5G-Report: Nicht jedes Land braucht zur Frequenzvergabe Auktionen

Die umstrittene Versteigerung von 5G-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur ist zu Ende. Die Debatte darüber, wie Funkspektrum verteilt werden soll, geht weiter. Wir haben uns die Praxis in anderen Ländern angeschaut.

Ein Bericht von Stefan Krempl veröffentlicht am
Menschen vor einem 5G-Schild im chinesischen Shenzhen
Menschen vor einem 5G-Schild im chinesischen Shenzhen (Bild: Jason Lee/File Photo/Reuters)

Es kommt nicht häufig vor, dass die in der Regel trockenen, technischen und juristischen Themen der Bundesnetzagentur so viel Beachtung finden wie anlässlich der aktuellen Frequenzauktion und 5G allgemein. "Öffentlichkeit und Medien diskutieren den nächsten Mobilfunkstandard zum Teil mit hohen und zum Teil mit zu hohen Erwartungen", sagt der Präsident der Regulierungsbehörde, Jochen Homann. "Industrie 4.0 und digitalisierte Landwirtschaft - aber auch der Wunsch, alle Funklöcher zu schließen" werde mit der Versteigerung verbunden.

Eine Schieflage in der Debatte um schnelles sowie flächendeckendes mobiles Netz liegt in einer Eigenheit von 5G und den jetzt versteigerten Frequenzen begründet. Je höher der Bereich des zu vergebenden Spektrums ist, desto kürzer sind die Funkwellen und damit ihre Reichweite. Die vergleichsweise hohen Frequenzen rund um 3,6 GHz, um die es nun vor allem geht, reichen so nur, um pro Sendemast einen Radius von bis zu einem Kilometer mit vergleichsweise kleinen Funkzellen zu überbrücken. Damit die ganze Republik zu versorgen, "geht schlicht nicht", erläutert Homann. Deutschland wäre sonst mit strahlenden Telespargeln gepflastert.

Generell lässt sich zwischen Flächenfrequenzen unterhalb von 1 GHz, mit denen möglichst große Regionen wie etwa ländliche Gebiete abgedeckt werden, und Kapazitätsfrequenzen unterscheiden. Letztere liegen oberhalb von 1 GHz und helfen, mit großer Leistung eine hohe Nachfrage zu bewältigen, wie sie etwa in Städten besteht. Die Regulierungsbehörde schätzt, dass mit den nun angebotenen Frequenzen rund viermal so viele Basisstationen benötigt werden, um eine Fläche abzudecken wie bei Funkbereichen unterhalb von 1 GHz. Im Klartext: Für das Schließen der weißen Flecken taugen sie - zumindest bei einem verhältnismäßigen Aufwand - nicht.

Würde man von den Netzbetreibern verlangen, 5G nach der über drei Monate laufenden Auktion flächendeckend auszubauen, müsste jedes Unternehmen noch einmal "zweistellige Milliardenbeträge" auf den Tisch legen, rechnet Homann vor. Dies stünde "in keinem Verhältnis zu einem möglichen Ertrag".

Umkämpfte Versorgungsauflagen

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Eine wichtige Größe bei einer Frequenzvergabe sind generell die daran geknüpften Versorgungsauflagen. Diese waren bei der jetzigen Auktion schon zuvor heftig umstritten angesichts der nervenden Funklöcher. Der letztlich von der Netzagentur erarbeitete Kompromiss legt fest, dass die Mobilfunker bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent aller Haushalte je Bundesland, die ICE-Trassen, Autobahnen und wichtige Bundesstraßen mit mindestens 100 MBit/s und höchstens zehn Millisekunden Latenz versorgen müssen.

Bis Ende 2024 sollen die übrigen Bundesstraßen mit gleicher Qualität folgen. Für Landes- und Staatsstraßen, Seehäfen und das "Kernnetz der Wasserstraßen" sowie die restlichen Schienenwege sind bis dahin mindestens 50 MBit/s vorgesehen - ohne Vorgaben für die zulässige Verzögerung von Datenübertragungen.

