40 Jahre MacOS: Vom visionären Exoten zum schönsten Unix der Welt

Am Anfang war die Maus: Seit 40 Jahren schwankt das Mac-Betriebssystem zwischen Innovation und Stagnation. Heute ist es das wohl schönste Unix – und eine etablierte Größe.

Artikel von Christian Rentrop veröffentlicht am
Dieser Macintosh aus Lego steht in einem Museum in Warschau.
Dieser Macintosh aus Lego steht in einem Museum in Warschau. (Bild: Wojtek Radwanski / AFP via Getty Images)

Am 24. Januar 1984 präsentierte Apple der Weltöffentlichkeit den Mac: einen damals revolutionären All-in-One-Heimcomputer. Mit ihm erschien das Betriebssystem MacOS, das damals noch nicht so hieß, aber eine ziemlich innovative grafische Benutzeroberfläche mit Maussteuerung besaß. Apple beendete damit für die Masse die Dominanz der Kommandozeile, die in Systemen wie dem C64 oder dem IBM-PC zu dieser Zeit Standard war – und machte den Heimcomputer damit ganz nebenbei massentauglich.

Inhalt:
  1. 40 Jahre MacOS: Vom visionären Exoten zum schönsten Unix der Welt
  2. System 4 modernisiert den Mac
  3. Der PowerPC-Umstieg
  4. MacOS X: Der Mac wird zum Unix-System

Neu war die Idee, einen Desktop mit einer Maus zu bedienen, allerdings nicht: Apple selbst hatte das Konzept bereits ein Jahr zuvor mit dem auch für damalige Verhältnisse teuren Flop Apple Lisa ausprobiert: Die war mit 9.995 US-Dollar eingepreist, in Deutschland mit rund 30.000 DM, was nach heutiger Kaufkraft rund 32.000 Euro wären. Zudem hatte Apple ordentlich bei Xerox und Lilith abgekupfert: Beide wenig erfolgreichen Systeme wiesen bereits 1980/1981 eine entsprechende Bedienung auf.

MacOS – das damals einfach System hieß – krempelte den Markt ordentlich um. Mit diesmal nur 2.500 US-Dollar (in Deutschland deutlich teurer), wurde der Mac (hier unser Podcast zum Thema) tatsächlich ein Erfolg. Und das Betriebssystem auch. Denn MacOS hatte es in sich: Auf dem winzigen, schwarzweißen 9-Zoll-Bildschirm des Macintosh bildete es eine Schreibtischoberfläche nach, auf der User mittels Cursor und Maus Dinge verschieben und Aktionen auslösen konnten. Apple etablierte mit dem System einige Features, die Apple-Nutzer bis heute kennen, darunter den Finder, die Menüzeile, das Apple-Menü, den Rechner, den Papierkorb.

Der Computer mit der Maus sorgte für Irritationen

Obwohl dieses Bedienkonzept so intuitiv ist, dass es bis heute bei Computern Standard ist, sorgte es seinerzeit bei so manchem Kommandozeilen-Profi für Irritationen: Alte Hasen mussten das Mausschubsen erst einmal üben, das Neueinsteigern wie von selbst von der Hand ging. Die Kommandozeile hatte Apple im System 1 nämlich gänzlich gestrichen.

Ohnehin war System 1 relativ dürftig: Mit den schon damals knappen 128 Kilobyte RAM und der fehlenden Festplatte des ersten Macintosh-Rechners, konnte man kaum große Sprünge machen, zumal das Betriebssystem selbst als Diskettenversion größer war als der verfügbare Arbeitsspeicher.

Objekte im Papierkorb wurden bei Neustart – oder beim Start einer Anwendung, die ihrerseits den Finder beendete – automatisch gelöscht. Apple erkannte das Problem zwar schnell und vervierfachte den RAM bei der Produktpflege im September auf 512 Kilobyte. Das Mac-Betriebssystem – inzwischen auf Version 1.1 – war aber weiterhin nicht besonders leistungsstark.

Apples Mac-System verliert den Vorsprung

Trotz dieser Eigenheiten konnte Apples System 1 den Vorsprung in Sachen GUI-Rechner für sich verbuchen: einerseits, weil nützliche Programme wie MacWrite und der Hingucker MacPaint bereits auf der zweiten Diskette im Lieferumfang dabei waren.

Andererseits, weil Hauptkonkurrenten wie IBM oder Commodore mit dem C64 nach wie vor auf die Kommandozeile setzten. Das Mac-System war schlicht einsteigerfreundlicher, weshalb Apple 1984 75.000 Einheiten des Macintosh absetzen konnte – in den noch wenig computerisierten frühen 1980er Jahren ein riesiger Erfolg.

Dieser Vorsprung verschwand allerdings bereits ein Jahr später, als Atari, Commodore und Microsoft binnen weniger Monate mit Atari TOS, AmigaOS und Windows 1.0 deutlich leistungsfähigere Betriebssysteme – beziehungsweise GUI-Ergänzungen für die Kommandozeile, denn das war Windows bis Windows 95 – auf den Markt brachten. Alle drei Systeme konnten Farben darstellen und beherrschten Multitasking, was Apple dazu zwang ...

... nichts zu tun: System 2 (April 1985) und System 3 (Januar 1986) blieben weiterhin frei vom Multitasking-Betrieb. Zwar gab es mit Switcher – entwickelt von einem ehemaligen Apple-Entwickler – bereits 1985 eine Multitasking-Option, doch die wurde separat von Apple verkauft. Und das, obwohl der Macintosh Plus (1986) längst über ausreichend Leistung und Speicher verfügte: Das Megabyte RAM war auf bis zu vier Megabyte erweiterbar. Doch am Mac-Betriebssystem tat sich wenig, wohl auch, weil man sich im Vorstand 1985 entschlossen hatte, Apple-Gründer Steve Jobs zu feuern.

Apple rüstete in System 2 zwar das Netzwerk-Protokoll Apple-Talk nach und führte eine Screenshot-Funktion ein. Updates brachten die Unterstützung für externe Festplatten und gleichsam das HFS-Dateisystem. Das Upgrade auf System 3 lieferte Appleshare als Dateiserver und die Unterstützung für neue Technologien in neuen Mac-Modellen, beispielsweise SCSI im Macintosh Plus.

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System 4 modernisiert den Mac 
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TheUnichi 28. Jan 2024 / Themenstart

Man kann auch eine Tastatur an sein iOS, iPad etc. anschließen und damit ganz normal...

FriedaZwei 26. Jan 2024 / Themenstart

Das ist der Imperativ Singular von "lesen", nicht das Präteritum der dritten Person von...

harald.1080 25. Jan 2024 / Themenstart

Welch Nostalgie-Flash! MINT hatte ich ganz am Ende meiner Atari-Zeit. Dann hatte ein...

jf (Golem.de) 25. Jan 2024 / Themenstart

Vielen Dank für den Hinweis, wir haben die Stelle geändert.

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