3D Print Canal House: Das Haus aus dem 3D-Drucker
Es ist ein Kunstprojekt und gleichzeitig ein Experiment: Kann ein ganzes Haus aus einem 3D-Drucker kommen? Das niederländische Architekturbüro Dus Architects will das mit 3D Print Canal House Project(öffnet im neuen Fenster) ausprobieren. Die Blöcke für das Kanalhaus im Amsterdamer Norden werden im "Kamermaker" (deutsch: Zimmermacher) gedruckt. In spätestens drei Jahren soll das dreistöckige Kanalhaus für die Öffentlichkeit begehbar sein.
Die ersten Blöcke stehen schon. Sie bilden eine drei Meter hohe Ecke der Außenmauer. Auch einige Stufen sind schon fertig. Die Blöcke sind schwarz, einer ist zum Teil durchsichtig oder zumindest farblos. Er sieht aus wie ein riesiger Klecks getrockneter Kleber, mit einem leicht gelblichen Ton. Daneben steht ein meterhoher Kubus, in dem der Kamermaker die Blöcke druckt.

Das Gerüst des Kamermakers ist sechs Meter hoch und drei Meter breit. Der riesige 3D-Drucker ist eine vergrößerte Version des Ultimakers des gleichnamigen niederländischen 3D-Drucker-Herstellers. Dieser war maßgeblich am Bau des Kamermakers beteiligt. Der Kamermaker baut wie der kleinere Ultimaker per Schmelzschichtung (Fused Deposition Modeling, FDM) die Blöcke für das Canal House. Die größten gedruckten Blöcke sind zwei Meter breit, zwei Meter lang und dreieinhalb Meter hoch. Sie wiegen etwa 180 Kilogramm. Es dauert eine Woche, bis ein Block gedruckt und gehärtet ist.
Das Material kommt von Henkel und heißt Macromelt, genauer Macromelt 6900 E(öffnet im neuen Fenster) . Das Canal House Project färbt das durchsichtige Druckmaterial mit schwarzem Granulat ein. Macromelt gehöre zu den "thermoplastischen Schmelzklebstoffen auf Basis von Polyamid. Die Produkte der Macromelt-6er-Reihe sind nicht nur aus technischer, sondern auch aus ökologischer Sicht interessant, da sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Bei der Verarbeitung finden keine chemischen Reaktionen statt und es werden keine Lösungsmittel freigesetzt" , heißt es in der Produktbeschreibung des deutschen Kunststoffherstellers. Das Material sei hauptsächlich aus Raps hergestellt, sagte uns Tosja Backer vom Architekturbüro Dus.
Schaumstoff für die Stabilität
Selbst im fertigen Zustand sind die etwa drei Millimeter starken Fäden zu sehen, die der Extruder des 3D-Druckers Schicht um Schicht auflegt. Es gibt ein paar Lücken in den Blöcken, einige Fäden hängen herunter.
Der Drucker ist beheizt und gut isoliert in seinem Kubus untergebracht. Der Kamermaker könnte auch schneller drucken, sagte Backer. Aber das Material müsse zuerst trocknen, bevor die nächste Bahn darauf gelegt werden könne. Das Canal House Project arbeite mit Henkel zusammen, um das Aushärten des Materials zu beschleunigen.
Essen im Recycling-Room
Das fertige Haus soll Elektrizität, Heizung und natürlich einen Wasseranschluss bekommen. Schließlich sei es von Architekten entworfen worden, sagte Backer. In die Hohlräume der gedruckten Blöcke soll ein Schaumstoff eingefüllt werden, der wie Beton aushärtet. Damit erhalten die Blöcke zusätzliche Festigkeit und werden so auch miteinander verschweißt. Für die Konstruktion ist das niederländische Unternehmen Heijmans verantwortlich.
Jeder der 13 Räume soll eine eigene Gestaltung bekommen. Im Potato-Raum soll gekocht, im Recycling-Raum gegessen werden, und im Download-Room soll es eine kleine Bar geben. Die Fassade des fertigen Gebäudes erhält ein Giebeldach, ganz im Stil der Kanalhäuser in der Amsterdamer Altstadt.
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