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35 Jahre Serienjubiläum: Final Fantasy und Dauerläufe im Kreis

Das erste Final Fantasy (1987) wäre beinahe auch das letzte gewesen. Glücklicherweise war es das nicht. Aber wie spielt sich das Rollenspiel 35 Jahre später?
/ Andreas Altenheimer
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Kaktus-Maskottchen von Final Fantasy (Bild: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images)
Kaktus-Maskottchen von Final Fantasy Bild: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

Manchmal erfüllen sich die kühnsten Träume erst, nachdem man sie losgelassen hat. So muss es 1987 Hironobu Sakaguchi(öffnet im neuen Fenster) gegangen sein. Der 1962 geborene Spieleentwickler arbeitete seit einigen Jahren für das japanische Unternehmen Square und hatte nach mehreren gefloppten Projekten das Ende seiner Karriere vor Augen. Trotzdem wollte er es noch ein letztes Mal versuchen und vor seinem Abschied aus der Branche seinen Traum vom eigenen Rollenspiel verwirklichen. Niemand ahnte damals, dass er mit Final Fantasy die Grundlage für eine der erfolgreichsten Marken der Unterhaltungsindustrie schaffen würde.

Sakaguchis Vision war klar definiert: Final Fantasy erinnert mit seiner schlichten Blockgrafik und seiner starren Einteilung in Oberwelt und Städte sowie Dungeons bewusst an das im Westen beliebte Ultima.

Auch die Handlung ist minimalistisch: Vier Krieger des Lichts sollen die in Dunkelheit versunkene Welt retten und die Macht der Kristalle wiederherstellen – so beschreibt es jedenfalls der kurze Einleitungstext(öffnet im neuen Fenster) , der direkt nach Spielstart über den Bildschirm flimmert.

Für mich ist es immer noch faszinierend, mit welch schlichten Mitteln die Final-Fantasy-Serie begann und sich im Laufe der Fortsetzungen immer weiter steigerte. Sie schaffte schlussendlich ihren internationalen Durchbruch mit der unschlagbaren Kombination aus Final Fantasy 6 (1994) und Final Fantasy 7 (1997), zwei der anerkannt besten Rollenspiele aller Zeiten.

Auch ich war insbesondere von der Wucht des sechsten Teils derart fasziniert, dass das Spiel bis heute Platz drei meiner ewigen "All Time Favourite"-Liste belegt, hinter dem Ego-Shooter Doom und dem außergewöhnlichen Action-Adventure Shadow of the Colossus.

Und weil mich darüber hinaus einige Nachfolger in ihren Bann gezogen haben – vor allem das bereits erwähnte Final Fantasy 7, aber auch Final Fantasy 9 (2000) sowie das umstrittene Final Fantasy 12 (2006) -, schaute ich mir nach und nach sämtliche Vorgängertitel an.

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Eine Reise in die Vergangenheit

Das erste Final Fantasy holte ich Ende der 1990er Jahre und mithilfe eines auf Ebay erstandenen Originalmoduls nach. Dabei gab es ein technisches Problem, das zum damaligen Zeitpunkt viele japanische Rollenspiel betraf: Das Spiel war nie in Europa erschienen.

Also musste ich auf eine US-Version zurückgreifen und benötigte zum Spielen eigentlich ein Nintendo Entertainment System (NES) aus den USA, das ich jedoch nicht besaß. Doch glücklicherweise hatte ich mir den sogenannten Tri-Star-Adapter besorgt, mit dem man NES-Module aus verschiedenen Sprachregionen auf einem Super Nintendo (!) spielen konnte.

Final Fantasy Pixel Remaster – Trailer
Final Fantasy Pixel Remaster – Trailer (00:30)

An dieser Stelle ein Geständnis: Streng genommen habe ich das erste Final Fantasy kaum bis gar nicht gespielt. Stattdessen saß meine damalige Freundin vor dem Fernseher und kämpfte sich im Laufe weniger Wochen bis zum Abspann. Allerdings habe ich die meiste Zeit zugeschaut und auf diese Weise viele positive Erinnerungen gesammelt.

Einerseits erinnere ich mich an ein wirklich simples, leicht zu handhabendes Rollenspiel, für das man sich nicht allzu sehr verbiegen muss. Andererseits denke ich an Dungeons ohne Speicherpunkte und an viele Stunden des stupiden Auflevelns.

