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40 Jahre Zorn des Khan: Der Film, der Star Trek rettete

Star Trek II: Der Zorn des Khan gilt als wichtigster Star-Trek-Film – und das zu Recht: Er hat das Franchise nach dem langweiligen ersten Film wiederbelebt.
/ Tobias Költzsch
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Captain Kirk auf dem Weg zur USS Enterprise in Der Zorn des Khan (Bild: MPTV)
Captain Kirk auf dem Weg zur USS Enterprise in Der Zorn des Khan Bild: MPTV

Mit festem Griff umklammert Captain Kirk den Kommunikator, ehe sich sein Gesicht zur Fratze verzieht und er in grandiosem Shatner-Overacting "KHAAAAAAAN!" brüllt. Diese Szene beschreibt, woran sich viele Star-Trek-Fans zuerst erinnern, wenn sie an Star Trek II: Der Zorn des Khan denken. Der zweite Film des Franchises kam am 5. November 1982, also vor genau 40 Jahren, in die bundesdeutschen Kinos.

Der Zorn des Khan ist in der Retrospektive aber weitaus mehr als Shatners Overacting, das so einprägsam im Gedächtnis bleibt. Der Film gilt 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung als einer der wichtigsten im Star-Trek-Universum, wenn nicht sogar als der wichtigste. Die Rachegeschichte um Kirk und den genetisch verbesserten Übermenschen Khan hat nicht nur die Star-Trek-Kinofilme gerettet, sondern auch dem gesamten Franchise Aufwind über die 1980er Jahre hinaus gegeben.

Der erste Star-Trek-Film war bei der Kritik gefloppt

Die Ausgangssituation für Star Trek Anfang der 1980er Jahre war schwierig: Die Serie wurde 1969 eingestellt, lief seitdem aber immer noch sehr erfolgreich im US-amerikanischen Kabelfernsehen rauf und runter. Nach zehnjähriger Wartezeit hatten Fans dem ersten Star-Trek-Film im Jahr 1979 entgegengefiebert. Das Resultat war zwar kommerziell erfolgreich, wurde von den Kritikern aber für langweilig und langatmig befunden – Fans tauften den Film von Star Trek: The Motion Picture in "The Motionless Picture" um, der unbewegte Film.

Mit Star Trek II wollte Paramount dem Projekt noch eine Chance geben, es dieses Mal aber besser machen. Wie einige Jahre später bei der Erfolgsserie The Next Generation bestand eine der ersten Maßnahmen darin, den Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry aus der Entwicklung des Films zu nehmen. Roddenberry galt als schwieriger Charakter, dessen Ideen umgesetzt werden mussten – ob sie den Produzenten nun gefielen oder nicht. Roddenberry hatte folglich mit der Entwicklung von Der Zorn des Khan nichts zu tun; stattdessen wird gemutmaßt, dass er das Projekt torpediert hat – dazu später mehr.

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In Star Trek II werden die mittlerweile doch deutlich gealterten Charaktere der Originalserie als solche betrachtet: Die Vergänglichkeit, die Beschäftigung mit dem Alter und dessen Einschränkungen, die Konsequenzen der bisherigen Entscheidungen im Leben nehmen in Der Zorn des Khan eine große Rolle ein und sind dabei geschickt in die Story des Films verpackt. Die Identifikation mit den Charakteren, allen voran Kirk und Khan, ist daher für die Zuschauer wesentlich einfacher.

Ein Film mit einfacher Story, aber vielen Tiefen

Bevor es um die Auswirkungen von Der Zorn des Khan gehen soll, ein kurzer Überblick über den Plot: Dieser basiert auf der Folge Der schlafende Tiger (im Original: Space Seed) der Serie Raumschiff Enterprise, die 1967 im Fernsehen lief. Darin will ein genetisch verbesserter Mensch namens Khan mit seinem ebenfalls optimierten Verbündeten die Macht an sich reißen. Kirk und die Enterprise verhindern dies und setzen Khan samt seinen Leuten auf einem einsamen Planeten aus. In den 15 Jahren bis zum Beginn von Star Trek II gerät dieser Planet durch ein Unglück aus seiner Umlaufbahn und wird zur unwirtlichen Wüste. Khan und seine Truppe müssen ums Überleben kämpfen, unter anderem Khans Frau stirbt.

