Ecken, Kanten und ein Fazit
Zugleich überzeugt das pure Layout. Anstatt geradlinige Plattformer-Action zu erleben, begebe ich mich hier auf die Suche nach Power-Ups, steige Treppen hoch und entdecke auch abseits der Hauptroute noch einiges.
Die Abschnitte sind verschachtelt. Selbst wenn die Steuerung beim Treppensteigen mitunter fummelig ist, erzeugt die Vertikalität der Level ein Gefühl für die Größe der Spielwelt.
Schwierig, aber meist fair
Dem Spiel ist Ambition und Detailverliebtheit anzumerken. Jeder Gegner, jedes Power-up und auch jedes Hindernis scheinen wohlkalkuliert zu sein. Wenn ich mal draufgehe, liegt es meist an mir.
Vielleicht habe ich einen Abstand falsch eingeschätzt oder die Angriffsmuster der Kreaturen der Unterwelt nicht präzise genug verinnerlicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Plattformspielen mit Arcade-Ursprung ist Castlevania kein unangenehm schwieriges Spiel.
Das Verhalten der Gegner überrascht mich hingegen immer wieder. Gerade bei Spielen dieser Altersklasse erwarte ich nicht viel. Umso überraschter war ich, als mich auf einer Ebene beispielsweise Rüstungen bemerkten, die hin und her patrouillierten.
Sie drehten sich um und liefen in meine Richtung. Diese Dynamik sorgte immer wieder dafür, dass ich kurz innehalten und mein Timing bei Angriffen oder Sprüngen anpassen musste.
Gruseln geht anders
Aus heutiger Sicht wirkt Castlevania natürlich alles andere als gruselig. Das kurze Intro zeigt das Schloss des Grafen, während mich die späteren Levels tief in die Katakomben hinabführen.
Dort kämpfe ich gegen Fledermäuse, herabsausende Krähen, Mumien, Zombies und Skelette. Ein besonderes Lob verdienen die Bosskämpfe gegen Medusa oder Frankenstein. Aber wirklich schaurig ist das Spiel zu keiner Sekunde.
Das liegt vielleicht auch am ausgesprochen energetischen Soundtrack, der mich eher zum Erkunden der Gebiete antreibt, als mir eine Gänsehaut zu bereiten. Die teilweise dezent hochfrequenten Chiptune-Sounds sind zwar wahnsinnig retro und schön, unterstreichen das Grusel-Setting aber kaum.
Fazit: Klassiker mit Ecken und Kanten
Castlevania und ich werden in diesem Leben keine besten Freunde mehr. Dafür war mir das Handling einen Tick zu kantig und die Musik zu piepsig. Meine alten Ohren sind in dieser Beziehung inzwischen ziemlich empfindlich.
Aber ich erkenne, warum Konamis Vampir-Action-Adventure eine derart lange und erfolgreiche Geschichte hat. Das Setting zieht einen sofort in den Bann. Und das Gameplay ist einerseits selbsterklärend, andererseits angenehm fordernd. Castlevania zeigt, in welche Richtung das Genre in den Folgejahren gehen sollte.


