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50.000 Stellen fallen weg: VW-Aufsichtsrat stimmt Blumes Zukunftsplan zu

Der VW-Aufsichtsrat hat überraschend dem Sanierungsplan von Konzernchef Oliver Blume zugestimmt. Das könnte das Aus für vier deutsche Werke bedeuten.
/ Friedhelm Greis
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Der VW-Konzern soll stark umgebaut werden und Zigtausende Mitarbeiter verlieren. (Bild: Fabian Bimmer/Reuters)
Der VW-Konzern soll stark umgebaut werden und Zigtausende Mitarbeiter verlieren. Bild: Fabian Bimmer/Reuters

VW-Chef Oliver Blume hat eine wichtige Hürde für die Umsetzung seiner Sanierungspläne genommen. Der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns habe dem sogenannten Zukunftsplan(öffnet im neuen Fenster) einstimmig zugestimmt, teilte das Unternehmen am 3. September 2026 mit(öffnet im neuen Fenster). Das bedeutet, dass auch die Arbeitnehmervertreter in dem Gremium den Abbau von 50.000 Stellen einschließlich Managementpositionen bis zum Jahr 2030 weltweit akzeptiert haben. Ursprünglich sollte die Sitzung erst am 4. September 2026 stattfinden.

Der Aufsichtsrat nahm demnach mit seinem Beschluss zur Kenntnis, "dass eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa im Volkswagen Konzern besteht und für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden kann". Für diese Werke würden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft.

Betriebsrat hält Pläne für notwendig

In den vergangenen Tagen vermied Blume bereits auf Betriebsversammlungen, eine Bestandsgarantie für die Werke abzugeben. Noch seien keine Schließungen beschlossen worden, sagte er. Diese blieben "immer die letzte und teuerste Lösung".

Nach Einschätzung der Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo könnten durch die Werksschließungen bis zu 115.000 Arbeitsplätze gefährdet sein. Nach der Abstimmung sagte sie: "Der Zukunftsplan ist eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen." Mit der Entscheidung bestehe die Grundlage, "dass die Beschäftigten an allen Standorten eine Perspektive erhalten."

Das Werk im sächsischen Zwickau wurde als erstes VW-Werk vollständig auf die Produktion von E-Autos umgestellt. Auch in Emden laufen seit 2024 ausschließlich Elektroautos vom Band: die VW-Modelle ID.4, ID.7 und ID.7 Tourer. In Hannover wird unter anderem der ID.Buzz produziert.

Modellpalette wird stark gestrafft

Der Aufsichtsrat bestätigte damit auch Blumes Pläne, wonach bis zum Jahr 2035 die Zahl der Modelle um bis zu 50 Prozent und die Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent reduziert werden werden sollen. "Plattformen, Elektronik-Architekturen, Fahrerassistenzsysteme und Software richtet die Volkswagen Group konsequent auf die westliche und östliche Hemisphäre aus", heißt es in der Mitteilung.

In Nordamerika will sich Volkswagen künftig "auf die profitabelsten Segmente" konzentrieren. Einem Bericht der Wirtschaftswoche(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge heißt es in einem VW-Dossier, dass eine "Refokussierung des Produktportfolios auf größere und ertragreichere Fahrzeuge (insbesondere SUVs)" geplant sei.

Das China-Geschäft will VW "an die veränderte Erwartung an das Gesamtwachstum des chinesischen Automobilmarkts" anpassen und das Exportgeschäft in Richtung "globaler Süden" ausbauen.

Jede dritte Beteiligung wird abgestoßen

Zudem plant der Konzern, sich von einem Drittel seiner Beteiligungen zu trennen. Im dem 146-seitigen Dossier ist laut Wirtschaftswoche von 700 Konzerngesellschaften die Rede, die abgestoßen werden könnten. Dazu zählten Ducati, Traton, Gotion, Quantumscape und SGL-Carbon. VW wolle demnach weniger selbst entwickeln und deutlich mehr bei Zulieferern einkaufen, sogar auf chinesische Konzernplattformen zurückgreifen. Die Zukunft der Softwaretochter Cariad werde in dem Papier ebenso festgelegt wie der Ausstieg aus dem Projekt für autonomes Fahren, Moia.

Nachtrag vom 3. September 2026, 22:16 Uhr

Einem Bericht des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge gab es zwischenzeitlich Befürchtungen, dass Blume im Falle einer Ablehnung seiner Pläne durch den Aufsichtsrat eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen würde. Damit hätte das Gremium überstimmt werden können.

Zur Einigung soll beigetragen haben, dass Blume vorerst auf seine Pläne verzichtet, die Kernmarke Volkswagen auszugliedern. Vor allem das Land Niedersachsen hatte sich dem Bericht zufolge gegen eine Ausgliederung der Marke gestellt. Das Land hält 20 Prozent an Volkswagen und verfügt wegen des VW-Gesetzes über weitreichende Veto-Rechte.


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