Durch einen Zufall entdeckt das Raumschiff Reliant Khan, der sich der Reliant anschließend bemächtigt und sich an Kirk rächen will. Der Part des Khan wird in Star Trek II wieder von Ricardo Montalban gespielt, der die Rolle bereits in der Serienepisode verkörperte. Kirk selbst hadert mit seinem Schicksal als Admiral ohne Schiff. Direkt zu Beginn von Der Zorn des Khan wird ihm von Dr. McCoy eine Brille geschenkt – eine deutliche Anspielung darauf, dass Kirk nicht mehr der agile Captain der Enterprise ist.

Eine Geschichte von Rache und der Schaffung von Leben

Die Enterprise ist zum Schulungsschiff für Kadetten umfunktioniert worden, eine Metapher dafür, dass auch Kirk ausgemustert wurde. Im Laufe des Films übernimmt Kirk wieder das Kommando des Schiffs, um Khan zu bekämpfen und zu verhindern, dass er das Genesis-Gerät als Waffe verwendet. Mit Genesis haben die Macher von Der Zorn des Khan eine zweite Handlungsebene geschaffen, die mit dem Racheplot um Kirk und Khan verwoben wurde.

Das Genesis-Gerät, entwickelt von Kirks ehemaliger Freundin Carol Marcus und seinem ihm bis dato unbekannten Sohn David, kann tote Planeten zum Leben erwecken – es handelt sich um ein Terraforming-Gerät. Die Forscher haben bei aller Begeisterung auch Angst, dass Genesis als Waffe verwendet werden kann: Beim Einsatz wird alles bestehende Leben ausgelöscht. Khan hat mit Genesis natürlich nichts Gutes vor, kommt im Laufe des Films aber an das Gerät.

Der Film kulminiert darin, dass Khan das Genesis-Gerät nahe einem toten Planeten aktiviert, um sich und Kirk samt der Enterprise zu vernichten. Die Enterprise schafft es aber in letzter Sekunde aus dem Gefahrenbereich, nachdem Spock sich geopfert hat. Sein Leichnam wird am Ende von Der Zorn des Khan auf den neu entstandenen Genesis-Planeten geschossen, womit der Film endet – ein grandioser Cliffhanger, der den Produzenten des dritten Star-Trek-Films alle Optionen offenhielt.

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Nimoy musste ein dramatischer Tod Spocks versprochen werden

Bis der Film in der vorliegenden Fassung erscheinen konnte, war allerdings eine Menge Arbeit nötig – und gemeint ist dabei nicht nur der Aufwand, überhaupt einen Film zu drehen. Leonard Nimoy war nach dem langweiligen ersten Film eigentlich nicht mehr willens, wieder als Spock aufzutreten.

Locken konnte ihn nur die Versicherung des Produzenten Harve Bennett, dass er eine dramatische Sterbeszene bekommen würde. Als Regisseur wurde der junge Nicholas Meyer engagiert, ein Glücksgriff, wie sich im Nachhinein zeigte.

Der Regisseur war ein Glücksgriff

Meyer war in puncto Star Trek unvorbelastet – er kannte die Serie nicht besonders gut. Im Nachhinein hat das vielleicht sogar geholfen, da Meyer sich so voll auf die Details des vorliegenden Stoffes konzentrieren konnte. Meyers erster Arbeitsschritt war es, die verschiedenen Entwürfe zu einem Drehbuch zusammenzuschustern, das sowohl dem Produzenten als auch Paramount und den Schauspielern zusagte. William Shatner soll sich gegen die Betonung seines Alters gesperrt haben, konnte aber von Meyer überzeugt werden.

