5G-Ausbau: Samsung und NEC sollen Huawei in Großbritannien ersetzen

Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei soll nun doch vom Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes in Großbritannien ausgeschlossen werden. Das berichten verschiedene britische Medien. Der britische Minister für Kultur und Medien, Oliver Dowden, sagte am Montag der BBC(öffnet im neuen Fenster) , die Sanktionen der USA gegen Huawei hätten weitreichende Folgen. "Das wird sich auch wahrscheinlich auf die Zukunftsfähigkeit von Huawei als Anbieter für das 5G-Netz auswirken" , sagte Dowden. Dieser Kurswechsel hatte sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet .
In Großbritannien soll nun nach Angaben von Minister Dowden verstärkt 5G-Technik von Samsung aus Südkorea und von NEC aus Japan zum Einsatz kommen. Dowden sagte, damit wolle man auch die Abhängigkeit von den beiden 5G-Technikanbietern aus der Europäischen Union, Ericsson und Nokia, reduzieren. Er konstatierte ein "Marktversagen" in der aktuellen Situation.
Samsung und NEC spielen bislang auf dem weltweiten Markt der 5G-Ausrüster nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings hatte NEC Ende März 2020 angekündigt(öffnet im neuen Fenster) , für den Mobilfunkdienst des japanischen Internethändlers Rakuten die 5G-Sendeeinheiten entwickelt zu haben. Samsung Networks wiederum hatte Anfang März mitgeteilt(öffnet im neuen Fenster) , für den neuseeländischen Anbieter Spark das 5G-Netz aufzubauen.
Großbritannien braucht Abkommen mit USA
Verteidigungsminister Ben Wallace sagte in der BBC, dass die Sanktionen - die im September in Kraft treten sollen - speziell dazu gedacht seien, Großbritannien zum Umdenken zu zwingen. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hatte noch im Januar beschlossen , dass sich Huawei unter Einschränkungen am Ausbau der 5G-Mobilfunknetze in Großbritannien beteiligen darf. Anbieter, die als risikobehaftet gelten, sollen lediglich von Kernbereichen des Netzes ausgeschlossen werden. Damit wäre der Weg für die Verwendung von Huawei-Technik zumindest in Teilen der Infrastruktur frei gewesen.
Großbritannien hofft jedoch auf ein eigenes Handelsabkommen mit den USA nach dem Austritt aus der Europäischen Union. Ein Streit um Huawei hätte die Verhandlungen erheblich belasten können.
NCSC sieht unkontrollierbares Sicherheitsrisiko
Nach der Ankündigung der Sanktionen hatte Premierminister Johnson eine Notfallüberprüfung durch das Amt für Cybersicherheit NCSC angeordnet. Der Hintergrund: Huawei produziert seine Prozessoren und SoCs nicht selbst, sondern bei Auftragsherstellern. Laut neuen US-Sanktionen dürfen TSMC und andere nicht mehr für Huawei arbeiten, wenn sie Software oder Maschinen aus den USA einsetzen.
Die Sunday Times und der Telegraph berichteten(öffnet im neuen Fenster) nun, das NCSC sei angesichts der jüngsten Maßnahmen der US-Regierung zu dem Schluss gekommen, dass das Sicherheitsrisiko durch Produkte des chinesischen Unternehmens nicht mehr kontrollierbar sei.
Deutlich höhere Kosten zu erwarten
Ein Sprecher von Huawei sagte dem Telegraph, sein Unternehmen sei der am genauesten untersuchte Anbieter der Welt. "Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere unübertroffene Transparenz in Großbritannien bedeutet, dass man uns weiterhin vertrauen kann, dass wir bei der Gigabit-Aufrüstung Großbritanniens eine Rolle spielen. Es ist wichtig, sich auf Fakten zu konzentrieren und jetzt nicht zu spekulieren" , sagte der Sprecher.
Der Kurswechsel der britischen Regierung kommt die Mobilfunk-Provider des Landes teuer zu stehen. Da die vierte Mobilfunkgeneration 4G (LTE) und 5G technisch aufeinander aufbauen, kann vorhandene LTE-Technik von Huawei vergleichsweise einfach auf 5G aufgerüstet werden. Will man im 5G-Netz Huawei jedoch als Anbieter ausschließen, müssen auch 4G-Anlagen von Huawei im Rahmen der 5G-Aufrüstung entfernt werden, obwohl die eigentlich noch voll funktionsfähig sind. Daher wehren sich auch die Provider in Deutschland dagegen, Huawei aus dem Kreis der Wettbewerber zu verbannen.