Mit 5G hat das zunächst nichts zu tun. Denn mit 4G, das mit einem mobilen DSL-Anschluss vergleichbar ist, lässt sich eine Empfangsrate bis zu 100 MBit/s gerade noch erreichen, die geforderte Latenz ebenfalls. 5G soll dagegen mit einer Übertragungsgeschwindigkeit zwischen 1 und 20 GBit/s schnell wie Glasfaser sein, die Verzögerungszeit bei einer Millisekunde oder darunter liegen. Damit soll eine Fülle von Echtzeitanwendungen möglich werden.

Das einzige 5G-Ziel bei den neuen Versorgungsauflagen lautet, dass Netzbetreiber bis Ende 2022 je 1.000 einschlägige Basisstationen aufbauen müssen. Aktuell betreibt allein die Deutsche Telekom rund 27.000 Antennenstandorte. Für potenzielle Neueinsteiger heißt es abweichend, bis Ende 2023 mindestens 25 Prozent der Haushalte und zwei Jahre später 50 Prozent zu versorgen - bei 1.000 5G-Masten bleibt es.

Eine lückenlose 5G- oder LTE-Abdeckung ist damit keineswegs zu erwarten: Selbst mit 98 Prozent angeschlossener Haushalte werden nicht mehr als 75 bis 85 Prozent des Gebiets der Republik abgedeckt, schätzen Experten.

Dauerbaustelle Funkloch

2015 erbrachte die Auktion von insgesamt 270 MHz Spektrum im Bereich zwischen 700 und 1.800 MHz aus der "digitalen Dividende" knapp 5,1 Milliarden Euro für die Staatskasse. 2010 konnte der Finanzminister für insgesamt 360 MHz 4,4 Milliarden Euro erlösen. Den großen Hype hatte es im Jahr 2000 gegeben, als die Mobilfunker angesichts des Starts in die UMTS-Ära (3G) über 50 Milliarden Euro für nicht mehr als insgesamt 145 MHz zahlten.

Dafür musste sich die Branche verschulden und hatte dadurch zu wenig Geld für einen umfassenden Netzausbau zur Verfügung. Damals nicht versorgte Funklöcher bestehen bis heute und führten zu einem der größten Dauerärgernisse der mobil telefonierenden Republik. Nicht nur Achim Berg, Chef des IT-Branchenverbands Bitkom, rügte daher die neuen Ausbauregeln zum Start der Versteigerung als "Auflagenkorsett".

Der Digitalfonds wird gefüllt

Sehr besorgt zeigte sich Mitte April auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, weil die laufende Versteigerung zu diesem Zeitpunkt schon bei 4,6 Milliarden Euro angelangt war. Dies sei zwar "gut für den Finanzminister und die Finanzämter". Das Geld stehe aber auch für "23.000 Mobilfunkantennen, die wir nicht mehr bauen können". Es sei ein Skandal, dass das Geld "den Firmen, den Bürgern und den Betreibern weggenommen wird". In anderen Ländern werde das Spektrum einfach den Akteuren zugewiesen.

Ganz bei den Fakten blieb der Chef des Bonner Konzerns in seiner Wutrede nicht. Die Einnahmen aus der Versteigerung sollen nach den Plänen des Gesetzgebers in einen Digitalfonds fließen und für den Breitbandausbau sowie die digitale Ausstattung von Schulen ausgegeben werden. Zumindest von der einen in die andere Tasche der beteiligten Unternehmen könnte das Geld folglich so gelangen.

Bereits im Vorfeld hatte die Gewerkschaft Verdi gefordert, die Frequenzblöcke gratis zu vergeben. So könne die Wirtschaft am besten mehr Geld für Investitionen in den Netzausbau freischaufeln.

Wie sieht die Situation in anderen Ländern weltweit aus, die eine führende Rolle bei 5G anstreben und die nächste Mobilfunkgeneration als wichtige strategische Ressource betrachten?

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Ausreißer Italien und Vergaben in der EU 
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SJ 27. Jun 2019

Auch in der Schweiz wird versteigert: https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation...

senf.dazu 19. Jun 2019

.. wär ob es eine Korrelation zwischen dem Grad des Aubaus des Glasfasernetzes...

Computer_Science 17. Jun 2019

Provider / Mobilfunkanbieter brauen in anderen Ländern die Netze wenigstens vernünftig...

Kleba 16. Jun 2019

Also wenn ich bei Speedtest.net die Standard-Einstellungen bestehen lassen, komme ich auf...



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