Meyer konnte gut mit den Allüren einiger Schauspieler umgehen. Auch von Shatners Overacting, zu Beginn dieses Textes dargelegt, ließ sich der Regisseur nicht beirren. Stattdessen fand er Wege, damit umzugehen: So soll er Shatner einige Szenen so lange wiederholt haben lassen, bis dieser die Lust verlor und seinen Text ohne Schmalz und Pathos aufsagte. Dreist, aber genial.

Die Produktion von Der Zorn des Khan muss im Nachhinein als eher schwierig beschrieben werden. Das lag nicht nur an den Schwierigkeiten, überhaupt ein Drehbuch zu finalisieren, oder dem Umstand, dass sich Kirk und Khan den ganzen Film über nicht persönlich gegenüberstanden und Ricardo Montalban seine Schwierigkeiten gehabt haben soll, seine Dialoge mit Kirk ausschließlich mit einem Script-Girl zu führen. Der Film hatte mit elf Millionen US-Dollar nur rund ein Viertel des Budgets des ersten Teils. Entsprechend musste bei den Dreharbeiten gespart werden.

ILM sorgte trotz geringem Budget für gute Effekte

Für die Spezialeffekte war Industrial Light and Magic (ILM) verantwortlich. Der Zorn des Khan ist der erste Kinofilm, der eine komplett mit dem Computer generierte Szene enthält – die Verwandlung von Regula I in den Genesis-Planeten. Ansonsten wurde bei Star Trek II aber viel recycelt: Raumstationen und Gerätschaften wurden aus vorigen Filmen übernommen und teilweise einfach umgedreht, das Modell der USS Reliant war wesentlich leichter gebaut als das alte Modell der Enterprise.

Die Brücke der Enterprise wurde auch für die auf der Reliant spielenden Szenen verwendet, die Skyline von San Francisco, die aus Kirks Apartment betrachtet werden kann, stammt aus dem Katastrophenfilm Flammendes Inferno von 1974. In der Rückschau überwiegt bei uns der Eindruck, dass Bennett und Meyer an den richtigen Stellen gespart und Geld ausgegeben haben: Die Spezialeffekte sind angesichts des geringen Budgets gut, zudem wurden komplett neue Uniformen designt, die militärischer als zuvor wirkten.

Gene Roddenberry hat sich im Laufe der Produktion immer wieder gegen die für seinen Eindruck zu militaristische Grundeinstellung des Films gestemmt. Gerüchten zufolge soll er sogar für den Leak verantwortlich sein, dass Spock im Film stirbt – woraufhin die Produktionscrew Drohanrufe und sogar Todesdrohungen erhalten haben soll.

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Spocks Tod leakt vor der Premiere

Regisseur Nicholas Meyer hat vor der Veröffentlichung des Films Gegengerüchte streuen lassen, die unterschiedliche Versionen von Spocks Tod präsentierten, um vom eigentlichen Plan abzulenken. Dass Spock sterben wird, daran konnte Meyer nichts ändern – schließlich war dies die Voraussetzung dafür, dass Leonard Nimoy überhaupt an dem Film mitwirkte.

Am Ende hat Meyer es clever gelöst: Direkt in der Einstiegsszene des Films stirbt Spock mit einer Reihe weiterer Brückenmitglieder. Dann stellt sich allerdings heraus, dass dies nur im Rahmen des Kobayashi-Maru-Tests gespielt wurde, den Spocks Protegé Savik in den Sand gesetzt hat. Erst am Ende stirbt Spock dann wirklich, aber eben auch mit der Option auf eine Wiederkehr – die Nimoy am Ende selbst wollte, da ihn der Film überzeugte.

