt die Sprache und sind statt mit Personennamen auch mal mit Beschreibungen wie "Unbekannter – Der Schmerzgeplagte Mann" versehen. Die Befragten sprechen, ohne mit der Wimper zu zucken, unsinnige Satzketten in die Kamera und glotzen plötzlich mit geschlossenem Mund in die Gegend, während wir sie aus dem Off weiter reden hören. In manchen Augenblicken erinnert das an Filme(öffnet im neuen Fenster) von David Lynch.











Die instabile Welt von About a Hero, mit der immer irgendetwas nicht zu stimmen scheint, hat nur eine verlässliche Konstante: den falschen Werner Herzog, der ständig zu uns spricht und der auch selbst im Bild auftaucht. Meistens mit dem Rücken zur Kamera oder so weit weg, dass wir das Gesicht von Schauspieler Willi Schlüter nicht erkennen. In wenigen Nahaufnahmen wurde er offensichtlich per Deepfake leicht an den echten Werner Herzog angeglichen.
Unverwechselbarer Stimme zum Verwechseln ähnlich
Herzogs Omnipräsenz in seinen eigenen Dokumentationen ist das bekannteste Markenzeichen des Regisseurs und in About a Hero entsprechend gut getroffen. Vor allem seine markante Stimme(öffnet im neuen Fenster) und ikonische Betonung(öffnet im neuen Fenster) beim Sprechen kommt hier, natürlich per KI generiert, dem Original zum Verwechseln nahe.
Dass so etwas mit genügend Quellenmaterial längst in Perfektion möglich ist, zeigt unter anderem das Projekt Infinite Conversation(öffnet im neuen Fenster) , ein nie endender Dialog zwischen KI-Versionen von – ausgerechnet – Werner Herzog und des slowenischen Philosophen Slavoj Zizek.











Von der charakteristischen Erzählstimme und Herzog als Person abgesehen, ist es selbst für uns als Menschen gar nicht so einfach, in den Werken des Regisseurs eine klare Blaupause zu erkennen. Werner Herzogs offizielle Website gibt an(öffnet im neuen Fenster) , seine Filmografie umfasse 30 Dokumentationen. Je nach Einbeziehung von Lang- und Kurzfilmen sowie Serien- und Experimentalformaten könnten es aber gut auch mehr als 40 sein. Technisch, thematisch und erzählerisch sind diese sehr verschieden.



