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50 Jahre Rocky Horror Picture Show: Let's do the Time Warp again!

Der vielleicht größte Kultfilm aller Zeiten wird 50 Jahre alt – und wird immer noch vom Publikum zelebriert.
/ Peter Osteried
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Performance zur Filmaufführung auf dem Classic Film Festival in Hollywood im April 2025 (Bild: Jesse Grant/Getty Images for TCM)
Performance zur Filmaufführung auf dem Classic Film Festival in Hollywood im April 2025 Bild: Jesse Grant/Getty Images for TCM

Das Label Kultfilm wird gerne inflationär gebraucht, doch wenn es auf einen Film wirklich zutrifft, dann auf die Rocky Horror Picture Show. Das Musical ist auch im 50. Jahr seiner Existenz einer der großartigsten und kühnsten Filme überhaupt. In einem Kino in München läuft der Film seit dem Jahr 1977 jedes Wochenende(öffnet im neuen Fenster) und zieht immer noch Zuschauer an – als Mitmachkino, für das es sogar richtige Mitmach-Packages gibt.

Bis heute ist das Publikum mit vollem Körpereinsatz dabei, wirft Reis, wenn der Film startet, spritzt in der Gewitterszene mit Wasserpistolen, singt Lieder mit, ruft Textzeilen hinein oder springt aufs Stichwort nach links. Wie wurde dieser Film so ein Erfolg?

Ein Musical wie die Sci-Fi-Filme der 1950er

Der Schauspieler und Autor Richard O'Brien begann 1973 mit der Arbeit an seinem Bühnenmusical über Rocky Horror, das auf die Sci-Fi-Filme der 1950er Jahre anspielen sollte. Die Story ist schnell erzählt: Brad und Janet, ein frischvermähltes Paar, haben im Unwetter eine Autopanne und suchen Hilfe in einem Schloss, in dem Dr. Frank-N-Furter an einem Experiment arbeitet. Er will dem Kunstmenschen Rocky Horror Leben einhauchen. Brad und Janet erleben eine Horrorshow und treffen dabei auf eine Gruppe skurriler Gestalten.

Regisseur Jim Sharman, der das Stück für das Royal Court Theatre inszenieren sollte, mochte den Titel – damals noch: They Came From Denton High – gar nicht. Er empfahl, nachdem aus dem Kunstmenschen Rocky Horroar erst Rocky Horrific und dann Rocky Horror geworden war, den Titel Rocky Horror Show.

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Weder Sharman noch O'Brien, der Frank-N-Furters Diener Riff Raff spielte, waren sich sicher, ob die Show beim Publikum ankommen würde, aber genau das tat sie. The Rocky Horror Show wurde in London als bestes neues Musical prämiert, die Zuschauer kamen in Massen und Inszenierungen außerhalb Londons nahmen schnell Fahrt auf.

Der Cast der Rocky Horror Picture Show

Der Erfolg des Stücks brachte Produzent Lou Adler auf den Plan. Er hatte die Bühnenrechte für die USA gesichert und sah nun auch die Chance, aus dem Stoff einen erfolgreichen Kinofilm zu machen.

Er lud 20th-Century-Fox-Präsident Gordon Stulberg zu einer Vorführung ein, zu der dieser auch seine Teenager-Töchter mitbrachte. Zwar verstand Stulberg die Show nicht so ganz, er sah aber, wie seine Kinder und das Publikum abgingen. Er erklärte sich also bereit, den Film zu finanzieren und zu vertreiben.

Für die Regie kam nur Jim Sharman in Frage. Brian Thomson als Set Designer und Sue Blane als Kostümdesignerin, die beides schon bei der Originalinszenierung verantwortet hatten, waren auch zügig an Bord. Der Titel musste sich aber ändern: Rocky Horror Picture Show sagte aus, dass es sich jetzt eben um einen Film handelte.

Brad und Janet werden Amerikaner

Sharman war wichtig, mehrheitlich mit den Schauspielern zu arbeiten, mit denen er schon das Bühnenstück gemacht hatte. Dafür war er auch bereit, ein niedrigeres Budget in Kauf zu nehmen. Es wurden 1 Million Dollar veranschlagt, letztlich kostete der Film dann 1,25 Millionen Dollar.(öffnet im neuen Fenster) Dafür konnte Sharman Tim Curry als Frank-N-Furter behalten, während das Studio gerne Mick Jagger gehabt hätte.

