35 Jahre Predator: Als der Dschungel unsicher wurde

"Es jagt aus Passion. Es tötet aus Lust. Aber dieses Mal jagt es das falsche Opfer." So steht es auf einem Filmplakat(öffnet im neuen Fenster) , das 1987 für Predator warb. Das " Opfer " war niemand Geringeres als Arnold Schwarzenegger, der es mit allen aufnahm – auch mit außerirdischen Jägern, selbst wenn sie ''ugly motherfuckers'' waren(öffnet im neuen Fenster) (oder vielleicht gerade deswegen).
Die Geschichte von Predator ist simpel und mit dem Eingangszitat erzählt, die Produktionshistorie ist es jedoch nicht. Der Film war ein Vehikel für seinen Star, doch auch Regisseur John McTiernan, der zuvor nur den kleinen Film Nomads (1986) inszeniert hatte, ergriff seine Chance und etablierte sich als neue Hoffnung des Actionkinos.
Nachdem Produzent Joel Silver das Drehbuch von Jim und John Thomas erhalten hatte, das damals noch den Titel Hunter trug, erkannte er dessen Potenzial und versuchte, einen Star daran zu binden. Er ließ es an Schwarzeneggers Management schicken und Schwarzenegger war offenbar von dem Stoff angetan. Wegen anderer Termine musste der Drehstart jedoch nach hinten verlegt werden, was Silver zu nutzen wusste, indem er David Webb Peoples eine Neufassung des Skripts schreiben ließ.
Die Produktion konnte beginnen. Doch damit kamen auch die Probleme.
Das erste Design des Predators
McTiernan entwarf ein eigenes Design für den Predator, das von Richard Edlunds Boss Film Creature Shop gefertigt werden sollte. Das ursprüngliche Design sah vor, dass die Kreatur dreigliedrige Beine haben sollte, mit Armen ähnlich dem vorderen Beinpaar einer Gottesanbeterin. Der Kopf hätte Ähnlichkeit mit freigelegten Knochen haben und dem Außerirdischen einen ganz eigenen Look verleihen sollen.

Ein entsprechendes Kostüm wurde gebaut. Doch Steve Johnson, seinerzeit noch bei Edlund tätig, erklärte, dass es im Dschungel von Mexiko nicht benutzbar sein würde, da sich kein Schauspieler oder Stuntman mit den Stelzen schnell hätte bewegen können.
Gewünscht war es dennoch, aber der Mann im Kostüm weigerte sich(öffnet im neuen Fenster) . Dieser Mann war Jean-Claude van Damme, der noch am Anfang seiner Karriere stand. Van Damme wollte mit den Stelzen nicht springen – und Joel Silver warf ihn raus.
Die Fehlkalkulation bei der Entwicklung des Monsters kostete die Produktion nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Denn die Dreharbeiten mussten für mehrere Monate unterbrochen werden, bis ein neues Design und Kostüm gestaltet worden waren.
Der Dreh begann am 14. April 1986 im Dschungel rund um Palenque in Mexiko. Die ersten Szenen des Films mit dem Söldnertrupp im Dschungel wurden recht zügig fertiggestellt.
Produktion bekommt Probleme
Am 25. April verabschiedete sich Schwarzenegger von den Dreharbeiten. Er flog nach Hyannis Port, wo er tags darauf Maria Shriver heiratete. Dem schlossen sich zwei Wochen Flitterwochen in Antigua an. Während dieser Zeit war die Second Unit damit beschäftigt, viele Füllszenen des Films abzudrehen.
Die Hauptdreharbeiten wurden am 12. Mai fortgesetzt und sollten nahe Guatemala stattfinden. Das war der Punkt, an dem sich endgültig zeigte, dass das Predator-Design im Dschungel nicht funktionierte. Dabei waren bereits alle Szenen, die nicht den Predator zeigten, im Kasten.
Durch den Produktionsstopp nach sechs Wochen geriet der 15 Millionen US-Dollar teure Film in ernste Schwierigkeiten. Die Produzenten warben beim Studio um weitere 2,5 Millionen US-Dollar, die für die Gestaltung der Kreatur, aber auch die Kostenexplosion der Zwangspause vonnöten waren.
Predator bekommt ein neues Design
Der Auftrag für die neue Kreatur ging an Stan Winston(öffnet im neuen Fenster) , der sich daran machte, eine humanoidere Figur zu erschaffen, die leichter umgesetzt werden konnte. Da er auf einen extrem groß gewachsenen Schauspieler setzen konnte, wurde das Monster dennoch imposanter, als man sich das bei einem Mann im Monsteranzug vorgestellt hätte.
Im Kostüm des Predators steckte der 2,18 Meter große Kevin Peter Hall(öffnet im neuen Fenster) , ein routinierter Monsterdarsteller. Zwar habe er sich, einen etwas anderen Karriereweg gewünscht, als er sich entschied, Schauspieler zu werden, sagte dieser einmal. Am Ende habe er aber spielen müssen, was ging, um seine Familie zu ernähren.
Bei den Dreharbeiten zu Predator war Schwarzenegger eine Inspiration für ihn. Denn ebenso wie man ihm gesagt hatte, er könne wegen seines Akzents und seines Aussehens nie ein Star werden, wurde Hall gesagt, dass seine Größe ihn als Schauspieler unmöglich mache. Geschafft hat er es dennoch.
