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5G: Telekom erreicht bei 6 GHz eine Datenrate von 2 GBit/s

Die 6-GHz-Frequenz mit 3,6 Gigahertz kombiniert ergibt Datenraten über 2 Gigabit. Doch die Wellen reichen nur wenige Hundert Meter weit, erklärte die Telekom .
/ Achim Sawall
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Der Testaufbau der Telekom in Bonn mit einer speziellen Antenne am 22. November 2022 (Bild: Deutsche Telekom / Screenshot: Golem.de)
Der Testaufbau der Telekom in Bonn mit einer speziellen Antenne am 22. November 2022 Bild: Deutsche Telekom / Screenshot: Golem.de

Die Deutsche Telekom hat 5G-Mobilfunk bei 6 Gigahertz in Bonn getestet. Das gab der Netzbetreiber am 22. November 2022 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Für den Test wurde am Sitz der Telekom in Bonn ein Mobilfunkstandort auf dem Dach mit einer 6 GHz-Antenne ausgestattet.

Da es noch keine Smartphones gibt, die diese Frequenzen verarbeiten können, wurde für die Tests wie in solchen Fällen üblich, ein Notebook als Endgerät konfiguriert. Drei Einsatzmöglichkeiten wurden ausprobiert: die Performance der Frequenzen in 100 Meter Entfernung, in mehreren Hundert Metern und zuletzt im Gebäude. Die besten Ergebnisse wurden im nahen Radius um die Antenne gemessen. In allen drei Varianten lieferten die Messungen Datenraten von 1 Gigabit pro Sekunde und mehr. Wenn die Frequenz mit den bisherigen 5G bei 3,6 Gigahertz kombiniert wird, sind bei 5G über 2 Gigabit möglich. Die Wellen reichen aber nur wenige Hundert Meter weit und sind vor allem für den Einsatz in städtischen Umgebungen geeignet.

Bisher setzen Netzbetreiber für die Mobilfunktechnologien 2G-, 4G- und 5G- Spektren von 700 Megahertz bis 3,6 Gigahertz ein. Ein Teil des 6-GHz-Frequenzspektrums wird gegenwärtig für Richtfunk an Mobilfunkmasten und für WLAN genutzt(öffnet im neuen Fenster) . Die Telekom erwartet, dass die Mobilfunkstandorte in den kommenden Jahren fast vollständig mit Glasfaser angebunden sein werden, wodurch die 6-GHz-Frequenzen perspektivisch für die Mobilfunknutzung frei würden. Doch Netzbetreiber wie Telefónica sind mit rund 28.000 Mobilfunkstandorten weitaus schlechter mit Glasfaser angebunden als das Netz der Telekom und das von Vodafone. Im Dezember 2021 war nur rund ein Viertel der Telefónica-Mobilfunkstandorte mit Glasfaser angeschlossen.

Glasfaser ist besser als Richtfunk

Der Backhaul in einem Mobilfunknetz ist die Anbindung der Basisstationen an übergeordnete Netzkomponenten. Richtfunk bezeichnet eine drahtlose Übertragung von Nachrichten mit Radiowellen, die im Gegensatz zum Rundfunk auf einen Zielpunkt gerichtet ist. Mit bis zu 100 GBit/s ist die Glasfaseranbindung deutlich schneller und leistungsfähiger als herkömmliche Richtfunkverbindungen, die bei rund 10 GBit/s perspektivisch an ihre Grenzen stoßen. Bei einer Reichweite von rund 120 Kilometern ist Richtfunk erheblich günstiger als der Ausbau oder die Anmietung von Glasfaser. Für die Anbindung eines Standorts mit dem nächsten Netzknoten können auch mehrere Strecken genutzt werden.

Die Bundesnetzagentur hat mit einer Versuchsfunklizenz die Tests der Telekom unterstützt. Alexander Kühn, Referatsleiter für Spektrummanagement bei der Behörde erklärte: "Die Erkenntnisse dieses Projektes werden dazu beitragen, dass wir die richtige Entscheidung für die anstehende Konferenz 2023 und darüber hinaus für die Versorgung Deutschlands mit Breitband-Diensten sicherstellen können." Die Telekom will einen Block in der Größe von 700 Megahertz im oberen Bereich des 6-GHz-Spektrums (6.425-7.125 MHz). Eingesetzt werden könnten die Frequenzen dann frühestens im Jahr 2025.

Bei 6 GHz ist der untere Bereich WiFi zugewiesen, um den oberen wird gestritten. WiFi-Hersteller wollen den gesamten Bereich für sich haben. WLAN braucht wegen des Listen-before-Talk-Mechanismus vergleichsweise mehr Kapazität als Mobilfunk.

"Der Test der Telekom findet im Frequenzband oberhalb von 6.425 MHz statt. Der Frequenzbereich oberhalb von 6.425 MHz wird neben Richtfunk und Satellitenfunkdiensten in einem Teilbereich auch für Radioastronomie genutzt. Für WLAN-Nutzungen im 6-GHz-Bereich sind Frequenzen im Frequenzband 5.945 MHz bis 6.425 MHz zugeteilt" , sagte Michael Reifenberg, Sprecher der Bundesnetzagentur Golem.de auf Anfrage.


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