Auch Richard O'Brien, Patricia Quinn als Dienstmädchen Magenta und Little Nell als Groupie Columbia spielten ihre Rollen im Film. Neu besetzt werden mussten jedoch Brad und Janet. Fox bestand auf US-amerikanische Schauspieler – Barry Bostwick und Susan Sarandon -, was O'Brien sinnvoll fand. Alle anderen Schauspieler waren britisch, so dass die beiden Amerikaner das gewünschte Gefühl der Entfremdung ausstrahlen würden. Weniger glücklich waren Christopher Malcolm und Belinda Sinclair, die die Rollen im Bühnenstück gespielt hatten.

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Meat Loaf tritt auf

Für den Part der Nebenfigur Eddie, die nur einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt hat, wurde Meat Loaf gecastet, der die Rolle schon in der Los-Angeles-Bühneninszenierung gespielt hatte. Später störte ihn, dass er diesmal nur Eddie spielte; im Stück hatte er auch die Rolle von Dr. Scott, dem Intimfeind von Frank-N-Furter, übernommen. In jeder Bühneninszenierung werden Eddie und Dr. Scott vom selben Schauspieler dargestellt, für den Film entschied man sich, die Rollen separat zu besetzen.

Für den Kriminologen, den Erzähler der Geschichte, holte man Charles Gray, der zuvor Blofeld im James-Bond-Film Diamantenfieber (1971) gespielt hatte. Seine Szenen, die vom Rest des Films unabhängig sind, wurden in der letzten Woche der Dreharbeiten gefilmt.

Rocky schweigt

Anders als im Bühnenstück hat Rocky Horror im Film keinen Dialog. Die Rolle ging an Peter Hinwood, der mit seiner Physis überzeugte. Nur in den Songs hört man Rocky – aber nicht Hinwood(öffnet im neuen Fenster). Stattdessen lieh ihm der australische Sänger Trevor White seine Stimme.

Richard O'Brien hatte zwar das Stück geschrieben, das Drehbuch zum Film verantwortete er aber nicht allein. Er schrieb es zusammen mit Jim Sharman, der als Regisseur das letzte Wort hatte. Sharman brachte auch die Transsylvanier, die Gäste im Haus von Frank-N-Furter, ein, die O'Brien gar nicht mochte, sondern als Fremdkörper betrachtete.

Die vierte Wand wird durchbrochen

Die Dreharbeiten begannen am 21. Oktober 1974. Für die Exterieurs des Schlosses und einige Innenaufnahmen wurde Oakley Court(öffnet im neuen Fenster) genutzt. Weitere Innenaufnahmen wurden in den Bray Studios dreht. Hier wurde auch das Laboratorium erbaut, in dem Frank-N-Furter Rocky zum Leben erweckt. Der Film kann mit seiner Frankenstein-Geschichte auch etwas zeigen, das die Verfilmungen von Mary Shelleys Werk nie in dieser Form konnten: dass der Schöpfer seine Kreatur liebt und die Kreatur den Schöpfer liebt.

Jim Sharman wollte einen Film drehen, der dem Bühnenstück gerecht wurde. Das forderte die Schauspieler heraus, die von der Bühne gewohnt waren, etwa die Mimik stark zu überzeichnen, und sich nun zurücknehmen mussten. Gleichzeitig sollte auch dem Kinopublikum das Gefühl gegeben werden, Teil einer Liveshow zu sein. Dafür ließ Sharman Frank-N-Furter und den Kriminologen in einigen Szenen die vierte Wand durchbrechen und den das Publikum direkt ansehen oder sogar ansprechen.

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Für die Schlussszene, in der Frank-N-Furter von einem Turm stürzt, wurde ein Stuntman eingesetzt(öffnet im neuen Fenster). Diesem war das Kostüm von Frank-N-Furter mit Korsett, Slip und Strapsen in Schwarz und Glitzer peinlich, was er laut O'Brien mit extremem Machogehabe überkompensierte. Eine Änderung der Szene gegenüber dem Bühnenstück musste vorgenommen werden: Columbia konnte sich nicht vor den Laserstrahl werfen, mit dem Frank-N-Furter getötet werden soll – denn sie bediente den Scheinwerfer, der auf Frank-N-Furter gerichtet ist. Sharman fand einen anderen Weg, Columbia sterben zu lassen.

