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35 Jahre Zurück in die Zukunft II: "Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen!"

Vor 35 Jahren reiste Marty McFly zurück in die Zukunft – ins Jahr 1955, und ins Jahr 2015. Wer damals Kind war, lernte ein neues Wort: Almanach.
/ Peter Osteried
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Eine ungewöhnliche Art, mit dem DeLorean zu reisen. (Bild: Universal Pictures)
Eine ungewöhnliche Art, mit dem DeLorean zu reisen. Bild: Universal Pictures

Eigentlich hatten Regisseur Robert Zemeckis und Drehbuchautor Bob Gale ihren ersten Zurück in die Zukunft so angelegt, dass er für sich stand. Der Film war aber ein so großer Erfolg, dass das Filmstudio Universal erpicht war auf mehr. Ein Sequel war quasi unumgänglich.

Die Filmemacher standen vor der Frage: Ist man als Schöpfer des Originals mit dabei oder macht jemand anderes die Fortsetzung? Zemeckis und Gale entschieden sich dafür, den zweiten und dritten Teil selbst zu machen. Beide Teile wurden – und das war damals so noch nie gemacht worden – gleichzeitig gedreht, so dass sie 1989 und 1990 in die Kinos kommen konnten.

Da Zemeckis mit Falsches Spiel mit Roger Rabbit beschäftigt war, entwickelten Gale und Zemeckis zwar die Story gemeinsam, das Skript schrieb Gale dann aber allein.

Die Idee kam zustande, weil man ein 165-Seiten-Drehbuch für das Sequel hatte, das einen zweieinhalb Stunden langen Film ergeben hätte. Während das heutzutage kein Problem mehr wäre, hätte das in den 1980er-Jahren kein Studio gemacht.

Und so fragten die beiden Bobs Universal-Chef Sid Sheinberg:(öffnet im neuen Fenster) "Wieso nicht aus einem Sequel zwei machen und anstelle von 55 Millionen US-Dollar für einen Film gleich zwei für den Preis von 70 Millionen US-Dollar drehen?" Die Logik war bestechend und so machte man sich daran, aus einem Film zwei zu machen.

Ab in die Sechzigerjahre?

Zuerst dachte man daran, Marty ins Jahr 1967 reisen und seine Mutter als Hippie-Braut treffen zu lassen. Dann erschien es allen aber witziger, zum ersten Film zurückzukehren und gleich mehrere Martys parallel agieren zu lassen.

Zudem fand Zemeckis, dass die Sechziger ein zu ernstes Jahrzehnt waren, die Unschuld der Fünfzigerjahre fehlte. Und: Wie könnte ein Sequel dem ersten Teil mehr frönen, als einen Teil der Geschichte zeitgleich spielen zu lassen?

Bei der ersten Drehbuchversion war der Western-Teil als letzter Akt vorgesehen. Als entschieden wurde, zwei Filme back-to-back zu drehen, wurde der Western-Teil zu einem eigenen Film.

Alte Stars und neue Gesichter

Für den dritten Teil wollte man sich dann auf die Familie von Doc Brown konzentrieren und das Ganze noch weiter in die Vergangenheit bringen. Das Wild-West-Ambiente sorgte für reichlich Abwechslung und hatte alles, was nötig war, um die Trilogie zu ihrem Abschluss zu bringen.

Es ist eine runde Geschichte, obwohl die Sequels nie geplant waren. Am Ende fühlten sich alle drei Filme so an, als hätte man von Anfang an gewusst, worauf man hinauswollte. Schon das Zitat am Ende von Teil 1 deutet auf eine Reise in die Zukunft, als Doc Brown sagt: "Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen!"

Gale schrieb weiter am Drehbuch, die Vorproduktion begann jedoch schon im Herbst 1988, denn der zweite Teil sollte im Sommer 1989 in die Kinos kommen. Hinter der Kamera wurden dieselben Leute versammelt, davor waren Änderungen vonnöten.

Crispin Glover als Martys Vater wurde ersetzt, weil er dem Studio zu teuer war. Glover strengte später einen Rechtsstreit an, da man einen anderen Schauspieler mit einer Maske versah, die ihm ähnlich sah, so dass der Eindruck entstehen konnte, dass Glover noch immer dabei war.

Jeffrey Weissman übernahm die Rolle von Martys Vater, fühlte sich am Set aber nicht willkommen. Besonders Lea Thompson, die Martys Mutter spielt, wurde mit Weissman offenbar nicht warm. Sie soll ihn sogar als Hochstapler bezeichnet haben – eine harsche Kritik angesichts der undankbaren Aufgabe, die der junge Schauspieler hatte.

Auch Martys Freundin wurde neu besetzt, was besonders auffällt, weil der Anfang des zweiten Teils die letzten Minuten des ersten Teils wiederholt.

