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Star Trek VI: Klingonen, die Shakespeare zitieren

Zum 25. Jubiläum von Star Trek erlebte die Crew von Captain Kirk ihr letztes Abenteuer. Es war ein grandioser Abschied.
/ Peter Osteried
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Die Crew der Enterprise bricht auf ins unentdeckte Land. (Bild: Paramount)
Die Crew der Enterprise bricht auf ins unentdeckte Land. Bild: Paramount

Ein Vierteljahrhundert nach dem Start der Original-Star-Trek-Serie sollte der Crew 1991 ein großartiger Abschied vergönnt werden. Wäre es nach Produzent und Drehbuchautor Harve Bennett gegangen, hätte das Projekt Starfleet Academy oder Star Trek: The First Adventure(öffnet im neuen Fenster) geheißen und wäre genau zum Jubiläum erschienen, vielleicht mit ein paar Gastauftritten, vor allem aber neuen Schauspielern in den Rollen des jungen Kirk und Co.

Nur: Als die Fans davon hörten und hässliche Assoziationen mit Police Academy aufkamen, nach denen man glauben konnte, Star Trek sollte zu lächerlichem Klamauk verkommen, wurde das Projekt zu einem Risiko, das das Studio nicht einzugehen bereit war. Als Paramount sich schließlich entschloss, Star Trek VI: Das unentdeckte Land den Vorzug zu geben, war Bennett enttäuscht, und da sein Vertrag ohnehin auslief, beendete er seine Arbeit an Star Trek.

Der Film sollte in den USA schon am 13. Dezember 1991 starten, um so noch in das Jubiläumsjahr zu fallen, die Produktion kam aber erst Anfang desselben Jahres richtig in Gang. Erste Überlegungen gingen dahin, Kirk auf die Helden der nächsten Generation treffen zu lassen, dies wurde aber schnell wieder fallengelassen.

Eine andere Idee nahm Form an. Sie kam von Leonard Nimoy, der den Fall der Berliner Mauer und den Niedergang der Sowjetunion auf das Verhältnis zwischen Föderation und Klingonen übertragen wollte, die stets für die Kommunisten standen. Zusammen mit den Autoren Lawrence Konner und Mark Rosenthal wurde das Grundgerüst festgelegt, und nachdem man sich entschieden hatte, auch eine klingonische Version von Tschernobyl einzubringen, lief das Ganze bereits in die Richtung, die man im fertigen Film schließlich sehen konnte.

Kann man mit den Klingonen befreundet sein?

Die Idee, dass der Friedensprozess zwischen Föderation und Klingonischem Reich sabotiert werden könnte, entwickelte sich aus der tatsächlichen Weltlage, in der es ebenfalls ungewiss war, ob die Annäherung der USA und der ehemaligen Sowjetunion ohne Probleme ablaufen würde.

Als Autor und Regisseur wurde Nicholas Meyer verpflichtet. Da seine Schnelligkeit schon beinahe legendär war, empfahl er sich als der richtige Mann, um das letzte Abenteuer der klassischen Crew fristgerecht in die Kinos zu bringen.

Da Meyer jedoch noch mit seinem eigenen Film Company Business beschäftigt war, fand er nicht die Zeit, das Drehbuch alleine zu schreiben. Darum arbeitete er mit Denny Martin Flinn zusammen. Die Ideen der beiden ergänzten sich mit der Storyvorlage und entwickelten sich zu einer der beeindruckendsten Geschichten, die es bei Star Trek bis dato gegeben hatte.

Wie oft bei guter Science-Fiction ging es nicht um abgehobene Dinge wie die Suche nach Gott, sondern um eine zukünftige Gesellschaft, die einen kritischen Blick auf das Geschehen vor der eigenen Haustür zuließ, dabei aber das Offensichtliche vermied und sich stattdessen als Abenteuergeschichte präsentierte, in die viel hineingedeutet werden konnte.

Auch Gene Roddenberry durfte seine Meinung zum Skript zum Besten geben. Ihm gefiel ganz und gar nicht, dass Saavik als eine der Drahtzieherinnen(öffnet im neuen Fenster) der Verschwörung enthüllt wird. Das widersprach seiner Auffassung des Charakters, wobei seine Bedenken schließlich dazu führten, dass eine neue Vulkanierin eingeführt wurde: Valeris war eine Vollblutvulkanierin, die der puren Logik folgte.