Halls Karriere hatte als mutierter Bär in Die Prophezeiung (1979) begonnen, danach spielte er in Das Geheimnis der fliegenden Teufel (1980) zum ersten Mal einen Außerirdischen. Vor seinem Einsatz als Predator war er die Kreatur in Überfall im Wandschrank (1987) und der sympathische Harry in Bigfoot und die Hendersons (1987).
Seine vielleicht schönste Rolle hatte er in der kurzlebigen Science-Fiction-Serie Die Spezialisten unterwegs (1985), in der er einen groß gewachsenen Superhelden spielte, der auch klein werden konnte. 1991 verstarb Hall an einer HIV-Infektion, die er sich bei einer Bluttransfusion zugezogen hatte.
Die Dreharbeiten wurden im Januar 1987 wieder aufgenommen und im Februar beendet. Die Nachproduktion wurde mit der heißen Nadel gestrickt, um den anvisierten US-Kinostart im Juni 1987 halten zu können.
Mehrere (Beinahe-)Gouverneure
Neben Schwarzenegger wartet der Film mit einer auch sonst sehr interessanten Besetzungsliste auf. Der aus den Rocky-Filmen bekannte Carl Weathers spielt Schwarzeneggers alten Kumpel, auch Bill Duke (schon 1986 bei Phantomkommando mit Schwarzenegger zu sehen) ist dabei.
Mit einem anderen Kollegen, Jesse Ventura, arbeitete Schwarzenegger gleich im Anschluss erneut: In Running Man (1988) standen sie jedoch auf verschiedenen Seiten. Neben ihren gemeinsamen Filmen verbindet die beiden Männer, dass beide Gouverneure wurden – Schwarzenegger in Kalifornien, Ventura 1998 in Minnesota. Auch der Billy spielende Sonny Landham versuchte 2003, Gouverneur zu werden – doch beim Rennen um Kentucky verlor er.
Einer der Soldaten wird von Shane Black gespielt, der eigentlich Drehbuchautor und unter anderem für Erfolgsfilme wie Lethal Weapon (1987) verantwortlich ist. Der Produzent setzte ihn in Predator ein, da er ein Auge auf McTiernan werfen sollte, dessen erster Studiofilm dies war.
Ein wahrer Special Effect: der Tarnmodus des Predator
Einer der aufregendsten Effekte des Films ist der Tarnmodus des Predators, bei dem man die Kreatur nicht sieht, sondern nur eine leichte Veränderung der Dschungelumgebung wahrnimmt. Um diesen Effekt zu erzielen, musste ein Schauspieler in einem roten Anzug, der der Gestalt des Predators ähnlich war, vor der Dschungelkulisse agieren.
Rot wurde deswegen gewählt, weil dieser Farbton am weitesten vom Grün des Dschungels und dem Blau des Himmels entfernt war. Zuerst nahm man eine Szene mit dem Mann in Rot auf, später wurde derselbe Bildausschnitt mit einer 30 Prozent größeren Linse noch einmal aufgenommen und kombiniert. Durch die Kombination beider Aufnahmen entstand die leichte Störung des Bildes, die das Tarnfeld des außerirdischen Jägers zeigt(öffnet im neuen Fenster) .
Obwohl die Dreharbeiten für alle Beteiligten eine Tortur waren – McTiernan brach sich ein Handgelenk und verlor 25 kg, da er weniger aß, um der Gefahr von Diarrhöe zu entgehen -, nahmen alle die Herausforderung an. So auch Schwarzenegger, der bei einer Szene aus dem Wasser auftauchte und über und über mit Blutegeln bedeckt war.
Als Hall ihn darauf aufmerksam machte, zeigte Arnold nur eine Kein-Problem-Handbewegung und zupfte sich die Viecher selbst vom Leib. Nicht minder einfach war es für Hall selbst, der mit seinem Kostüm unter Wasser lauern musste, wobei sich sein Outfit vollsog und immer schwerer wurde.
Allen Problemen zum Trotz gab es am Set auch einiges zu lachen, was nicht zuletzt an den Streichen lag, die Cast und Crew sich gegenseitig spielten. Hall und ein paar andere sorgten eines Tages dafür, dass Schwarzenegger in seinem Zimmer mehr als nur sein heimeliges Bett vorfand: Sie hatten 18 Frösche in dem Zimmer ausgesetzt. "Doch Arnold," sagte Hall, "lässt einen niemals wissen, dass man ihn drangekriegt hat. Er konnte es mir nie zurückzahlen, da er nie genau herausgefunden hat, wer dafür verantwortlich war."
Als der Film im Juni 1987 in den US-Kinos anlief, entwickelte er sich zum Hit und hielt sich vier Wochen auf Platz eins. Abgelöst wurde er erst von Paul Verhoevens Robocop (1987). In Deutschland startete er am 27. August 1987.
Predator ist ein atemberaubender Actionfilm, der zum Ende hin gänzlich auf Dialoge verzichtet. Dann wird nur noch der martialische Zweikampf zwischen Schwarzenegger und dem Predator zelebriert. Mit der Figur des außerirdischen Trophäenjägers erschufen die Filmemacher eine Kreatur, die fortan aus der Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken war. Vier weitere Filme sowie zwei Aliens vs. Predator-Filme folgten.