Im ersten Teil war es noch Claudia Wells, im zweiten wurde es Elizabeth Shue, die bereits mit Karate Kid und Cocktail Erfolge an der Kinokasse erlebt hatte.

Paradox

Der zweite Teil wurde unter dem Tarnnamen Paradox produziert. Man wollte so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf den Film ziehen. Das fertige Skript stand immer noch nicht, aber die Bobs wussten sehr genau, was sie wollten, und konnten dem Produktionsdesigner darum sagen, was zu tun war. Sie planten einen Zeitsprung in das Jahr 2015.

Die Zukunft von 2015

Zemeckis wollte das Jahr 2015 nicht düster aussehen lassen. Also beschloss er, viele Gags einzustreuen – wie die Premiere des Films Jaws 19.

Die Kleidung der Zukunft wurde bewusst knallbunt umgesetzt. Auch sehr schön: Die von Max Headroom(öffnet im neuen Fenster) inspirierten Versionen von Michael Jackson und Ronald Reagan im Café der Achtziger. Die Geschichte drehte sich um einen Almanach mit Sportergebnissen der Zukunft, der seinen Besitzer in der Vergangenheit durch gut platzierte Sportwetten reich macht.

Eine besondere Herausforderung des Films war, dass Michael J. Fox und Christopher Lloyd mit anderen Versionen ihrer selbst interagieren sollten. Bis dato wurde das so gemacht, dass die Kamera eine feste Position einnimmt und die Schauspieler nur bis zu einer gewissen Linie agieren durften. Sie durften sie nicht überschreiten, wenn man beispielsweise Martys Sohn und Marty im selben Shot sieht.

Beide Auftritte werden separat gefilmt und dann kombiniert. Das war aber recht statisch und Zemeckis wollte mehr Bewegung. Er arbeitete eng mit dem Effekte-Studio Industrial Light & Magic (ILM) zusammen und fragte, was dafür vonnöten wäre.

Man brauchte einen Motion-Control-Dolly, den Zemeckis sofort in Auftrag gab – er hatte ja reichlich Geld für die Sequels zur Verfügung. Dabei sind die Bewegungen der Kamera von Computern kontrolliert, so dass sie mehrmals ganz exakt gleich ausgeführt werden können.

Dadurch konnte man die Szenen mit mehr Bewegung ausstatten und wiederholen, so oft man wollte. Dafür entwickelte Bill Tondreau von ILM eine neue Software. Ihr Name: VistaGlide(öffnet im neuen Fenster) .

Am 24. Februar 1989 begannen die Dreharbeiten. Ein Starttermin im Sommer war damit nicht mehr machbar, aber ein Debüt am 22. November 1989 (in Deutschland am 21. Dezember 1989) war gesetzt. Man sieht, wie extrem schnell beide Teile produziert wurden.

Aufwendige Sequenzen

Ende Mai wurde die Hoverboard-Sequenz gedreht, die die Skateboard-Szenen in den Fünfzigerjahren variierte. John Bell von ILM entwarf die Hoverboards, und zwar zuerst kreisförmig mit Jets. Große Inspiration fand er bei dem Anime Akira . Letztlich fertigte er an die 30 Zeichnungen an, aus denen Zemeckis sich die Favoriten herauspickte.

Es war eine der aufwendigsten Sequenzen des ganzen Films. Sie wurde per Storyboard genau geplant, x-mal geprobt und dann erst gefilmt. Möglich wurde die Illusion der fliegenden Hoverboards(öffnet im neuen Fenster) , indem die Schauspieler in Harnische gesteckte wurden, die an Kabeln befestigt waren.

Sie zu bauen, war herausfordernd, da sie auch so gestaltet werden mussten, dass die Schauspieler und Stuntleute über längere Zeit in ihnen stecken konnten, ohne dass es zu unangenehm wurde. Erste Tests zeigten, dass es aussah, als würden die Figuren die Hoverboards hochheben und nicht auf ihnen stehen. Darum wurden die Drähte an den Hoverboards selbst angebracht.

Besonders spannend: Michael Lantieri, zuständig für visuelle Effekte, gelang es, ein Hoverboard schweben zu lassen, indem er darunter drei Magnete am Boden befestigte und am Hoverboard Magnete mit anderer Polung. Das Hoverboard wurde dann mit Drähten am Platz gehalten, bis Stuntman Charlie Croughwell darauf sprang.(öffnet im neuen Fenster)

Die Dreharbeiten für den zweiten Teil endeten am 1. August 1989 – es blieb nur wenig Zeit für die Nachproduktion, während die Dreharbeiten für Teil 3 begannen. An der Kinokasse erwies sich der Film – wie erwartet – als Erfolg.

Bei Kosten von 40 Millionen US-Dollar spielte er weltweit mehr als 330 Millionen Dollar(öffnet im neuen Fenster) ein. Zwei Filme hintereinander zu drehen, hatte sich gelohnt, nur sechs Monate später hatte der dritte Teil Premiere.


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