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45 Jahre Kampfstern Galactica: Seinerzeit bahnbrechend, auch heute noch packend

Glen A. Larson wollte für das Fernsehen ein Äquivalent zu Star Wars erschaffen. Das Ergebnis ist immer noch sehenswert, nicht nur für Nostalgiker.
/ Peter Osteried
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In Deutschland kam Kampfstern Galactica auch ins Kino. (Bild: Universal Studios)
In Deutschland kam Kampfstern Galactica auch ins Kino. Bild: Universal Studios

Es war das Jahr 1978: Star Wars war in aller Munde, Science-Fiction dominierte die Kinoleinwand - und der Serien-Guru Glen A. Larson wollte einen Schritt weitergehen. Er wollte dem Fernsehpublikum etwas geben, das bis dato nur im Kino gesehen werden konnte: Eine Science-Fiction-Opera ganz im Stil von Star Wars. Der Titel: Kampfstern Galactica(öffnet im neuen Fenster) .

Der Auftakt der Serie war ein dreiteiliger Pilotfilm, der derart aufwendig gestaltet wurde, dass er außerhalb der USA im Kino ausgewertet wurde. Hierzulande startete er am 26. Oktober 1978, in den USA am 17. September 1978(öffnet im neuen Fenster) .

Die Geschichte beginnt in der fernen Zukunft. Die zwölf Kolonien der Menschen werden von den Zylonen angegriffen und vernichtet. Nur der mächtige Kampfstern Galactica hat den Angriff überstanden. Mit einer bunt zusammengewürfelten Flotte ziviler Schiffe bricht die Galactica nun auf, um nicht nur den Zylonen zu entkommen, sondern nach einer neuen Heimat zu suchen - dem sagenumwobenen Planeten Erde.

Star Wars-Veteranen

Für die Gestaltung der Effekte heuerte man John Dykstra(öffnet im neuen Fenster) an. Ursprünglich arbeitete auch George Lucas' Firma Industrial Light & Magic daran, Star Wars-Produzent Gary Kurtz hatte für Larson jedoch eine Liste, was man alles geändert haben wollte, um Ähnlichkeiten mit Star Wars zu vermeiden.

Darunter befand sich auch der Wunsch, dass die Waffen keine Laser-Strahlen abfeuern sollten. Eigentlich ein kurioser Wunsch, gab es dies doch in Film und Fernsehen schon lange vor Star Wars, man kam ihm aber nach. Der stroboskopartige Effekt, wenn die kolonialen Krieger ihre Blaster abfeuern, ist das (optisch sehr reizvolle) Ergebnis. Letztlich half alles nichts - am Ende kam es zum Rechtsstreit(öffnet im neuen Fenster) , der aber zugunsten der Crew von Galactica ausging.

Man holte nicht nur Dykstra für die Effekte, sondern auch Ralph McQuarrie(öffnet im neuen Fenster) für die Welt von Kampfstern Galactica. Er hatte schon für George Lucas gearbeitet, nun erschuf er erneut Bilder, die verdeutlichten, was Larson mit dem Film zu erreichen hoffte. Die Kostüme wurden von Jean-Pierre Dorelac entworfen, während Joe Johnson und Andrew Probert die Zylonen entwickelten. Als einer der Produzenten stieß Donald P. Bellisario dazu, der einst ein Marine war und damit ideal für die Entwicklung des militärischen Fokus der Serie.

Die Hauptrolle des Commanders der Galactica wurde mit Lorne Greene besetzt, dem Vater der Cartwrights in dem Western-Klassiker Bonanza. Die anderen Rollen gingen eher an Newcomer, etwa an Richard Hatch, der zuvor in Die Straßen von San Francisco dabei war, und Dirk Benedict, der später in Das A-Team eine Hauptrolle spielte.

Wie ein Weltraum-Western

Aller Schwächen zum Trotz ist Kampfstern Galactica zurecht ein Science-Fiction-Klassiker, der mit seiner starken Mythologie eine unglaublich reichhaltige Variation an Geschichten bietet. Sicher gibt es eher lahme Western-Vehikel mit einem Zylonen als Bösewicht. Dann aber gibt es auch immer wieder Highlights wie den genialen Zweiteiler mit der lebenden Legende Cain oder dem mysteriösen Graf Iblis.

