40 Jahre Windows 1.0: Das Windows, an dem Microsoft beinahe kaputtging

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Das Startmenü, die Taskleiste und ein mit Icons befüllter Desktop sind seit mehr als 30 Jahren Symbole für Windows-Betriebssysteme. Die Anfänge des am weitesten verbreiteten Betriebssystems für Heimcomputer waren allerdings wesentlich bescheidener.
Am 20. November 1985 brachte Microsoft Windows 1.0 heraus. Das war jedoch kein eigenständiges Betriebssystem, sondern eine GUI-Software für Microsofts weitverbreitetes und textbasiertes Betriebssystem MS-DOS. Trotzdem wollte Microsoft auf diese Weise die Welt der Computer mehr Menschen zugänglich machen. Das Versprechen: ein GUI-Betriebssystem, das auf Standard-IBM-PCs der Zeit laufen sollte.
Bis dato war das keine Selbstverständlichkeit. Zwar zeigte Apple mit dem Lisa bereits zwei Jahre vor Windows und anderen GUIs Konzepte wie Drag-and-Drop, verschiebbare Fenster, einen Desktop und Maussteuerung. Allerdings war der Lisa mit einem Listenpreis von 10.000 US-Dollar für den Großteil der Bevölkerung unerschwinglich.
Microsoft-CEO und -Gründer Bill Gates wusste allerdings, dass Apple bereits an einem merklich günstigeren Nachfolger arbeitete, und stellte einen Großteil der Microsoft-Belegschaft auf umfassende Neuerungen für das eigene Konkurrenzprodukt ein, den seit 1981 in Entwicklung befindlichen Interface Manager.
Vom Interface Manager zu Windows
Gates wurde dabei auch durch das 1982 vorgestellte GUI-Tool Visi-On inspiriert, das dem Interface Manager verblüffend ähnlich war. Der Microsoft-CEO machte deshalb viele Versprechungen und schwor, dass Interface Manager günstig und zugänglich werden sollten. Möglicherweise sollte die Software sogar zusammen mit MS-DOS im Paket erscheinen.
Der sperrige Begriff Interface Manager musste dafür allerdings weg. Auch der von dem Microsoft-Angestellten Jeff Raikes vorgeschlagene Microsoft Desktop, in Anlehnung an das zentrale Schreibtischelement auf dem Apple Lisa, gefiel nicht. Schließlich einigte man sich auf den vom Marketingchef Roland Hanson vorgeschlagenen Namen Windows – ein Name, der in Zukunft zum Symbol für Microsofts Aufstieg zum Quasimonopolisten werden sollte.
Das neue GUI-System sollte unter dem neuen Namen noch am 10. November 1983 vorgestellt werden. Die Entwickler hatten dabei kaum Zeit, den in letzter Minute geänderten Windows-Schriftzug überall zu ändern. Und doch zeigte das Team eine erste Preview-Version von Windows 1.0 – wohlgemerkt funktionierte das Betriebssystem zu diesem Zeitpunkt kaum.
Microsoft machte trotzdem Versprechen. So sollte Windows auf einem IBM-PC mit 192 KByte RAM und mit nur zwei Disketten laufen und für einen vergleichsweise günstigen Preis von 100 bis 250 US-Dollar verkauft werden.
Macintosh als Inspiration
1984 sah es aber erst einmal so aus, als wären diverse Konkurrenten schneller und als benötigte das neue Windows noch eine längere Entwicklungszeit. Apple brachte in diesem Jahr den Macintosh heraus – einen weiteren Computer mit GUI-zentriertem Betriebssystem. Zwar konnte Apple den in Aussicht gestellten Preis von 2.000 US-Dollar nicht ganz einhalten. Aber für 2.500 Dollar erfreute sich der Macintosh einer etwas höheren Beliebtheit – obwohl auch der nicht dominieren sollte.
Intern musste es Änderungen geben. Denn wenn Windows eines gezeigt hatte, dann, dass die Arbeit bei Microsoft ineffizient und langsam war. Nach diversen Änderungen wurde Steve Ballmer zum Chef der Betriebssystemsparte ernannt. Bill Gates sollte die generelle Strategieausrichtung bei Microsoft übernehmen, was ihm anfangs sehr missfiel. Er ließ seinen Frust vor allem am Windows-Team aus, das seine täglichen Beleidigungen ertragen musste.
Microsoft hatte tatsächlich nicht viel vorzuweisen. Externe Entwickler waren schon vor Release kaum daran interessiert, Programme für Windows zu entwickeln. So wurde der Release von 1984 erneut verschoben, auf den Sommer 1985. Das war nötig, um die recht hohen Hardwareanforderungen zu minimieren. Auch versprach vor allem Bill Gates viel zu viele Dinge auf einmal, was die Situation nicht besser machte.
Und dann war da noch ein generelles Problem: MS-DOS-Programme.