400 MBit/s: Wo Vodafone im Kabelnetz den Upload verachtfacht
Vodafone führt in diesem Jahr in drei Städten Tests durch, um den Upload im TV-Kabelnetz deutlich zu erhöhen. Das sagte der neue Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot der Nachrichtenagentur dpa. Die Tests laufen in Münster und Kleve in Nordrhein-Westfalen sowie in Ingolstadt in insgesamt 50.000 Haushalten, wo der Upload auf 400 Megabit pro Sekunde erhöht wird.
Bislang wird im Kabelnetz eine Uploaddatenrate von maximal 50 MBit/s geboten. Im Download gibt es dagegen bis zu 1 GBit/s.
Sollten die Tests erfolgreich sein, könne der Upload auch in anderen Städten erweitert werden, teilte de Groot der dpa mit. Deutschlandweit sei eine solche Erhöhung der Datenrate aber vorerst nicht geplant. Die meisten Kunden bräuchten so einen hohen Upload nicht, sagte der Manager. "Wir wissen aber schon jetzt: Wir können an dieser Stellschraube drehen, wenn der Bedarf da ist."
Zum technischen Hintergrund teilte Vodafone Golem.de bereits im Januar 2024 mit , dass man durch das Ende des analogen Radiosignals ab Ende des Monats Highsplits durchführen könne. Dies bedeutet: "Die Trennung von Up- und Downstream könnte dann infolge eines Highsplits nicht mehr bei 65 MHz, sondern bei 204 MHz erfolgen" , sagte ein Sprecher.
Vodafone: Highsplit statt analogem Radiosignal
Highsplit heißt, dass ein Teil des bisherigen Downloadspektrums bis 876 MHz – oder perspektivisch auch bis 1,2 GHz – für die Uploadgeschwindigkeit genutzt wird. "Durch einen Highsplit lassen sich unter idealen Bedingungen theoretisch bis zu 500 MBit/s im Upstream erzielen. In der Praxis – das zeigen die bisherigen Tests – fällt der Datendurchsatz jedoch niedriger aus, da nur ein Teilbereich des frei gewordenen Radiospektrums für Internetdienste in Frage kommt und auch verschiedenste Faktoren in den Netzbereichen eine Rolle für den tatsächlichen Datendurchsatz spielen" , erklärte der Sprecher.
Für Vodafone Deutschland kündigte Landeschef de Groot zudem an, die Ausgaben für den Ausbau des Koaxialkabelnetzes zu erhöhen. Im laufenden Geschäftsjahr 2024/2025 (bis zum 31. März 2025) will Vodafone etwa 200 Millionen Euro investieren. In den beiden Geschäftsjahren zuvor waren es 150 Millionen Euro (2023/2024) und 140 Millionen Euro (2022/2023).
200 Millionen Euro für das Kabelnetz sind keine bedeutende Investition. Im Vergleich dazu gibt die Deutsche Telekom jährlich mehrere Milliarden Euro für den FTTH-Ausbau in Deutschland aus. Bei Vodafone muss man jedoch noch die Ausgaben des Vodafone-Joint Ventures OXG Glasfaser mit dem Netzbetreiber Altice in Deutschland hinzurechnen.
Vodafone: "Nicht das Beste aus der Kabelinfrastruktur herausgeholt"
"Wir haben in der Vergangenheit nicht das Beste aus der Kabelinfrastruktur herausgeholt" , sagte der Firmenchef mit Blick auf die Coronajahre. "Aber die Zeiten sind vorbei, unser Kabel-Glasfasernetz ist heute viel schneller und zuverlässiger." Die Bandbreite, die beim Kunden ankomme, sei inzwischen wesentlich höher als zuvor. Durch Segmentierungen verringere Vodafone die Anzahl der Kunden in den Netzsegmenten, um Überlastungen zu reduzieren.
Um wirklich das Beste aus der Kabelinfrastruktur herauszuholen, wie de Groot sagt, wäre der Einsatz von Docsis 4.0 eine Option. Der aktuelle Standard verlangt Investitionen in neue Verstärker im Netz und weitere neue Ausrüstung. Laut Docsis-Entwickler Cablelabs wird Docsis 4.0 bis zu 10 GBit/s im Downstream und 6 GBit/s im Upstream sowie Frequenzerweiterungen bis 1,8 GHz im Down- und 684 MHz im Upstream ermöglichen. Dafür sind technische Änderungen in der Netzebene 3 nötig.
Doch der Einsatz des neuen Standards Docsis 4.0 sei wegen der Beschaffenheit des Koaxialnetzes bei Vodafone schwierig, erfuhr Golem.de im Mai 2024 aus hochrangigen Unternehmenskreisen.
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