Zum Hauptinhalt Zur Navigation

3D-Drucker Big Rep One v.3: Wie eine Fahrstuhltür das Wachstum eines Startups hemmt

Nicht nur der 3D-Drucker selbst ist riesig, auch das Unternehmen Big Rep ist enorm gewachsen. Was als Kunstprojekt angefangen hat, entwickelt sich zum Verkaufserfolg.
/ Werner Pluta
22 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
3D-Drucker Big Rep: Negativformen für die Herstellung von CFK-Werkstücken (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
3D-Drucker Big Rep: Negativformen für die Herstellung von CFK-Werkstücken Bild: Werner Pluta/Golem.de

Ein Stuhl, ein Tisch, ein Leitkegel: Kleinteile sind nicht die Sache von Big Rep One(öffnet im neuen Fenster) , dem 3D-Drucker des Unternehmens Big Rep(öffnet im neuen Fenster) . Er ist einer der größten 3D-Drucker, die mit dem Schmelzschichtungsverfahren arbeiten – und entwickelt sich langsam zu einem Verkaufserfolg.

Zu Besuch bei Big Rep – Bericht
Zu Besuch bei Big Rep – Bericht (01:19)

Big Rep One Version 3 heißt die aktuelle Version. Er sei gegenüber dem Prototyp aus dem Jahr 2014 sowie dem Vorgänger Big Rep One.2 verändert und verbessert worden, erzählt Unternehmenschef René Gurka im Gespräch mit Golem.de.

Die Bedienung soll einfach sein

Einige Modifikationen sind sichtbar. So sind etwa die Zahnriemen für die Druckkopfsteuerung hinter einer Verkleidung verschwunden. Die senkrechte Führung für den Druckkopf ist schlanker geworden. Die Steuerungselektronik ist nicht mehr wie bei den Vorgängern in einem externen Schaltschrank untergebracht, sondern an das Gerät angebaut. Bedient wird der Rechner über einen kleinen Industrie-PC mit Touchscreen, für den Big Rep eine eigene Nutzeroberfläche designt hat, die die Bedienung vereinfacht. "Jeder Mensch soll in 90 Sekunden in der Lage sein, einen Druck anzuwerfen" , sagt Gurka. Inzwischen hat der Drucker auch WLAN, was es ermöglicht, das Gerät aus Berlin zu warten oder Updates zu installieren.

Über dem Schaltschrank sind die Halterungen für die beiden Filament-Spulen – eine für das Baumaterial, die andere für das Stützmaterial PVA. Diese Spule sitzt unter einer Haube, die das Filament luftdicht abschließt, damit das PVA keine Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnimmt. Die Halterungen sind auch stabil genug für 10-Kilogramm-Spulen.

Big Rep verarbeitet 2-Millimeter-Filament

Die werden gebraucht, weil der Drucker einen höheren Durchsatz hat: Er verarbeitet jetzt auch Filament mit einem Durchmesser von 2,85 Millimetern, der mit einer 2 Millimeter großen Düse verarbeitet wird. Das senkt zwar die Auflösung – bei den Objekten sind deutliche Rillen zu erkennen. Dadurch können große Werkstücke deutlich schneller aufgebaut werden. Ein Druck dauere dann nicht mehr einen oder mehrere Tage, sondern nur noch einige Stunden, sagt Gurka.

Schließlich wurden auch der Druckkopf und das Druckbett modifiziert: Der Druckraum wurde mit einem Sensor ausgestattet, der die Kalibrierung des Druckbetts vereinfacht. Es reicht jetzt, ihn ungefähr einzustellen. Den Rest macht das Gerät selbst. Außerdem ermöglicht es der Sensor, dass der Big Rep Halbzeuge verarbeitet: Der Sensor erkennt die Kanten des Werkstücks und kann darauf aufbauen.

Druckköpfe heben und senken sich

Schließlich wurde der Druckkopf mit den beiden Extrudern modifiziert: Der, der gerade nicht druckt, wird ein wenig nach oben gefahren. Das und eine automatische Reinigung beim Wechseln der Köpfe soll verhindern, dass sich die beiden Kunststoffe vermischen und so den Druck verunreinigen.