Meine Freundin musste ständig mit ihren Helden im Kreis laufen, um Konfrontationen mit Gegnern zu provozieren und so Geld zum Kauf neuer Ausrüstung sowie Zaubersprüche zu erbeuten.

Viele Hardwareoptionen für das erste Final Fantasy

Die Erwartungen an meine Wiederspielrunde waren entsprechend gedämpft, denn ich weiß genau: Das erste Final Fantasy war gut, aber nicht spektakulär. Es fühlte sich selbst zum damaligen Zeitpunkt nicht außerordentlich innovativ an, weil viele Elemente bereits in Ultima oder dem japanischen Konkurrenten Dragon Quest eingeführt wurden.

Vor allem gab es aber noch kein hervorstechendes Merkmal wie das reizvolle Jobsystem in Final Fantasy 3 (1990), die brillante Musik aus Final Fantasy 6 oder die emotionsgeladene Story aus Final Fantasy 7.

Welche Version soll es sein?

Heute stehen mir viele verschiedene Optionen zur Verfügung, wie ich das erste Final Fantasy spielen könnte. Krame ich mein altes Modul heraus und stecke es in mein amerikanisches NES, das ich nachträglich erstanden habe?

Das wäre nicht sehr praktikabel, denn mangels vernünftiger Videoanschlüsse könnte ich für meinen Artikel nur verwaschene Screenshots aufzeichnen. Nehme ich stattdessen eines der vielen Remakes, die für Playstation, Game Boy Advance oder Steam erschienen sind? Nein, das würde den Retro-Charme zu sehr verwässern.

Somit bleibt mir nur der Griff zum Emulator. In dieser Hinsicht kann ich auf eine legale Variante zurückgreifen: das NES Classic Mini , auf dem das erste Final Fantasy enthalten ist. Zudem entsteht dank eines nachgebauten NES-Gamepads allerbestes Retro-Feeling, während mir der HDMI-Anschluss knackscharfe Pixel-Screenshots ermöglicht.

Zum Start wähle ich meine vier Heldencharaktere aus. Zur Wahl stehen der starke Kämpfer, der schlagfertige Schwarzgurt (in späteren Umsetzungen "Novize" genannt), der feige Dieb, der heilende Weißmagier, der mächtige Schwarzmagier und zu guter Letzt der multitalentierte Rotmagier.

Da ich kein großer Freund von komplizierten Taktikspielchen bin, entscheide ich mich für zwei Kämpfer und jeweils einen Weiß- sowie einen Schwarzmagier.

Anschließend stehe ich vor dem Schloss von Corneria und plaudere mit dem hiesigen König, dessen Tochter vom garstigen Garland entführt wurde. Natürlich wäre es Selbstmord, blind das Domizil des Schurken anzusteuern; dazu sind meine vier Recken noch viel zu schwach und viel zu dürftig ausgestattet.

Im Stadtgebiet von Corneria gibt es jedoch mehrere Händler, bei denen ich Waffen, Rüstungen und Zaubersprüche kaufen kann. Für die Shoppingtour benötige ich wiederum Geld, weshalb ich bereits in dieser frühen Spielphase vor den Toren der Stadt umherwandern und durch das Bekämpfen von unzähligen Feinden möglichst schnell Kohle verdienen muss.

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Mehr Krampf als Kampf

Leider dämpft bereits das erste Gefecht massiv meinen Spaß, denn die gesamte Spielmechanik fühlt sich sehr träge an. Vor mir stehen drei Imps, die ich der Reihe nach bezwingen muss. Ich gebe meinen Charakteren einen schlichten Angriffsbefehl und visiere jeweils einen der Gegner an.

Interview mit den Entwicklern des Final Fantasy VII Remake
Interview mit den Entwicklern des Final Fantasy VII Remake (04:01)

Daraufhin werden Textboxen eingeblendet, die bei einem Treffer meinen Erfolg und bei einem Fehlschlag meinen Misserfolg anzeigen. Jetzt erinnere ich mich an eine der größten Unarten von Final Fantasy: die Dummheit meiner eigenen Truppe!

