Abgesang von US-Clouds: EU-Tech-Firmen erleben Aufschwung durch US-Handelspolitik

Die US-Clouds werden für europäische Nutzer uninteressanter, weil durch die unstete Politik der USA die Risiken steigen, dass hohe Zölle für ihre Benutzung anfallen. Das führt laut einem Bericht des Magazins Spiegels(öffnet im neuen Fenster) dazu, dass europäische und besonders deutsche Softwarefirmen einen unerwarteten Aufschwung erleben.
Kunden suchen verstärkt nach Alternativen zu US-Anbietern
Deutsche Cloudanbieter wie Opencloud(öffnet im neuen Fenster) verzeichnen seit Jahresbeginn dem Spiegel-Bericht nach spürbare Zuwächse. Gründer Peer Heinlein berichtet von einem Anstieg der Nutzerzahlen um 62 Prozent. Sein Team habe mit dem "regelrechten Ansturm" alle Hände voll zu tun, da viele Unternehmen und Behörden ihre Daten lieber bei heimischen Anbietern wissen wollten.
Frank Karlitschek, Gründer des deutschen Softwareunternehmens Nextcloud(öffnet im neuen Fenster) , bestätigt diese Tendenz. Er spricht von einem "sprunghaft gestiegenen Interesse" – und berichtet von dreimal so vielen Anfragen wie üblich. Ob daraus auch so viele Abschlüsse entstehen, geht aus der Aussage nicht hervor.
Ein weiterer Faktor ist dem Bericht nach die Sorge vor Wirtschaftsspionage und Erpressung. Die Vorstellung, die USA könnten in US-Clouds gespeicherte Daten als Druckmittel einsetzen, scheint für viele Unternehmen angesichts seines Verhaltens im Handelskrieg nicht abwegig zu sein.
Auch der deutsche Cloudspezialist Ionos(öffnet im neuen Fenster) meldete dem Spiegel eine erhöhte Nachfrage, besonders aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Nina-Sophie Sczepurek, Co-Geschäftsführerin von Leitzcloud by vBoxx(öffnet im neuen Fenster) , einer Plattform für sichere Businesstools, nimmt ein "tief empfundenes Sicherheitsbedürfnis" bei ihren Kunden wahr.
Trump-Effekt in Deutschland
Europäischen und deutschen Angeboten fehlten häufig wichtige Funktionen oder die Bedienung der Software war gewöhnungsbedürftig. Diese Probleme dürften zwar weiterhin bestehen, doch die aktuelle Situation könnte dennoch eine Chance für heimische Anbieter darstellen.
Auch bei Privatnutzern zeigen sich Veränderungen. Die Initiative Go European(öffnet im neuen Fenster) zeigt auf ihrer Website europäische Alternativen zu allen möglichen Produkten und digitalen Dienstleistungen.
Beide Bewegungen sind zwar noch Randphänomene und nicht im Mainstream angekommen, dennoch berichten europäische Tech-Firmen von positiven Veränderungen. Die europäische Navigationsapp Magic Earth(öffnet im neuen Fenster) , eine Alternative zu Google Maps, verzeichnet laut Firmenchef Raymond Alves ein Wachstum von mehr als 250 Prozent innerhalb der letzten sechs Wochen.
Noch ist nicht klar, ob diese Bewegungen ein langfristiger Trend sein werden. Das dürfte auch von der Reaktion der EU nach der 90-tägigen Aussetzung von Importzöllen seitens der USA abhängen. Die EU könnte die Nutzung von digitalen Dienstleistungen aus den USA mit Abgaben belegen, was dann beispielsweise die Nutzung von Microsoft 365 oder der Adobe-Creative-Cloud verteuern und noch mehr Nutzer über Alternativen nachdenken lassen könnte – unabhängig von der Sorge, dass ihre Daten in US-Clouds nicht gut aufgehoben sein könnten.