Abgas-Skandal: EU-Kommission wusste über Software-Manipulation Bescheid
Mitarbeiter der Kommission der Europäischen Union (EU) haben offenbar die Manipulationen bei der Motorensoftware auffliegen lassen. Die EU-Kommission habe seit mehreren Jahren von den Manipulationen gewusst, aber nichts unternommen, berichtet die Wirtschaftszeitschrift Wirtschaftswoche(öffnet im neuen Fenster) .
Seit 2011 sei der EU-Kommission bekannt gewesen, dass Hersteller die Motorsteuerung so beeinflussten, dass die Autos bei Abgastests besser abschnitten. Ein Zulieferer habe Antonio Tajani, damals Kommissar für Unternehmen und Industrie der EU, darauf aufmerksam gemacht. Die Wirtschaftswoche erklärt, das aus dem Umfeld der Kommission erfahren zu haben. Zudem liegen ihr nach eigenen Angaben Dokumente vor, aus denen das hervorgeht.
EU-Mitarbeiter informierten die ICCT
Obwohl sie über diese Praktiken Bescheid gewusst habe, habe die EU-Kommission nichts gegen die Hersteller unternommen, schreibt die Zeitung. Das habe die Kommissionsmitarbeiter derart frustriert, dass sie die Informationen schließlich an die US-Umweltorganisation International Council for Clean Transportation (ICCT) weitergegeben hätten.
Die ICCT habe die Abgaswerte verschiedener Modelle von Volkswagen (VW) mit Dieselantrieb untersuchen lassen und die Ergebnisse an die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) und die kalifornische Umweltbehörde California Air Resources Board (Carb) übergeben. "Es waren Beamte aus der EU-Administration, die die amerikanische Umweltorganisation ICCT auf mögliche Betrügereien bei Stickoxidemissionen hinwiesen" , bestätigte Carb-Direktorin Mary Nichols der Wirtschaftswoche.
Tricksen auch Audi und Porsche?
Nachdem die EPA die VW-Manipulationen öffentlich machte, wurden weitere Fahrzeug mit Dieselantrieb überprüft. Die EPA erklärte Anfang November, mehrere Modelle der VW-Töchter Audi und Porsche hätten die gleiche Motorsteuerungs-Software installiert.
Auch andere Hersteller manipulieren möglicherweise die Abgaswerte ihrer Dieselfahrzeuge: Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) testet über 50 Modelle – und fand verdächtige Abweichungen: "Auf Basis von Rohdaten wurden bisher zum Teil erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt" , erklärte das KBA dieser Tage. Die Daten müssten allerdings noch "weiter evaluiert" werden, um "rechtlich belastbare Ergebnisse" zu bekommen.
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