Für diese Rolle verpflichtete man Kim Cattrall, die sich anfangs nicht sicher war, ob sie annehmen sollte. Sie befürchtete, Valeris könnte nur ein schlechter Abklatsch von Saavik sein, wodurch sie quasi die dritte Schauspielerin geworden wäre, die dieselbe Figur verkörperte.

Die Dreharbeiten beginnen

Anfang des Jahres 1991 stand schließlich das Drehbuch, so dass am 13. Februar mit der Produktion begonnen werden konnte. Dadurch ergab sich unglaublich wenig Zeit, um einen großen Kinofilm in seiner Gänze zu realisieren. Ein weiteres Problem war, dass das Studio einen kostengünstigen Film wollte. Man kürzte Meyers Drehplan, so dass er plötzlich sehr viel weniger Tage zur Verfügung hatte. Zudem forderte das Studio Einsparungen beim Budget.

Da am Ende das Budget um eine Million US-Dollar gekürzt wurde, strich man schweren Herzens die Eingangssequenz, die jedem Mitglied der Brückencrew eine eigene Szene gewährt hätte. In dieser vielleicht ein wenig langen Einführung wären nach der Zerstörung des Mondes Praxis die einzelnen Mitglieder der Crew zusammengesammelt worden, um sie noch einmal auf einen Einsatz zu schicken.

Die ursprüngliche Anfangssequenz

Kirk, der seinen geruhsamen Lebensabend mit Dr. Carol Marcus verbringt, erhält in dieser Version der Story die Nachricht, dass er reaktiviert wurde, da er für das Gelingen der Mission unentbehrlich sei. Während er noch die Akten sichtet und dabei bemerkt, dass Spocks Status als geheim klassifiziert ist, geht es weiter zu McCoy, der von einem Medizinkongress weggeholt wird.

Der nächste Stopp bringt die beiden zu einem Hangar, in dem Scotty an dem Bird of Prey aus Star Trek IV arbeitet. Danach geht es weiter zu einem Schachclub, wo Chekov gerade verloren hat. Der letzte Halt ist schließlich bei Uhura, die sich mittlerweile als Radiosprecherin verdingt und sichtlich gelangweilt ist. Nachdem die gesamte Crew – Sulu ist ja Captain der Excelsior – versammelt ist, gibt es das Briefing, woraufhin das Abenteuer beginnen kann.

Mit einem Budget von 27 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) startete schließlich die Produktion. Bevor die Dreharbeiten am 16. April 1991 begannen, mussten noch die Nebendarsteller zusammengetrommelt werden. Meyer wollte für den Schwanengesang der Enterprise einige bekannte Namen haben, auch wenn ihm natürlich klar war, dass sie gleichzeitig recht günstig sein mussten.

Für die Rolle von Kanzler Gorkon dachte man zuerst an Jack Palance, er hatte jedoch zu hohe Gagenvorstellungen. Stattdessen ging die Rolle an David Warner, mit dem Meyer schon zusammengearbeitet hatte und der auch in Sachen Star Trek kein Unbekannter war.

Immerhin war er in Star Trek V als menschlicher Botschafter und wenig später in Star Trek: The Next Generation als Cardassianer zu sehen. Die Rolle von General Chang, dem Schurken des Films, ging an Christopher Plummer, einem klassisch ausgebildeten Schauspieler, der mit den Shakespeare-Passagen seines Charakters bestens umgehen konnte.

Auch und gerade seiner Leistung wegen erwies sich die Befürchtung, Meyer könnte es diesmal mit seinem Faible für Zitate etwas übertrieben haben, als unbegründet. Denn Plummer verstand es, diese Zitate zum integralen Bestandteil der Geschichte zu machen, wodurch sie in keiner Weise fehl am Platz wirkten.

Bei den Dreharbeiten benutzte man, wann immer es möglich war, echte Schauplätze, da sie sehr viel billiger waren, als alles im Studio nachzustellen. Hinzu kommt, dass so manche Außenaufnahme dem Film sehr gut steht – man denke nur an die Szenen, die in Alaska gedreht wurden. Mit einem kleinen Team und Doubles für William Shatner und DeForest Kelley wurden dort die Szenen gedreht, in denen Kirk und McCoy durch die unwirtliche Eislandschaft von Rura Penthe fliehen.

