Meist keine Prüfung durch Eisenbahnbundesamt notwendig
Alle gedruckten Teile müssen geprüft werden, bevor sie in den Einsatz gehen. Diese Prüfung wird allerdings in den meisten Fällen nicht vom Eisenbahnbundesamt durchgeführt, sondern von einer eigenen Abteilung innerhalb des DB-Konzerns. Solange ein Nachdruck zum Beispiel beim Werkstoff die gleichen Festigkeitswerte erreiche oder in seiner Form nicht grundlegend modifiziert werde, sei keine erneute Prüfung notwendig. Auf Nachfrage durch die anwesenden Journalisten gibt sich die Bahn überzeugt, dass die eigenen Prüfkriterien für die Qualitätssicherung ausreichend seien.
Nicht immer beschränkt sich der Prozess des Nachdruckens auf das reine Kopieren alter Teile. "Wir hatten zum Beispiel eine Abdeckung, die immer an einer bestimmten Stelle gerissen ist. Im 3D-Modell haben wir diese dann an der entsprechenden Stelle etwas verstärkt - und seitdem deutlich weniger Kosten für den Austausch", sagte Brickwede im Gespräch mit Golem.de. Bei einer Abdeckung für Kabel im Motorenraum habe man zudem eine sogenannte "Opferplatte" entwickelt. Wenn diese kaputtgehe, müssen man nur ein kleines Teil der Vorrichtung austauschen - anstatt wie früher das gesamte Teil.
Wer hat das Urheberrecht auf Ersatzteile?
Ein Problem bei den Nachdrucken: Wer besitzt die geistigen Eigentumsrechte an den Schöpfungen? Die Bahn will nach eigener Aussage keine Teile drucken, die mit Patenten belegt sind. Auch sei es nicht das Ziel der Initiative, Teile mit geringfügigen Abwandlungen zu drucken, um keine Geschmacksmuster zu verletzen. Es gehe vielmehr darum, Teile zu drucken, an denen kein anderer Hersteller mehr ein Fertigungsinteresse habe. Die Erfahrung mit verwaisten Werken in Kunst, Musik und Film zeigt aber, dass diese Fragen oft nur sehr schwer abschließend und rechtssicher zu klären sind.
Mit dem 3D-Druckverfahren sollen aber nicht nur kaputte Teile in der eigenen Infrastruktur ersetzt, sondern auch neue Anwendungsfälle geschaffen werden. Vor Ort gezeigt wurden zum Beispiel sogenannte Handlaufschilder für Bahnhöfe, die in Brailleschrift den Weg weisen. Von dem gezeigten Objekt gab es dann gleich zwei Varianten: eine aus Kunststoff und eine aus Metall.
Neue Ausbildungsberufe sollen her
Die Herausforderungen im 3D-Druck sieht die Bahn aber nicht nur in der Technik selbst. Auch bei der Ausbildung müsse sich etwas ändern. "Heute stehen meist Ingenieure neben den 3D-Druckern", hieß es auf der Veranstaltung - doch das sei in vielen Fällen weder notwendig noch wirtschaftlich. Hier müssen man auch über neue Ausbildungsberufe nachdenken.
An anderer Stelle will man an die Zukunft denken: "Was bedeutet es für einen Logistikkonzern, wenn überall auf der Welt 3D-Drucker stehen - und Kunden ihr Turnschuhmodell vor Ort ausdrucken können?" Möglicherweise würde sich die Rolle eines Logistikunternehmens dann stärker vom Transport von fertigen Waren hin zum Transport von Filament und verschiedenen Pulvern entwickeln. Das will die Bahn mit ihrer internationalen Logistiktochter Schenker klären. Doch bis es so weit ist, wird sie wohl erst noch viele Mantelhaken drucken lassen.
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| 15.000 Teile bis 2018 |










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