60 Jahre später: Flüssigsalzreaktor in den USA erhält Sicherheitsbestätigung
Die Renaissance der Atomkraft(öffnet im neuen Fenster) in den USA wird weiter vorangetrieben. Mit Natura Resources(öffnet im neuen Fenster) hat ein Start-up für Flüssigsalzreaktoren die Bestätigung erhalten, dass der geplante Reaktor vom US-Energieministerium grundlegend als sicher betrachtet wird.
Damit kann der Bau der Anlage an der Abilene Christian University beginnen. Beteiligt sind zudem die Texas A&M University, die University of Texas at Austin und das Georgia Institute of Technology.
Nach knapp 60 Jahren soll damit wieder ein neuer Atomreaktor errichtet werden, der nicht auf Brennelemente, sondern auf eine Schmelze zur Kernspaltung setzt. Aktuell wird noch in China an dem Prinzip geforscht.
Dort ist ein Reaktor mit 2 Megawatt thermischer Leistung in Betrieb. Der Testreaktor in den USA soll 1 Megawatt erreichen. Technisch umsetzbare Konzepte mit einer höheren Leistung, die eine praktische Nutzbarkeit bedeuten könnten, gibt es derzeit noch nicht.
Ohnehin darf der geplante Flüssigsalzreaktor von Natura Resources mit der jetzt erteilten Genehmigung zunächst einmal nur nach den vorgelegten Plänen gebaut werden. Bis er kritisch werden darf, also eine Kettenreaktion stattfinden kann, sind weitere Sicherheitsprüfungen notwendig.
Spannendes Konzept mit Vorteilen
Grundlegend besitzt ein Flüssigsalzreaktor einige Vorteile gegenüber aktuell verwendeten Reaktortypen. Weil die Schmelze aus hochangereichertem Uran, Lithium und Berylliumfluorid erst bei hohen Temperaturen flüssig wird, steht das System nicht unter Druck.
Selbst bei mehr als 1.000 °C siedet die Schmelze nicht und lässt sich deshalb in einem sehr großen Temperaturbereich steuern. Zudem bedeuten derart hohe Temperaturen eine effiziente Umwandlung der Wärme in Kraft, bis zu einem Viertel besser als bei aktuellen Reaktortypen. Auch die Leistung soll sich prinzipiell leichter regeln lassen.
Hinzu kommt, dass theoretisch auch Thorium als Brennstoff genutzt werden könnte. Daraus wird das eigentliche Spaltmaterial erbrütet, wodurch die Kosten wegen der höheren Verfügbarkeit und etwas leichteren Entsorgung spürbar sinken könnten.
Spannendes Konzept mit hohen Risiken
Gleichzeitig wäre das eines der Hauptprobleme. Beim Erbrüten entstehen große Mengen waffenfähiges Uran-233. Und weil der Kreislauf zum Beispiel zur Entnahme von Gasen geöffnet werden kann und muss, ist die Gefahr groß, dass genau dieses Element entnommen wird.
Parallel dazu steht der Kreislauf mit der Salzschmelze selbst in der Kritik. Radioaktive Spaltprodukte gelangen an Pumpen und Wärmetauscher. Die aggressiven chemischen Eigenschaften können zudem Werkstoffe angreifen.
Es gibt somit gute Gründe, weshalb es das Konzept noch nie über die Phase als Prototyp hinaus geschafft hat und die Leistung auch nach 60 Jahren zunächst einmal im Bereich eines kleinen Windrades liegen wird, sofern der Reaktor überhaupt eine Genehmigung für die Kritikalität erhält.


