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5D-Speicherkristall: Glasplatte soll 360 TByte für Milliarden Jahre speichern

Das Start-up Sphotonix will langlebige Speichermedien aus Glas kommerzialisieren. Nach über zehn Jahren Entwicklung ist dafür jetzt Geld da.
/ Johannes Hiltscher
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In Kooperation mit Good old Games hat Sphotonix Heroes of Might and Magic III auf einer Glasscheibe gespeichert. (Bild: Sphotonix)
In Kooperation mit Good old Games hat Sphotonix Heroes of Might and Magic III auf einer Glasscheibe gespeichert. Bild: Sphotonix

Immer mehr digitale Daten müssen archiviert werden – und das teils für Jahrzehnte. Das Problem dabei: Nur wenige Datenträger bleiben zuverlässig über solche Zeiträume stabil. Anders sieht das bei Glas aus, das Start-up Sphotonix(öffnet im neuen Fenster) hat auf dessen Basis ein Speichersystem entwickelt, dessen Medien länger halten sollen, als das Universum alt ist. An der Technik arbeitet Gründer Peter Kazansky seit über einem Jahrzehnt – jetzt hat das Unternehmen mit 4,5 Millionen US-Dollar Geld für die Umsetzung, wie The Register berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Damit will das Start-up innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre zunächst ein Lesegerät bauen. Zwar bietet Sphotonix bereits Datenarchivierung an, bislang funktioniert das aber nur im Labor des Unternehmens. Künftig sollen Rechenzentren die Hardware kaufen können – für ein Lesegerät strebt das Start-up Kosten von 6.000 US-Dollar an, das komplexere Schreibgerät soll rund 30.000 US-Dollar kosten.

Bislang ist die Hardware zum Beschreiben und Auslesen der Glasscheiben allerdings noch unhandlich und langsam. Zumindest das erste Problem soll der Prototyp, der entwickelt wird, angehen. Die Lese- und Schreibgeschwindigkeit soll von aktuell 30 und 4 MByte/s perspektivisch auf jeweils 500 MByte/s steigen.

Fünf Dimensionen zur Codierung

Gespeichert werden Daten auf einer fünf Zoll großen Glasplatte. Die wird durch einen Femtosekundenlasser mit volumetrischen Pixeln (Voxel) beschrieben. Dank eines selbst entwickelten 5D-Verfahrens soll jede Glasplatte 360 TByte fassen – deutlich mehr als etwa die 7 TByte, die Microsoft für sein Project Silica angibt(öffnet im neuen Fenster) .

Als fünfdimensional bezeichnet das Start-up seine Technologie, da sie mit entsprechend vielen Freiheitsgraden arbeitet: Neben den drei Raumdimensionen lassen sich mit dem selbst entwickelten Lasersystem Polarisation und Einfallsrichtung des zum Auslesen genutzten Lichts zur Codierung von Daten nutzen.

Gedacht sind die Medien für sogenannte Cold Storage – archivierte Daten, die nur gelesen, aber nicht mehr verändert werden. Da Glas, so lange es sorgfältig behandelt wird, stabil und unanfällig etwa für elektromagnetische Strahlung ist, entfällt das bei anderen Medien erforderliche regelmäßige Sichern auf neue Träger.

Oft vorgeschlagen, nie kommerziell verwirklicht

Ob Sphotonix die Technologie erfolgreich vermarkten kann, bleibt allerdings abzuwarten. Optische Speicher mit theoretisch sehr niedrigen Kosten und hoher Langzeitstabilität werden regelmäßig vorgeschlagen – ältere Leser erinnern sich vielleicht noch an den Tesa-Speicher(öffnet im neuen Fenster) , der Ende der 1990er-Jahre für Aufsehen sorgte. Abgesehen von speziellen Archivmedien für DVD- und Bluray-Laufwerke hat sich aber keines bislang durchgesetzt.

Auch von Microsofts Project Silica gab es zuletzt wenig Lebenszeichen – ein ehemaliger Microsoft-Forscher wird zudem bald zu Sphotonix wechseln, wie The Register berichtet. Das ist zumindest ein Hinweis, dass selbst ein Hyperscaler von Glasspeichern nicht vollends überzeugt ist. Sphotonix versucht, mit diversen Aktionen das Potenzial zu zeigen: Mit Good old Games (GOG) archivierte(öffnet im neuen Fenster) man Heroes of Might and Magic III , eine andere Glasscheibe schoss man ins All(öffnet im neuen Fenster) .

Aber Datenspeicher sind nur ein Standbein von Sphotonix: Mit der entwickelten Lasertechnologie fertigt das Unternehmen auch spezielle Prismen und Linsen für optische Systeme.


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