Neuer Schwung für festgefahrene Charaktere

Die Stimmung am Set soll nach Abschluss der Dreharbeiten sehr gelöst gewesen sein, was vor allem an Meyers Regiestil und der Entwicklung der Charaktere gelegen haben dürfte. Der Zorn des Khan schafft es, die altbekannten Figuren, die viele zu dieser Zeit noch als die wagemutigen Charaktere der ersten Star-Trek-Serie kannten, in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Captain Kirk vor allem wirkt wesentlich nachdenklicher und deutlich verletzbarer.

Dies steht im krassen Gegensatz zum eloquenten, stets eine Lösung findenden Kirk aus Raumschiff Enterprise. Kirks Konflikt mit Khan, die stärker werdenden körperlichen Unzulänglichkeiten und vor allem die Erkenntnis, sich in seinem bisherigen Leben nie wirklich mit dem Tod und den daraus resultierenden Konsequenzen beschäftigt zu haben, verändern Kirk und machen aus ihm einen wesentlich nahbareren Charakter. Am Ende stellt Kirk sogar fest, dass seine bis dato als clever geltende Manipulation des eigentlich nicht zu bestehenden Kobayashi-Maru-Tests nur ein weiteres Drücken vor dem eigenen Scheitern gewesen ist.

Mehr Tiefe als alle anderen Star-Trek-Filme

Vor diesem Hintergrund ist auch der Tod Spocks zu sehen, als prägender Einschnitt, der Kirk quasi in die Realität zurückholt. Eine derartige Tiefe hat nach Der Zorn des Khan kein anderer Star-Trek-Film erreicht; uns fällt höchstens noch die Szene aus Star Trek 8 (g+) ein, in der Lily Captain Picard vor Augen führt, wie sehr er von seinen eigenen Rachegelüsten getragen wird.

Meyer etabliert im Film zudem das Genesis-Projekt als Gegenstück zu den Vergänglichkeitsgedanken und Rachegelüsten. Genesis steht für einen Neuanfang, für Leben, nicht Tod. Den Kreis schließt der Regisseur mit dem Schluss des Films, in dem der Genesis-Planet zum Leben erwacht. Die Schlussszene mit Spocks Sarg auf dem Genesis-Planeten, also der Cliffhanger, dass Spock vielleicht doch nicht endgültig tot ist, wurde allerdings von Produzent Bennett gegen den Willen von Meyer durchgesetzt – das Testpublikum fand den vorigen Schluss mit einem endgültigeren Tod Spocks zu düster.

40 Jahre nach dem Deutschlandstart von Der Zorn des Khan kann die Wichtigkeit des Films nur unterstrichen werden. Nach dem eher verkopften ersten Star-Trek-Film setzte der zweite Versuch ein Zeichen. Er zeigte, dass die Helden der Kindheit vieler Zuschauer Charakter haben und gleichzeitig fehlbar sind. Außerdem zeigte Der Zorn des Khan, dass ein Star-Trek-Film nicht nur vom Mythos Star Trek leben kann, sondern auch eine gute Story braucht – ein Problem, das in späteren Filmen des Franchises immer wieder auftauchen sollte.

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Star Wars hatte in Deutschland zunächst mehr Zuschauer

Vom Start in Deutschland bekamen übrigens nicht sonderlich viele Menschen etwas mit: Die Premiere sahen nur 500.000 Menschen, während eine Wiederaufführung von Krieg der Sterne mehr als 1,2 Millionen Zuschauer sahen. Die Presse ignorierte den Film weitgehend. Das änderte aber nichts an seinem weltweiten Erfolg – und damit der Basis für zahlreiche weitere Star-Trek-Filme.

Einer griff den Khan-Stoff sogar wieder auf, und das auf sehr clevere Art und Weise: In Into Darkness aus dem Jahr 2013 spielt Benedict Cumberbatch einen deutlich ambivalenteren Khan, bei dem man als Zuschauer zunächst nicht sicher ist, ob er nun ein Bösewicht ist oder nicht. Auch die Sterbeszene hat JJ Abrams übernommen – allerdings mit umgedrehten Rollen: Kirk stirbt und Spock hat seinen eigenen KHAAAAN!-Moment.


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