5G Stand Alone: Mit FWA bei 26 GHz wären "einige GBit/s möglich"

Mit 5G im vollen Ausbau könnte man auch da, wo die Glasfaser nicht ganz bis zum Haus reicht, sehr hohe Datenraten bieten. Das sagte Christoph Bach, Chief Technology Officer für Service Providers Western Europe bei Ericsson, am 25. September 2024 auf der Veranstaltung VATM 5G Masters: Die Rolle von 5G-Standalone für die Industrie(öffnet im neuen Fenster) in Berlin. "5G Stand Alone (SA) bietet auch die Option, es für den speziellen Use Case Fixed Wireless Access zu implementieren. Das ist ein Thema, das besonders in den USA und Südkorea ausgebaut wird."
In den USA werde 5G SA genutzt, um die letzten 300 Meter bis zum Haushalt anzubinden, "nämlich dort, wo es einfach viel zu lange dauert, eine Glasfaser zu legen. Dort werden die letzten Meter über Mobilfunk realisiert" , erklärte Bach.
Slicing im 26-GHz-Spektrum
Hierfür sei Network Slicing im 5G-SA-Standard sehr wichtig. Bach sagte: "Das lässt sich in Verbindung mit Network Slicing sehr gut realisieren, im 3,5-GHz-Spektrum als auch im 26-GHz-Bereich." In dem Millimeterwellenbereich hat der Netzbetreiber laut Bach "natürlich sehr hohe Bandbreiten zur Verfügung. Aber in Deutschland ist das bisher kein Verkaufsschlager, es wird kaum genutzt. Damit lassen sich dann schon einige GBit/s erreichen, natürlich in limitierten Reichweiten" . Die Deutsche Telekom erprobte im Juni 2024 in der Industrie 26 GHz und bietet dies kommerziell für Industriekunden an, jedoch nicht für private Nutzer.
Doch in Europa sei der Ausbau für 5G SA im weltweiten Vergleich noch nicht sehr weit entwickelt, mahnte Bach an. "Europa liegt beim Ausbau 5G SA hinter den USA, China, Indien und Südostasien. Dort haben sie eine wesentlich höhere 5G-SA-Penetrationen."
Vodafone stellte im März 2022 als erster Betreiber auf den Ausbau des Netzes mit 5G Stand Alone um. O2 Telefónica bietet 5G Stand Alone seit Oktober 2023 als O2 5G Plus an. Den Start von 5G SA hat die Telekom für den Herbst 2024 angekündigt.
Das gegenwärtig genutzte 5G (Non-Standalone) verwendet noch den LTE-Kern. 5G NSA benötigt LTE für das Einbuchen in das Netz und für Session Control. Für die User Plane (Up and Down) wird 5G New Radio eingesetzt. 5G im Stand-Alone-Betrieb bietet mit einem eigenen 5G-Core-Network-Slicing URLLC (Ultra Reliable and Low Latency Communications) mit geringer Latenz und eine erweiterte Sicherheitsarchitektur. Beim 5G-Kernnetzwerk sind Software und Hardware komplett entkoppelt.
Jan Busch, Director B2B Technology Solutions bei Telefónica Germany, sagte: "Mit Slicing erzeugen sie im 5G-SA-Netz ein virtuelles privates Netz. Sie nutzen die Ressourcen aus dem Public Netz und teilen für den einzelnen Geschäftskunden oder für einzelne Bereiche einen dedizierten Bereich ab." Das sei eine Alternative zu den Campus-Netzen. Diese hatten die Netzbetreiber in Deutschland nie gewollt, weil die Bundesnetzagentur hierfür Frequenzen bei Bereich 3,7 bis 3,8 GHz reserviert hatte.