5G: Neue US-Sanktionen sollen Huawei in Europa erledigen

Die USA verbieten ausländischen Chipherstellern, für Huawei zu arbeiten und prompt fordern die US-Lobbyisten wieder einen Ausschluss in Europa.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Huawei-Hauptsitz in Shenzhen
Huawei-Hauptsitz in Shenzhen (Bild: HECTOR RETAMAL/AFP via Getty Images)

Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) wird voraussichtlich zu dem Schluss kommen, dass die neuen US-Sanktionen gegen Huawei es unmöglich machen, die Technologie des chinesischen Telekommunikationsausrüsters wie geplant in 5G-Netzen einzusetzen. Wie der britische Guardian unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, soll die am Sonntag angekündigte Notfallüberprüfung Premierminister Boris Johnson die Möglichkeit eröffnen, die vollständige Beseitigung von Huawei-Ausrüstung in britischen Telekommunikationsnetzen bis zum 2023 durchzusetzen.

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Ein britischer Regierungssprecher sagte: "Nach der Ankündigung zusätzlicher Sanktionen gegen Huawei durch die USA prüft die NCSC sorgfältig, welche Auswirkungen diese auf die britischen Netzwerke haben könnten." Huawei produziert seine Prozessoren und SoCs nicht selbst, sondern bei Auftragsherstellern. Laut neuen US-Sanktionen dürfen TSMC und andere nicht mehr für Huawei arbeiten, wenn sie Software oder Maschinen aus den USA einsetzen. Nach dem Austritt aus der Europäischen Union sucht Großbritannien das Bündnis mit den USA.

Röttgen wechselt bei 5G und Huawei die Argumentation

Eine Hintertür in Huawei-Produkten oder eine Zusammenarbeit mit chinesischen Geheimdiensten im Ausland konnten die USA nur behaupten, aber nie beweisen. Ungeachtet dessen hatte Norbert Röttgen, US-Lobbyist und Kandidat für den CDU-Parteivorsitz, dies dennoch im Gleichklang mit der Trump-Regierung eifrig vertreten.

Nun fordert er deutsche Telekommunikationsbetreiber zum Verzicht auf Technologie von Huawei aus anderen Gründen auf: "Durch die neuen USA-Sanktionen ist das wirtschaftliche Risiko, mit Huawei zusammenzuarbeiten, enorm gestiegen. Denn ohne amerikanische Chips dürfte es dem Unternehmen schwerfallen, die 5G-Infrastruktur wie geplant auszubauen", sagte Röttgen dem Handelsblatt.

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Eines der zentralen Argumente der Befürworter sei bisher gewesen, dass Huawei schneller und günstiger ausbaue. Sollte es jetzt zu Lieferengpässen kommen, "wäre auch dieses Argument vom Tisch". Dies sei ein Grund mehr, so sagte Röttgen, auf europäische Netzausrüster wie Ericsson und Nokia zu setzen. Röttgen ist zugleich Vorstandsmitglied der Lobbyorganisation Atlantik-Brücke, die die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA fördert.

Dies ist genau die gleiche Argumentation, wie die der britischen Regierung: Die USA erlassen die neuen Sanktionen, die britische Regierung nimmt das auf und will den Review überprüfen, der über ein Jahr gedauert hat, und im Januar 2020 mit der Zulassung von Huawei zum Abschluss kam.

Man hat fast den Eindruck, diese neuen Sanktionen wurden erlassen, um die europäische Diskussion neu anzuheizen, so wie transatlantische Thinktanks wie das Global Public Policy Institute (GPPi) in Berlin sofort reagieren und wegen der Sanktionen eine Hinwendung zu Ericsson und Nokia fordern.

Huawei war auf diese neue Zuspitzung vorbereitet, mal sehen, ob sie auch dafür einen Plan entwickeln können. Ein Ausweichen auf chinesische Chipauftragshersteller wie SMIC ist nur begrenzt möglich, weil TSMC in Taiwan und Samsung in Südkorea weiter entwickelt sind. SMIC betreibt drei Werke mit 300-mm-Wafer-Belichtungsmaschinen, eines in Peking und eines in Singapur, zudem die 10 Milliarden US-Dollar SMIC South Finfet Fab für 14 nm und künftig auch 12 nm.

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RussianVPNGamer 02. Jun 2020

Dann kauft Firma Hans Mustermaier eben Chips und Lizenzen und verkauft sie mit ein paar...

RussianVPNGamer 02. Jun 2020

TSMC ist als wichtigster Chipproduzent der Welt sprichwörtlich unantastbar, die halbe...

berritorre 01. Jun 2020

Dass China ein grosser Gläubiger in China ist, überrascht nicht. ;-) Ich vermute, da...

DooMMasteR 31. Mai 2020

Huawei ist nicht billig, ganz im Gegenteil. Aber sie haben konkurrenzlose Produkte.



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