Der Big Rep One Version 3 sei damit eine fertige Plattform, sagt Gurka. Weitere Modifikationen seien erst einmal nicht geplant. Allerdings werde das Unternehmen weitere Anwendungen entwickeln. Dazu gehören eine Webcam, um den Druck aus der Ferne zu überwachen, sowie Druckköpfe, die andere Kunststoffe verarbeiten.

Seit unserem ersten Besuch im Jahr 2014 ist Big Rep gehörig gewachsen.

Big Rep verkauft in alle Welt

2014 hatte das Unternehmen noch acht Mitarbeiter. Inzwischen tummeln sich 50 in der Kreuzberger Fabriketage, von denen fast die Hälfte Entwickler sind. Gründer Lukas Oehmigen ist nicht mehr dabei. Er hatte den 3D-Drucker ursprünglich als "Forschungsprojekt" entwickelt, um damit große Kunstwerke herstellen zu können. Ein Produkt wurde daraus, weil das Interesse daran von Anfang an sehr groß war. Oehmigen arbeitet inzwischen wieder als Künstler.

Besuch in Big Reps 3D-Drucker-Werkstatt
Besuch in Big Reps 3D-Drucker-Werkstatt (10:03)

Knapp 100 Geräte habe das Unternehmen im vergangenen Jahr verkauft, von den allerdings noch nicht alle ausgeliefert seien, erzählt Gurka. In diesem Jahr soll die Produktion im niedrigen dreistelligen Bereich liegen. Angestrebt wird bis Sommer eine Rate von etwa 15 Geräten im Monat. Die Kunden, sagt er, kämen aus aller Welt: Australien, China, Japan, Neuseeland, Südkorea, USA.

Viele Käufer sind Universitäten

Viele Kunden sind Universitäten – etwa ein Viertel. Aber auch viele Unternehmen kaufen die Geräte: Autohersteller, Maschinenbauer, Architekten, Designer. Nicht alle bauen damit Designmodelle: Manche bauen damit auch Negativformen, in denen sie dann Werkstücke aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff herstellen. Der australische Bushersteller Bustech(öffnet im neuen Fenster) baut so die Verkleidung für die Frontscheinwerfer. Das Team HTW Motorsport(öffnet im neuen Fenster) der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin hat auf diese Weise die Nase seines Formula-Student-Renners(öffnet im neuen Fenster) angefertigt.

Aber auch für Kunstprojekte wird der Drucker nach wie vor eingesetzt: Ein Künstler hat Gussformen für Bronzeskulpturen angefertigt, die er im vergangenen Jahr beim Festival Burning Man in der Black Rock Desert im US-Bundesstaat Nevada ausgestellt hat. Ein Moskauer Musiker hat sich den Korpus für eine E-Gitarre bauen lassen.

Die Mitarbeiter drucken selbst

Die Mitarbeiter selbst experimentieren ebenfalls mit dem Drucker: Überall stehen die Ergebnisse: ein Fernsehturm in Orange-Weiß beispielsweise, eine Obstschale mit geometrischem Muster oder ein Hocker mit kunstvoll verschlungenen Beinen, der trotz der Winkel ohne Stützstruktur aufgebaut wurde – der Ehrgeiz des Designers lag offensichtlich darin, die Grenzen des Geräts auszuloten.

Wer heute einen 700 Kilogramm schweren und 50.000 Euro teuren Big Rep kauft, bekommt keine Einzelteile mehr, die vor Ort montiert werden müssen. Die nötige Präzision lasse sich bei einer Montage vor Ort nicht gewährleisten, sagt Gurka. Der Drucker wird von einem Dienstleister zusammengebaut und dann ausgeliefert.

Damit sei aber auch die Obergrenze für die Größe des Big Rep definiert, sagt Gurka und zeigt auf eine große Holzkiste: Die müsse durch die Tür eines Frachtflugzeuges passen – und durch die des eigenen Fahrstuhls. Einen Very Big Rep wird es damit wohl nicht geben.


Relevante Themen