5G: Huawei würde Standorte schliessen statt Kunden ausspionieren
Huawei hat sich zu dem 2017 verabschiedeten chinesischen National Intelligence Law geäußert, wonach chinesische Organisationen und Bürger die nationale Geheimdienstarbeit unterstützen und daran mitarbeiten müssen. David Wang, Deputy Chef von Huawei Deutschland, sagte im Gespräch mit Golem.de: "Wir würden niemals etwas tun, was die Interessen unserer Kunden verletzten würde. Wenn uns ein Gesetz dazu zwänge, würden wir lieber unseren Standort schließen und woanders hingehen." Huawei hat seinen Hauptsitz in Shenzhen, in der Nähe von Hongkong, dort arbeiten rund 40.000 Menschen für den Konzern, global sind es 180.000 Beschäftigte.
Man nehme dieses Gesetz sehr ernst, betonte Wang. Nach der Veröffentlichung habe Huawei eine chinesische Anwaltskanzlei beauftragt, zu prüfen, "was dies für uns bedeutet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass keine chinesische Regierungsbehörde das Recht hat, Bürger oder die Organisation zur Spionage zu zwingen. Um zu erfahren, ob das in der internationalen Rechtsgemeinschaft genauso gesehen wird, haben wir eine weitere Anwaltskanzlei aus London engagiert, und sie kamen zu dem gleichen Ergebnis." Beide Rechtsgutachten liegen Golem.de vor.
Security Labor von Huawei in Bonn
Huawei hatte im November im Beisein des BSI-Präsidenten Arne Schönbohm (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) in Bonn sein Security Lab eröffnet, in dem deutsche Kunden unter anderem den Quellcode von Huawei-Produkten prüfen können. Ähnliche Einrichtungen, erklärte Schönbohm, wünsche er sich auch von anderen Herstellern. Später sagte er dem Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster), man "ermutigt alle Ausrüster, Laboratorien zur Verifizierung von Technologien in Bonn zu eröffnen."Sie sollten so beschaffen sein wie das Lab von Huawei.
Huawei will hier noch weiter gehen, wie Wang sagte: "Wir wollen mit der gesamten Branche zusammenarbeiten, um neue Sicherheitskriterien zu entwickeln und zu optimieren, die für die gesamte Branche gelten. Wir glauben, dass dies der beste Weg ist, um voranzukommen." Die Entscheidungen der Netzbetreiber könnten nicht "auf Bauchgefühlen, sondern müssen auf wissenschaftlichen und rationalen Methoden beruhen." Wang erklärte: "Wir arbeiten mit dem BSI an einem Zertifizierungssystem."
USA bei 5G-Sec sehr zurückhaltend
Stefan Schröder von der Deutschen Telekom, der für das Unternehmen in der Security Arbeitsgruppe des Normierungsgremiums 3GPP sitzt, hatte Golem.de im April 2018 Details zur höheren Sicherheit bei 5G erklärt. Wang sagte Golem.de am 21. Dezember: "Als der 5G-Standard entwickelt wurde, wurde gleichzeitig ein Sicherheitsstandard dafür geschaffen, dem große Bedeutung beigemessen wurde. Sie haben mehrere Gruppen bei der GSM Association und der 3GPP, die an diesem Sicherheitsstandard für 5G arbeiten. Dies ist zu GSM-Zeiten nicht geschehen."
Laut dem Cybersecurity-Experten Anthony Rutkowski(öffnet im neuen Fenster), Principal bei Netmagic Associates, ist die 3GPP-Untergruppe SA3 hier entscheidend für die 5G-Sicherheit. Den größten Beitrag hat nach Rutkowskis Analyse Huawei geleistet. Von den 2.676 geleisteten Arbeitstagen in der SA3 erbrachte die drei US-Regierungsstellen DHS (Department of Homeland Security), NIST (National Institute of Standards and Technology) und FCC (Federal Communications Commission) zusammen nur 60.
"Wir sehen Kundendaten nicht"
Nach den Worten von Wang "sorgen sich die Menschen um die Digitalisierung und die Sicherheit, das verstehen und teilen wir. Wir haben aber nicht erwartet, dass jemand das Thema in die falsche Richtung treibt. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Huawei am 5G-Ausbau in Deutschland teilnimmt."
Ob Huawei Teil des 5G-Ausbaus sei, sei für die Sicherheit "minimal relevant oder sogar irrelevant. Die eigentliche Sicherheitsfrage ist, dass unsere Branche klare Kriterien für alle Anbieter und alle Technologien braucht, unabhängig davon, woher sie oder ihre Komponenten stammen. Daher benötigen wir Kriterien zur Überprüfung der Sicherheit jeder Komponente des Netzwerks, unabhängig davon, ob sie von Huawei, Ericsson, Nokia oder Cisco kommen." Es sei falsch, die Debatte nur auf das Herkunftsland eines möglichen Anbieters zu fokussieren.
Huawei besitze selbst keine kritischen Infrastrukturen oder betreibe und kontrolliere dort keine sensiblen Informationen. Man sei nur ein Hersteller dieser Infrastruktur. "Wir bauen Netzwerke nach Verträgen mit unseren Kunden auf, die die Netzbetreiber sind. Nachdem ein Netzwerk aufgebaut ist, übertragen wir es an unseren Kunden, zum Beispiel die Deutsche Telekom oder Vodafone, die es besitzen, betreiben und überwachen", sagte Wang.
Huawei sehe nicht, welche Daten über diese Netzwerke übertragen würden. "Die falsche Wahrnehmung, in der öffentlichen Debatte besteht darin zu glauben, dass ein chinesisches Unternehmen alle sensiblen Informationen kontrolliert und dass dies von der chinesischen Regierung dazu verwendet werden könnte, Informationen zu stehlen, was einfach nicht richtig ist", beteuerte Wang.
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