Der Kampf um die Kanne

Gesegelt wird um die älteste Sporttrophäe der Welt, den America's Cup, einen knapp 70 cm hohen, hässlichen Pokal, auch Auld Mug ("alte Becher") oder "bodenlose Kanne" genannt. Das Aussehen steht jedoch im Gegensatz zur Bedeutung: Er ist die prestigeträchtigste Trophäe im Segelsport. Um sie zu erringen, wurden und werden keine Kosten und Mühen gescheut, die teilnehmenden Boote sind Spitzentechnologie.

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Der erste Wettkampf um den Pokal wurde 1851 vor der südenglischen Küste ausgetragen. Der Schoner America schlug damals in einem Fleet Race 15 britische Gegner deutlich. Seither kämpfen die besten Segler der Welt um die Ehre, den Pokal bis zum nächsten Wettbewerb in der Vitrine ihres Yachtclubs ausstellen zu können. In diesem Jahr wird der 36. America's Cup ausgetragen.

Wer den Pokal verliert, verliert seinen Kopf

Das war lange der NYYC: 132 Jahre lang bissen sich die Herausforderer, die meist aus England kamen, die Zähne an den Seglern von der amerikanischen Ostküste aus - es ist die längste Siegesserie in der Sportgeschichte. Der NYYC ließ den Pokal im Clubhaus in der 44. Straße festschrauben. Für die Cup-Skipper galt: Wer den Pokal verliert, dessen Kopf wird künftig an dieser Stelle ausgestellt.

Der NYYC verteidigte den Pokal ein ums andere Mal vor Newport im US-Bundesstaat Rhode Island. Seit dem 3. Cup wird in Match Races gesegelt. Gibt es Herausforderer, segeln diese untereinander aus, wer gegen den Cup-Verteidiger antritt. In diesem Jahr hieß der Wettbewerb Prada Cup.

Zwei machen die Regeln

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Der Cup-Verteidiger ist im Vorteil, weil er großen Einfluss auf die Regeln für den jeweiligen Wettbewerb hat. Diese arbeitet er zusammen mit dem ersten Herausforderer aus, dem Challenger of the Record. Bei dem aktuellen Cup sind das die Neuseeländer und die Italiener.

  • Emirates Team New Zealand (l)  gegen Luna Rossa Prada Pirelli beim 36. America's Cup vor Neuseeland (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Die Teams segeln um die renommierteste Trophäe im Segelsport. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Die Italiener schlugen zuvor das Ineos Team UK (r) und American Magic. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Erst dann durften sie gegen den neuseeländischen Cup-Verteidiger antreten. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Die foilenden Boote sind bis zu 100 km/h schnell. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Blick unter den Rumpf von American Magic. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Höchste Gefahr: Das US-Boot hebt ab. Es wurde bei der Landung beschädigt, die Crew kam mit blauen Flecken davon. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Gesegelt wird auf Stadionkursen vor Auckland. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Match-Racing erfordert nicht nur ein schnelles Boot, sondern auch seglerisches Können. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Sieben Siege braucht ein Team, um den Cup zu gewinnen. (Bild: ACE/Studio Borlenghi)
  • Und darum geht es: der America's Cup (hier die einzige offizielle Kopie) (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Und darum geht es: der America's Cup (hier die einzige offizielle Kopie) (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Die Cup-Verteidigung verlief auch nicht immer fair. 1934 etwa blieb die Kanne nach einer höchst umstrittenen Regelauslegung in New York. Eine Schlagzeile aus der Zeit lautete: "Britannia rules the waves and America waives the rules." - übersetzt etwa: Britannia beherrscht die Meere und Amerika gibt die Regeln auf. Auch unschöne gerichtliche Auseinandersetzungen sind keine Seltenheit - wie etwa 1988, als am Ende Richter über den Ausgang des America's Cup entschieden.

Dennis Connor verlor den Pokal

Die Siegesserie des NYYC endete 1983, als Dennis Connor den Cup gegen eine Crew aus Australien verlor. Sein Glück: Der Kopf blieb auf seinen Schultern, und so holte er den Cup vier Jahre später zurück in die USA, wenn auch nicht nach New York, sondern nach San Diego.

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Auch in diesem Jahr wird der Cup nicht in den NYYC zurückkehren. Zwar ist der renommierte Club zum ersten Mal seit dem Verlust 1983 wieder angetreten. Doch schied America's Magic im Wettbewerb der Herausforderer aus.

Großbritannien wird es im 170. Jahr des America's Cup wieder nicht schaffen, den Pokal zu holen: Die Crew um Olympia-Rekordsegler Ainslie schied nach einem großen Auftakt im ersten Teil des Prada Cup sang- und klanglos im Finale gegen das Team Luna Rossa Prada Pirelli aus. Der Cup könnte also nach Europa kommen - zum dritten Mal nach 2003 und 2007. Damals siegte das Team Alinghi aus der Schweiz.

Wer sieben Mal siegt, holt die Kanne

Erst müssen die Italiener jedoch die Favoriten aus Neuseeland schlagen. Sieben Siege gilt es zu holen. Das heißt, es werden maximal 13 Rennen gesegelt. Die Rennen finden am Nachmittag neuseeländischer Zeit, also früh morgens unserer Zeit statt. Sie werden live auf dem Youtube-Kanal des America's Cup übertragen und sind dort auch abrufbar. Zudem überträgt der österreichische Sender Servus-TV.

Spätestens am 17. März wissen wir, welcher Segelverein die hässliche Kanne in den kommenden Jahren beherbergen wird. Es ist gut möglich, dass wir auch so lange warten müssen: Am ersten Renntag sahen die Gegner mit ihren Kampfjet-Booten ebenbürtig aus. Von Wasserschach keine Spur.

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 Elf Mann in einem Boot
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