Die berühmten Lippen

Die Dreharbeiten mussten vor Weihnachten abgeschlossen werden, denn Fox wollte nicht über die Weihnachtsfeiertage hinaus Bray Studios anmieten. Sharman musste mit hoher Dynamik und echter Rasanz drehen.

Am Anfang des Films sollte es ursprünglich Ausschnitte aus all den Filmen geben, die im Song Science Fiction Double Feature(öffnet im neuen Fenster) genannt werden, Set Designer Brian Thomson fand das aber zu platt. Er hatte eine andere Idee, die von einem Gemälde des amerikanischen Surrealisten Man Ray inspiriert ist, das körperlose Lippen zeigt(öffnet im neuen Fenster).

Im Film sind die singenden Lippen von Patricia Quinn vor schwarzem Hintergrund zu sehen, zu hören ist der Gesang von Richard O'Brien. Thomson wollte damit ein Gefühl androgyner Ambivalenz erschaffen.

Ein Kultfilm wird geboren

Nach der Premiere am 14. August in London startete der Film in den USA am 26. September 1975 – und ging unter. Er war ein Flop, anders als das Bühnenstück. Alle Beteiligten hakten das Projekt ab. Eine schöne Erfahrung, aber eben kein Erfolg.

Bis Richard O'Brien knapp zwei Jahre nach dem Kinostart zu Ohren kam, dass der Film ein Eigenleben entwickelte. Er wurde von vielen Kinos im Mitternachtsprogramm gezeigt und zog begeisterte Zuschauer an. Das Publikum begann, sich zu kleiden wie die Figuren im Film, sprach mit, was auf der Leinwand passierte, und erfand sogar ganz neue Dialoge für die Momente, an denen im Film Dialog-Leerlauf herrschte.

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In den USA spielte die Rocky Horror Picture Show bis heute mehr als 100 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) ein. Erst der Erfolg in den USA katapultierte ihn auch in den Rest der Welt. In Deutschland startete der Film daher auch erst am 24. Juni 1977.

Eine Show ohne Rocky

Des Erfolgs wegen gab es Überlegungen zu einem Sequel. Richard O'Brien arbeitete auch daran. Sein Arbeitstitel: Rocky Horror Shows His Heels(öffnet im neuen Fenster). Rocky hat hier überlebt und bringt den Leichnam seines Schöpfers zu Dr. Scott, der ihn wiederbeleben soll.

Außerdem sollte Janet ein Baby bekommen – nicht von Brad, nicht von Rocky, sondern von Frank. Als sie ins Krankenhaus kommt, tauchen Riff Raff und Magenta auf und entführen das Baby direkt nach der Geburt. O'Brien hatte schon einige Songs für das Sequel entwickelt. Sharman hatte aber an einer direkten Fortsetzung des Films kein Interesse.

Fünf Drehbücher, jedes weiter weg vom Original

Insgesamt wurden fünf Drehbücher angefertigt. Mit jedem entfernte sich das Projekt weiter vom Original, verlor Frank und Rocky und hatte schließlich nur noch Brad und Janet. Der Film wurde zu Shock Treatment(öffnet im neuen Fenster) (1981), in dem Cliff DeYoung als Brad und Jessica Harper als Janet zu sehen sind.

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Susan Sarandon hätte die Rolle auch wieder gespielt, wollte aber 500.000 Dollar Gage, was für das Studio zu viel war. Richard O'Brien, Charles Gray und Patricia Quinn waren in neuen Rollen zu sehen. Die Handlung: In einem Nest irgendwo in der amerikanischen Provinz ist das Leben eine einzige TV-Show. Jeder steckt mittendrin – ob im Publikum oder als Star. Als die Angetrauten Brad und Janet in einer Eheberatungssendung auftreten, gerät plötzlich alles aus den Fugen.

Der Film reichte nicht an Rocky Horror Picture Show heran, weder die Geschichte noch die Performances und die Songs, und schon gar nicht der Erfolg. Er ist heute mehrheitlich vergessen – während die Fans des Originals noch immer den Time-Warp machen.


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