A Million Miles Away: Wahre Geschichte zu märchenhaft verfilmt
Die Lebensgeschichte des Astronauten José M. Hernández drängt sich förmlich auf, als Biopic verfilmt zu werden: Es ist die klassische Geschichte des Underdogs, der nicht aufgibt und unbeirrt seinem Traum folgt – bis er Erfolg hat. Das ist aber auch die Crux des Films A Million Miles Away(öffnet im neuen Fenster) , der am 15. September 2023 bei Prime Video startet. Denn nichts an dieser Geschichte ist neu.
Sie beginnt damit, dass José M. Hernández(öffnet im neuen Fenster) mit seinen Eltern in die USA kommt und mit ihnen von Stadt zu Stadt zieht, je nachdem, wo sich Arbeit auf den Feldern finden lässt. Es sieht so aus, als wäre das auch Josés Zukunft, aber er träumt von mehr.
Er ist intelligent, seine Lehrerin in der Schule erkennt das und fördert ihn. Josés Weg führt ans College und als Ingenieur kommt er schließlich zur Nasa. Schon als Kind hat er davon geträumt, ins All zu fliegen.
Dafür arbeitet Hernandez und wird von seiner Frau unterstützt, doch es folgt eine Absage nach der anderen. Viele Menschen wollen Astronauten werden, nur die wenigsten schaffen es.
Geradlinig erzählt
Das Ende ist bekannt und A Million Miles Away erzählt die Geschichte solide, aber ohne Ecken und Kanten. Die Geschichte verläuft geradlinig, zwar gibt es zeitliche Sprünge, aber keine Überraschungen. Ob das an Hernández' Leben oder daran liegt, dass die Filmemacher sich entschieden haben, ein Feelgood-Märchen mit inspirierender Wirkung zu machen – auf jeden Fall leidet der Film darunter.
Denn es entsteht nie das Gefühl, dass die Erfüllung von José M. Hernández' Traum eine große Herausforderung ist. Es müsste Stolpersteine oder Schwierigkeiten geben, die werden aber nur angedeutet und sind nicht wirklich spürbar. Selbst aus dem Umstand, dass Hernández mexikanischer Abstammung ist, macht der Film kaum etwas.
Eine kaum rassistische Welt
Als er als Junge in einer Klasse sitzt und wegen seines Akzents ausgelacht wird, stellt die Lehrerin eine kniffelige Mathematikfrage, die nur er beantworten kann. Damit hat er es allen gezeigt. Was danach passiert, zeigt der Film nicht.
Als er später als Ingenieur anfängt, hält ihn die Frau am Empfang zunächst für den Hausmeister, drückt ihm Schlüssel in die Hand und lässt ihn nicht ausreden. Das wird dargestellt, als sei es lustig – aber es ist natürlich rassistisch. Wie das auf José wirkt, lässt der Film offen.
Der Film wirkt auch in diesem Punkt märchenhaft; als ob es Rassismus kaum oder gar nicht gäbe und Mitgliedern von Minderheiten alle Türen offenstünden.
Das Ensemble
Die Schauspieler sind gut, aber nicht überragend. Sie passen sich ihren Rollen an. Michael Peña ist der gutmütige, freundliche, auf seinen Traum fokussierte José, Rosa Salazar (Alita: Battle Angel) spielt seine Frau. Allzu viel Chemie gibt es zwischen beiden aber nicht. Sie liefern eine solide Leistung.
Solide ist der ganze Film, bei einer Laufzeit von zwei Stunden geht es recht gemächlich zu. A Million Miles Away hat nichts Mitreißendes zu bieten. Underdog-Geschichten folgen immer einer bestimmten Formel, es gibt aber durchaus Variationsmöglichkeiten.
Darum ist Rocky (1975) ein mitreißender Film und A Million Miles Away nur Dutzendware, die nach dem Sehen schnell vergessen ist. Da ist es egal, ob die Geschichte wahr ist oder nicht.
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