5G-Toolbox: EU-Staaten ignorieren Bretons Aufruf nach Huawei-Ausschluss

Im Juni vergangenen Jahres hatte EU-Kommissar Breton deutlich den Ausschluss von Huawei und ZTE aus den europäischen 5G-Netzen gefordert. Doch die Mehrheit der EU-Staaten folgt dem weiterhin nicht.

Artikel veröffentlicht am ,
EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton im Jahr 2023
EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton im Jahr 2023 (Bild: European External Action Service (EEAS))

Acht Monate nach einer Rede des EU-Binnenmarktkommissars Thierry Breton, in der dieser die EU-Mitgliedsstaaten aufforderte, Maßnahmen gegen Huawei und ZTE als chinesische Ausrüster für 5G-Technologie zu ergreifen, fällt die Bilanz für die Kommission ernüchternd aus. Roberta Verbanac, Sprecherin der Europäischen Kommission, erklärte Golem.de auf Anfrage, dass bislang zehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Beschränkungen ergriffen hätten. Sie bestätigte damit einen Bericht von Euronews.

Breton hatte in einer Rede am 15. Juni 2023 erklärt, dass zwar viele Mitgliedsstaaten die rechtliche Möglichkeit geschaffen hätten, sogenannte Hochrisikoanbieter für 5G-Technologie auf Basis einer Sicherheitsrisikoanalyse zu beschränken oder auszuschließen, davon hätten aber bislang nur zehn Länder Gebrauch gemacht.

Breton sagte damals, dass dies zu langsam sei: "Ich kann nur betonen, wie wichtig es ist, die Entscheidungen über den Ersatz risikoreicher Anbieter aus ihren 5G-Netzen zu beschleunigen." Eine Beschleunigung hat aber bislang nicht stattgefunden, da die Zahl der Länder, die Maßnahmen ergriffen haben, immer noch bei zehn steht.

Risikoanalysen zu Huawei und ZTE ergeben keinen Handlungsbedarf

Auf die Frage, ob die EU-Kommission sich erklären könne, warum die Risikoanalysen der Mehrheit der Mitgliedsstaaten bislang offenbar keinen konkreten Handlungsbedarf ergeben hätten, wollte die Sprecherin der EU-Kommission, Roberta Verbanac, nicht antworten. Zudem kann die EU-Kommission anders als beim Datenschutz im Bereich Security nur Empfehlungen abgeben. Sie kann die Mitgliedstaaten nicht verpflichten, bestimmte Ausrüster auszuschließen.

Verbanac erklärte auch nicht, wie viele Mitgliedsstaaten chinesische Anbieter tatsächlich vollständig ausgeschlossen haben; im Unterschied zu Beschränkungen, die beispielsweise auch nur darin bestehen können, keine Antennen chinesischer Anbieter in der Nähe militärischer Sperrgebiete einzusetzen. Einzig prominentes Beispiel eines harten und vollständigen Ausschlusses innerhalb der EU ist Schweden, wobei über die Rechtmäßigkeit dieses Ausschlusses noch ein internationales Handelsgericht zu entscheiden hat.

Dass die Mehrheit der EU-Staaten in der Huawei-Frage zu anderen Schlüssen kommt als die Kommission, überrascht nicht. Schon nach Bretons Rede im Juni waren Vertreter Österreichs und Polens auf Distanz zur Position der Kommission gegangen. Frankreich, das wahrscheinlich bereits als eines der zehn Länder gezählt wird, in denen Restriktionen gegenüber chinesischen Anbietern bestehen, da es geographische Einschränkungen gibt, hatte nach Bretons Rede die Verlängerung von Lizenzen für den Einsatz von Huawei-Technologie in französischen 5G-Netzen in Aussicht gestellt, scheint also keine Notwendigkeit eines härteren Vorgehens zu erkennen. In Finnland wurde im Dezember mit dem kommerziellen Ausbau von 5.5G oder 5G-Advanced auf Basis von Huawei-Technologie begonnen.

BSI beanstandet nichts

In Deutschland kommt eine seit Jahren laufende Diskussion zu keinen klaren Ergebnissen: Während das Bundesinnenministerium unter Nancy Faeser (SPD) mal Handlungsbedarf sieht und mal betont, man sei noch in einer ergebnisoffenen Sachverhaltsermittlung (PDF), scheint das Digitalministerium (BMDV) unter Volker Wissing (FDP) auf Linie der Mehrheit der EU-Staaten, die keinen akuten Handlungsbedarf erkennen. So zitierte der Tagesspiegel Background im September 2023 einen BMDV-Sprecher: "Schon bisher gelten beim 5G-Ausbau hohe Standards und strenge Vorschriften bezüglich des Einsatzes kritischer Komponenten." Dieser differenzierte Ansatz habe sich aus Sicht des Bundesministeriums bewährt. Den Netzbetreibern sei gesetzlich vorgeschrieben, kritische Teile in ihrem Netz durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfen zu lassen. Das BSI hat trotz regelmäßiger Prüfungen wiederum keinerlei Beanstandungen von Huawei-Technologie öffentlich kommuniziert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Kaban4ik 21. Feb 2024 / Themenstart

Ich finde es auch gut, dass die Amerikaner dieses Mal nicht ihren Willen durchsetzen konnten.

Pflechtfild 21. Feb 2024 / Themenstart

Wir schmeissen Huawei raus und kaufen nur noch einzig und allein beim anderen grossen...

M.P. 21. Feb 2024 / Themenstart

außer, sie werden gezwungen, oder es gibt enorme finanzielle Anreize ... Die Lösung, die...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz
Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss

Ein deutscher General scheint mit der sicheren Nutzung von Cisco Webex überfordert. Für deutsche Politiker ist die Lösung ein Verbot chinesischer 5G-Technologie. Wie bitte?
Ein IMHO von Achim Sawall

Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz: Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss
Artikel
  1. Ukrainekrieg: Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt
    Ukrainekrieg
    Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt

    Das ukrainische Militär hat einen Weg gefunden, die Reichweite seiner Kamikaze-Drohnen zu verdoppeln.

  2. E-Bikes und E-Scooter: Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien
    E-Bikes und E-Scooter
    Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien

    Elf Menschen sind im vergangenen Jahr in Großbritannien durch brennende Akkus von E-Bikes und E-Scootern gestorben. Nun werden Konsequenzen gefordert.

  3. Frankreich: Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen
    Frankreich
    Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen

    Gibt es in Frankreich wirklich eine weit verbreitete Bettwanzenplage? Der Regierung zufolge hat Russland das Problem "künstlich verstärkt".

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MindStar: PowerColor Hellhound RX 7900 XTX 889€, Corsair 64 GB DDR5-6000 179€ • MediaMarkt: Wochenendknaller und Android Weeks • Amazon: Notebooks im Angebot • DENON AVR-X2800H + Home 150 599€ • PS5 Slim mit Laufwerk 449€ • Corsair MM200 Extended 19,99€ • TCL 50" QLED 369€ [Werbung]
    •  /