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70 Rechenzentren offline: Plötzliche Lastabfälle gefährden Stromnetz

Im US-Bundesstaat Virginia schalten Dutzende Rechenzentren in den Notstrombetrieb, was zu einem Lastabfall von zwei Gigawatt führt.
/ Mike Faust
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Rechenzentrum von Digital Realty in Ashburn, Virginia (Bild: Reuters)
Rechenzentrum von Digital Realty in Ashburn, Virginia Bild: Reuters

Im US-Bundesstaat Virginia kam es zu zwei Vorfällen, bei denen Dutzende Rechenzentren abrupt ihre Verbindung zum Stromnetz trennten. Wie das Wall Street Journal berichtet(öffnet im neuen Fenster) , stellt diese Form des plötzlichen Lastabfalls ein erhebliches Risiko für die Netzbetreiber dar und Unternehmen sowie Behörden arbeiten immer noch daran, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Bei dem ersten derartigen Vorfall gingen 70 Rechenzentren nahezu gleichzeitig vom Netz, nachdem eine Hochspannungsleitung ausgefallen war. Die Fehlfunktion einer solchen Leitung hatte auch den zweiten Vorfall zur Folge, bei dem etwa 40 Rechenzentren zeitgleich auf ihre Backup-Stromquellen umschalteten.

Rechenzentren sind mit einer Netzausfallsicherung ausgestattet, die unter anderem das Stromnetz auf Störungen überwacht und bei zu starken Schwankungen auf die eigene Notstromversorgung umschaltet. Die Stabilität im Stromnetz ist von einem Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot abhängig, was beim Wegfall größerer Abnehmer zu Schäden an der Infrastruktur, Stromausfällen und der Abschaltung von Kraftwerken führen kann.

Rechenzentren sollen bei kurzen Fehlern am Netz bleiben

Bei beiden Vorfällen fiel die Last im Netz plötzlich um knapp zwei Gigawatt ab und zwang den Netzbetreiber PJM Interconnection zu schnellen Gegenmaßnahmen. Zwar kam es nicht zu Folgeschäden, der Netzbetreiber realisierte aber, dass mit dem stetig steigenden Verbrauch von Rechenzentren zukünftig auch noch höhere Lastabfälle vorkommen können und man nicht sagen könne, was passieren würde, wenn plötzlich drei oder fünf Gigawatt wegfallen würden.

Regulierungsbehörden und Tech-Unternehmen arbeiten an technischen Lösungen, mit deren Hilfe Rechenzentren bei kurzen Fehlern am Netz bleiben können und nicht sofort auf die Notstromversorgung umschalten. Derzeit werden mehr als 20 Prozent der Energie in Virginias Stromnetz von Rechenzentren verbraucht. Bis zum Jahr 2030 soll dieser Anteil auf 57 gestiegen sein.

Um den steigenden Energiebedarf für ihre Rechenzentren zu decken, errichten immer mehr Betreiber dezentrale Energieversorgungen und bauen damit ein Schattenstromnetz in den USA auf .


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