40 Jahre Chaos Computer Club: Herz, Seele und Stimme der Nerds

Nicht einfach die x-te CCC-Doku, sondern mehr: Heute startet "Alles ist eins. Außer der 0." im Kino. Im Zentrum steht Mitgründer Wau Holland.

Eine Rezension von veröffentlicht am
CCC-Mitgründer Wau Holland in "Alles ist eins. Außer der 0."
CCC-Mitgründer Wau Holland in "Alles ist eins. Außer der 0." (Bild: Neue Visionen Filmverleih)

Am 12. September 2021, dem Jahrestag seiner informellen Gründung, wird der Chaos Computer Club 40 Jahre alt. Die Geschichte der weltweit bekannten Hacker-Vereinigung aus Deutschland im Kino nachzuerzählen, liegt zum Jubiläum natürlich nahe. "Alles ist eins. Außer der 0." ist dieser zu erwartende Film geworden, jedoch erfreulich unerwartet umgesetzt.

Inhalt:
  1. 40 Jahre Chaos Computer Club: Herz, Seele und Stimme der Nerds
  2. Als der CCC ernst wurde

Selbstverständlich erzählt er, mal mehr und mal weniger chronologisch, auch von Ursprüngen und frühen Meilensteinen des CCC. Vom Premierenstammtisch in der taz-Zeitungsredaktion oder dem ersten medial beachteten Coup rund um manipulierte Bildschirmtext-Geräte. Genauso von den düsteren Stunden im Zuge der Nasa- und KGB-Hacks Ende der 80er Jahre, die fiktionalisiert schon Grundlage für den Thriller 23 - Nichts ist so wie es scheint waren.

Ereignisse wie diese bloß nacheinander Revue passieren zu lassen, wäre für einen Jubiläumsfilm mit Sicherheit bereits spannend genug. Und wahrscheinlich auch das erste Konzept, auf das ein K.I.-Programm nach Auswertung aller im Internet verfügbaren Daten gekommen wäre.

Der Posterboy der Hacker-Szene

Tanja Schwerdorf und Klaus Maeck haben als Regieteam aber weitergedacht. Sie nutzen die Geschichte des Clubs als Rahmen für ein filmisches Porträt des 2001 verstorbenen Gründungsmitglieds Herwart Holland-Moritz, besser bekannt als Wau Holland. Ihn anhand gesammelten Videomaterials, vorwiegend aus den 80er und 90er Jahren, zu Stimme, Herz und Seele dieser Dokumentation zu machen, würdigt nicht nur dessen Stellenwert als eine der treibenden Kräfte des Chaos Computer Clubs von damals.

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Es erinnert auch an seine Qualitäten als Posterboy einer Bewegung von Hackern, die vor 40 Jahren erstmals als lose Gruppe technikbegeisterter Nerds ihren Anfang nahm, die sich eigentlich nur in lockerer Atmosphäre miteinander über die Möglichkeiten von Computern und neuen Datennetzen austauschen wollte. Und die nur wenige Jahre später unter dem heute bekannten Banner als frühe Netzaktivisten und Hacker für die gute Sache in Erscheinung traten.

Betrachten wir die heutigen Ausmaße der mit über 8.000 eingetragenen Mitgliedern bewusst dezentral organisierten Interessengemeinschaft, deren Gesamtheit den Chaos Computer Club ausmacht, mutet es im ersten Moment nicht so sinnvoll an, eine einzelne Person derart prominent hervorzuheben. Wollen wir aber ergründen, wo das Selbstverständnis vom guten Hacker, die allem zugrundeliegende Freude am kreativen Umgang mit Technik und das Aufbegehren gegen jene, die diese missbrauchen wollen, wo all das seinen Anfang nahm, kommen wir an Wau Holland als der herausragenden Symbolfigur dieser Anfänge nicht vorbei.

Bei seinen vielen Auftritten vor Presse und Publikum, aber auch im Kreise der engsten Vertrauten, sehen und hören wir ihn immer wieder die große Bedeutung von Hacker-Ethik, freiem Informationsfluss und dem Schutz personenbezogener Daten hervorheben, ja regelrecht idealistisch darüber philosophieren. Dass der Chaos Computer Club als Idee heute noch auf diesen gemeinsamen Grundwerten aufbaut, schreibt "Alles ist eins. Außer der 0." nicht alleine, aber zu großen Teilen dem Lebenswerk Wau Hollands zu. Und das wohl zu Recht, wie im Film unter anderem CCC-Ehrenmitglied Peter Glaser bestätigt, der lange Chefredakteur des vereinseigenen Hacker-Magazins Die Datenschleuder war, das Wau Holland ebenfalls mitbegründet hat.

Kein Retrokitsch

Mit Glaser hat die Dokumentation einen nominellen Erzähler aus der Gegenwart, der hin und wieder mit kurz gehaltenen Off-Texten Bezüge zwischen Ereignissen herstellt, insgesamt aber sehr zurückhaltend eingesetzt wird. Viel häufiger füllen Schwerdorf und Maeck die Lücken zwischen Wau Hollands Auftritten mit temporeich zusammengeschnittenen Video-Collagen, die von gelungenen Retro-Animationen dekoriert und mit Punkmusik unterlegt, im Zeitraffer auch mal geschichtliche Events wie den Mauerfall aus Sicht des Chaos Computer Clubs darstellen. Die kleinen Musikvideos sind inhaltlich relevant und lassen den Zeitgeist der dargestellten Momente nachempfinden, verfallen also nicht in reinen Retrokitsch, nur der Nostalgie wegen.

Alles ist eins. Ausser der O.

Bemerkenswert ist, wie viel Videomaterial wohl schon früh nach der Gründung des Clubs nebenher gefilmt wurde und dass dieses jetzt zum Glück so konzentriert, gut erhalten und stimmig zusammengestellt in einer einzigen Doku seinen Platz gefunden hat. Die Geschichte erzählt sich hier quasi selbst. Wau Holland erzählte, kommentierte und erklärte sie in großen Teilen, während er sie erlebte. Und er tat das mit oft zerzausten Haaren, einer herrlich natürlichen Ausstrahlung und mit dem Talent gesegnet, komplexe Sachverhalte auch für Laien mit einfachen Worten, oft unterhaltsam schelmisch auf den Punkt zu bringen.

Diese unbeschwert wirkende Heiterkeit, mit einem großen Schuss Optimismus, mit der Wau Holland die gesamten 80er Jahre hindurch als prominentes Gesicht für ein positives Image der Hacker warb, ging ihm, nach mehreren anderen Zerreißproben für den Chaos Computer Club, 1989 jedoch verloren.

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Als der CCC ernst wurde 
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Trollversteher 09. Aug 2021 / Themenstart

Au weia *facepalm*

Gert Postel 04. Aug 2021 / Themenstart

Ich wusste gar nicht, dass Bud Spencer ein deutscher Hacker war. Sehr cool.

Fresh 30. Jul 2021 / Themenstart

Da musste einfach nur ordentlich was verzehren :) Hätte auch echt bock auf den Film aber...

Cybso 29. Jul 2021 / Themenstart

Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Meistens wird die Position des CCC (und...

AntonZietz 29. Jul 2021 / Themenstart

https://www.ardmediathek.de/video/panorama/hacker-knacken-nasa-computer/das-erste...

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