Jeder Rollenspieler kennt das folgende Szenario: Man greift mit seinen Charakteren kollektiv denselben Gegner an. Sobald dieser stirbt, wechseln die verbleibenden Helden automatisch ihr Ziel und attackieren einen anderen Schurken.

Im ersten Final Fantasy gibt es das nicht: Wenn ein Feind tot ist, schlagen alle anderen Recken, die das gleiche Angriffsziel erhalten haben, ins Leere!

Das ist umso ätzender, als die Chancen für einen Fehlschlag hoch sind und die verursachte Schadenshöhe stark schwankt. Deshalb sterben manche Widersacher bereits nach einem Schlag und andere erst nach drei oder vier Hieben.

Fazit zu Final Fantasy

Das nächste Problem ist die Geschwindigkeit, in der das Spiel die Textboxen einblendet: Das geschieht so quälend langsam, dass es fast an Folter grenzt. Auch finde ich auf Anhieb keine Möglichkeit, den Prozess zu beschleunigen – egal, welchen Knopf ich drücke oder wie oft ich die Menüs durchsuche.

Des Rätsels Lösung ist beschämend einfach und zum Teil auf meinem Mist gewachsen: Aus Faulheit nutze ich nämlich nicht die interne Speicherfunktion des Spiels, sondern jene des NES Classic Mini.

Dadurch umgehe ich das erneute Aufrufen des Startbildschirms, wo man die sogenannte Respond Rate und somit die Geschwindigkeit der Textboxen einstellen darf.

Also speichere ich einmal klassisch ab und stelle beim Laden die Respond Rate auf die höchstmögliche Geschwindigkeit. Nun sind die Kämpfe deutlich flotter und angenehmer, dennoch fühlt sich das Spiel mit jeder Minute monotoner an.

Im Grunde besteht das erste Final Fantasy aus einer sehr dünnen Story, dem Abklappern von Städten und dem endlosen Verprügeln irgendwelcher Schurken, Kreaturen sowie Dämonen.

Zu 90 Prozent laufe ich im Kreis, provoziere reihenweise die gleichen Zufallskämpfe und verkloppe eine Monstertruppe nach der anderen, um die notwendige Stärke zu erlangen.

Natürlich wird das Prozedere später aufgelockert, beispielsweise durch flächendeckende Zauber oder einen einmaligen Klassenwechsel, der aus Dieben Ninjas oder aus den Kämpfern Ritter macht.

Das ändert aber nichts daran, dass sich Final Fantasy sehr in die Länge gezogen anfühlt, gerade aus heutiger Sicht in keinem Punkt besonders hervorsticht und ohne das zähe Aufleveln viel zu kurz wäre.

Aus diesem Grund vergeht mir bereits beim Besuch der Stadt Elfland komplett die Lust, weil ich dort zum Weiterkommen über mehrere Stunden durch die Wälder marschieren und gelangweilt Wölfe, Spinnen oder Oger verdreschen muss.

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Fazit: Ein biederer Meilenstein ohne Besonderheiten

Stellt sich die Frage: Was sonst hätte ich erwarten sollen? Final Fantasy war zu seiner Zeit eine einsteigerfreundliche Alternative zum großen Vorbild Ultima und abseits von Dragon Quest einmalig.

Aus heutiger Sicht schmerzt das Fehlen einer spannenden Geschichte und auch die Präsentation ist nach all der Zeit äußerst karg. Zwar war schon zum damaligen Zeitpunkt der legendäre Nobuo Uematsu(öffnet im neuen Fenster) als Musikkomponist an Bord, jedoch fehlt seinem Soundtrack die Klasse eines Final Fantasy 6 oder Final Fantasy 7.

Wer sich das alte Final Fantasy trotzdem anschauen möchte, der greift besser gleich zum Pixel Remaster(öffnet im neuen Fenster) , das 2021 veröffentlicht wurde. Hierbei handelt es sich um eine liebevolle Neuauflage des Originals, deren Grafik mehr an den Look der Super-Nintendo-Teile erinnert und somit sowohl alt als auch modern wirkt.

Die Urversion kann ich hingegen nur Nostalgikern mit einer rosaroten Brille oder absoluten Puristen empfehlen, die keinen Wert auf eine ausgefeilte Story legen und tatsächlich den ganzen Abend lang mit dem stupiden Vermöbeln von Pixelgegnern verbringen möchten.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper


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