Hektischer Dreh

Meyer musste eine Vielzahl von Szenen pro Tag bewältigen. Dabei wechselten die Dreharbeiten von den verschiedenen Bühnen auf dem Gelände von Paramount Pictures zu Außenlocations und wieder zurück. Der Film sollte dadurch auch einen neuen Look erhalten, da er sich voll und ganz von seinen Vorgängern unterscheiden sollte.

Eine besondere Schwierigkeit war die Attentatsszene. Da in fehlender Schwerkraft agiert werden musste (oder besser gesagt: es so aussehen sollte), musste erfinderisch gearbeitet werden. Zuerst wurden verschiedene Videos der Nasa studiert, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich Menschen in Schwerelosigkeit bewegen.

Wie sich Schwerelosigkeit umsetzen lässt

Für die Realisierung der Szene waren diese Videos allerdings nicht besonders hilfreich. Dafür gab es zu viel zu beachten. Üblicherweise hätte man die herumschwebenden Personen und Dinge vor einem Blue Screen aufgenommen, das war aber zu kostenintensiv und zeitraubend.

Stattdessen wurde die Kulisse gekippt, so dass aus der Horizontalen eine Vertikale wurde, wobei die Kamera am Ende positioniert wurde. Die Stuntmen hingen an Drähten, ebenso einige der Requisiten. Daraus ergab sich ein Effekt, der sich durch Blue Screen niemals hätte erzeugen lassen. So begann sich eine Laterne zu drehen – und als sie sich auf die Stuntleute zubewegte, fiel ihr Lichtstrahl auf die Wand.

Zusätzliche Dynamik erhielt diese Szene durch das klingonische Blut, das wegen der Schwerelosigkeit nicht spritzt, sondern in Form von Blasen im Raum schwebt. Dafür waren die Effektspezialisten von George Lucas' Firma Industrial Light and Magic verantwortlich, wobei sie sich der Herausforderung bewusst waren, möglichst kostengünstig zu arbeiten.

Da dieser letzte Film der klassischen Crew auch einen Brückenschlag zur nächsten Generation darstellen sollte, wurde Michael Dorn verpflichtet, der in der Rolle von Colonel Worf als Vorfahr seines Next-Generation-Charakters die Verteidigung im Schauprozess gegen Kirk und McCoy übernahm.

Seinen ersten Auftritt bei Star Trek hatte zudem Rene Auberjonois(öffnet im neuen Fenster), der am Schluss des Films als Colonel West zu sehen ist. Der spätere Odo-Darsteller in Star Trek: Deep Space Nine war hier der Attentäter, der im Finale den Präsidenten der Föderation erschießen soll und sich dazu als Klingone verkleidet.

Da diese Szene für die Kinoauswertung der Schere zum Opfer fiel, entging vielen Fans, dass Auberjonois schon einmal bei Star Trek mitgewirkt hatte. Erst für eine spätere Veröffentlichung auf Video wurde die Szene dem Film wieder hinzugefügt.

Als Das unentdeckte Land in die Kinos kam, entwickelte er sich zum verdienten Erfolg. Alle waren mit dem Ergebnis zufrieden. Nicht nur alle Beteiligten, auch das Publikum konnte mit diesem letzten Abenteuer der klassischen Crew sehr viel anfangen.

Da war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass schnell Gerüchte die Runde machten, dies sei vielleicht gar nicht der letzte Film. Es hieß gar, das Ende sei so umgeschnitten worden, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Tatsächlich aber hatte Meyer am Ende nur noch einmal Hand angelegt, um einen positiveren Schluss zu schaffen.

Ein Nachfolger hätte alles verderben können

Für die Schauspieler, die sich am Ende des Films mit ihrer Unterschrift auf der Leinwand von den Fans und ihren längst zur zweiten Natur gewordenen Rollen verabschiedeten, war aber klar, dass dies das letzte Abenteuer sein sollte. Die Crew der alten Enterprise verließ die Bühne auf dem Zenit. Ein Nachfolger hätte alles verderben können.

Das unentdeckte Land – jene Metapher für den Tod, die im positivem Star-Trek-Sinne für die Zukunft steht – war ein Abschied, der kaum gelungener hätte sein können. Nach 25 Jahren traten die alten Helden ab. Es wurde Zeit, den Staffelstab an die nächste Generation zu überreichen.

Blieb nur noch, Kirks letztes Abenteuer zu erzählen und ein Treffen der Generationen einzuleiten. Aber das ist eine andere Geschichte, von deren Entstehung wir schon früher erzählt haben.


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