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900 MHz: Konjunkturpaket hebt LTE-Drosselung an der Schiene auf

Veraltete GSM-R-Ausrüstung in Zügen soll endlich ausgetauscht werden, damit LTE entlang der Strecke nicht mehr eingeschränkt wird. Dafür zahlen die Steuerzahler.

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GSM-R Rangierfunk (Bild: Deutsche Bahn)

Der Koalitionsausschuss hat am Mittwoch mit seinem Konjunkturpaket Festlegungen für den Mobilfunkempfang an der Schiene getroffen. "Die Umrüstung von Funkempfängern in Loks wird eine deutlich bessere 4G-Mobilfunkversorgung entlang von Schienenstrecken ermöglichen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange (CSU), am 4. Juni 2020.

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Im Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket wird angekündigt: "Damit der Mobilfunkempfang entlang der 39.000 km Schienenwege in Deutschland deutlich verbessert werden kann, müssen die Zugendgeräte modernisiert werden (Umrüstung auf GSM-R). Der Bund wird dazu in 2020 und 2021 die nötige Umrüstung bei den 450 zugelassenen Eisenbahnverkehrsunternehmen noch stärker unterstützen." Der Finanzbedarf liege bei 150 Millionen Euro.

Mobilfunkbetreiber müssen LTE-Anlagen im wichtigen 900-MHz-Band bislang von den Bahnanlagen wegdrehen, um den digitalen Zugfunk GSM-R nicht zu stören. Vier Kilometer links und rechts vom Gleis darf der öffentliche Mobilfunk keine LTE900-Signale ausstrahlen. Der SPD-Abgeordnete Gustav Herzog vom Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur hat sich dafür eingesetzt, "gehärtete", störungsfreie GSM-R-Endgeräte einzusetzen und die Förderung dafür zu verbessern. Dadurch würde in Zügen in Summe circa 250 MBit/s zusätzliche Bandbreite zur Verfügung gestellt.

GSM-R: Herzog setzt Forderung durch

"Mit unserer Forderung haben wir uns tatsächlich durchgesetzt. Die Koalitionsspitze hat das Problem verstanden und die Dringlichkeit erkannt. Wir sorgen nun dafür, dass auch das 900er-Band genutzt werden kann, um die Bandbreite zu erhöhen", sagte Raschid El Khafif, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Herzog, Golem.de auf Anfrage.

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Herzog hatte gefordert, den Förderhöchstbetrag für die Umrüstung auf 100 Prozent der anrechenbaren Umrüstungskosten zu erhöhen und das Programm mit einem Enddatum zu versehen. Eisenbahnverkehrsunternehmen sollen demnach im Rahmen einer Frist von 18 Monaten kostenlos ein Upgrade ihrer Mobilfunktechnik erhalten. Nach Ablauf der Frist würde sich der Förderhöchstbetrag auf 50 Prozent reduzieren. Nach Ablauf weiterer sechs Monate sollen alle nicht umgerüsteten Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen einer Geschwindigkeitsbeschränkung unterworfen werden, die es ermöglicht, den öffentlichen Mobilfunk entlang der Gleisanlagen freizugeben.