In der zweiten Hälfte der Staffel tut sich einiges. Sie enthält zwei der besten Folgen der Serie, die seinerzeit in Deutschland auch im Kino ausgewertet wurden: "The Living Legend".

Der Fürst der Finsternis

Es sieht düster aus für die Flotte der letzten Menschen aus den zwölf Kolonien. Unter der Führung von Commander Adama sucht sie den Weg zur Erde, ständig gejagt von den bösartigen Zylonen. Ein Hoffnungsschimmer tut sich auf, als die Galactica auf einen weiteren Kampfstern trifft, der den Zylonenangriff überlebt hat - die Pegasus unter Commander Cain. Doch Cain hat nicht vor, den Zylonen zu weichen und zur Erde zu flüchten. Er will den Kampf mit ihnen aufnehmen, koste es, was es wolle.

Gespielt wird Commander Cain von niemand Geringerem als Lloyd Bridges, der seine Figur ganz anders als Adama anlegt. Er ist ein alter Kämpfer, der sich weniger um die Sicherheit der Zivilisten sorgt, sondern lieber den Krieg zu den Zylonen tragen will.

Der Zweiteiler ist auch in Sachen Action ein echtes Highlight und gehört zu den beliebtesten Folgen der Serie.

Etwas trashiger gibt sich da der Zweiteiler "The War of the Gods", in dem Patrick Macnee Count Iblis spielt. Das Ende ist hier das Beste: Apollo blickt in das Raumschiffwrack und erkennt, wer Iblis wirklich ist!

In dem Zweiteiler "Greeetings from Earth" findet die Galactica die Erde - mehr oder weniger. Denn im Grunde handelt es sich nicht um unsere Welt. Es ist Terra, auf der jedoch Menschen leben. Aber Hilfe können die Überlebenden von den zwölf Kolonien hier nicht erwarten.

Die Serie schließt mit "The Hand of God" ab, einer wunderbaren Episode, die am Ende doch noch eine Botschaft von der Erde offeriert, die jedoch an Bord der Galactica ungehört verhallt.

In einer Folge lernt man übrigens auch Starbucks "Vater" kennen, einen Spieler namens Chamäleon, der von Fred Astaire gespielt wird.

Das Ende der Reise

Diese zweite Hälfte von Kampfstern Galactica zeigt sehr schön, warum die Serie bei Fans so beliebt ist (beziehungsweise von anderen so sehr verachtet wird). Die Geschichten haben ein eigenes Flair und sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Aber mit der lebenden Legende und dem infernalischem Iblis hat man den Unkenrufern zum Trotz wirklich originelle Geschichten erzählt.

Der Rip-off-Faktor der ersten Hälfte der Staffel, in der man sich gerne an bekannte Kinofilme wie Die Kanonen von Navarone(öffnet im neuen Fenster) rangehängt hat, fehlt hier großteils.

Schluss war letztlich, weil die Serie sehr teuer war. Der Pilotfilm kostete sieben Millionen US-Dollar, die einzelnen Folgen im Schnitt eine Million US-Dollar - für die damalige Zeit waren das exorbitant hohe Summen.

Die Serie kam gut an. Sie fand ein hingebungsvolles Publikum, bei den großen Preisverleihungen ging es aber nur um technische Kategorien - es gab Emmy Awards für die Kostüme und die Spezialeffekte, aber auch einen Grammy Award für Stu Phillips' Musik. Golden-Globe-Nominierungen gab es für Richard Hatch und die Serie selbst - im Fachbereich Drama.

Heute wird die Serie vom Reboot Battlestar Galactica überschattet, der in diesem Jahr auch schon 20 Jahre alt wird. Aber sie hat nach wie vor ihren Reiz - und das nicht nur für Nostalgiker. Kampfstern Galactica ist eine Serie, die effekttechnisch für ihre Zeit bahnbrechend war und eine Zukunftsgeschichte erzählt, die auch 45 Jahre nach ihrer Entstehung noch packend ist.


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